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AUSLAND: Österreich lacht über staatliche Unternehmenspolitik

Börsenwerte der Unternehmen stürzen ab und ausländische Manager haben keine Lust auf Jobs, wo die Politik so ungeniert in die Unternehmen hineinregiert.

Manager und Medien in Österreich schwanken zwischen Lachen und Schimpfen, wenn sie auf die staatliche Unternehmenspolitik blicken. »Chaos-Truppe« und »Dilettantismus« sind noch schmeichelhafte Charakterisierungen für die Holding ÖIAG, in der alle staatlichen Unternehmensbeteiligungen verwaltet werden. ÖIAG-Vorstand Johannes Ditz musste sich am Donnerstag in der Öffentlichkeit vorhalten lassen, er sei ein »klassischer Funktionär«, keinesfalls ein Wirtschaftsmanager.

Machtlos im Aufsichtsrat

Am Vortag war es Ditz als Aufsichtsratsvorsitzender der börsennotierten Telekom Austria (TA) nicht gelungen, den schon vor Monaten von ihm angekündigten Austausch des kompletten TA-Vorstandes durchzusetzen. Obwohl der Staat mit knapp 45 Prozent die meisten TA-Anteile besitzt, konnte Ditz keine Mehrheit für die Ablöse des TA-Vorstandschefs Heinz Sundt finden. Zuvor war die Sitzung des Aufsichtsrates schon einmal verschoben worden, um eine solche Mehrheit zu garantieren.

»Methoden wie im Mittelalter«, schäumte die überregionale Zeitung »Salzburger Nachrichten« dann auch am Donnerstag. Der TA-Vorstand werde von Ditz »an den Pranger« gestellt, ohne für einen Ersatz sorgen zu können. Sundt, der vor kurzem von Ditz selbst in dieses Amt geholt worden war, will seinen bis Mitte 2003 laufenden Vertrag auf jeden Fall erfüllen. Ditz stellte nach seiner Niederlage im Aufsichtsrat die Chefetage mit Sundt an der Spitze öffentlich als unfähig hin, das Unternehmen in die schwarzen Zahlen zu führen.

Peinliche Pannen

Schon die von Ditz erzwungene vorzeitige Ablöse des Vorstandes der teilstaatlichen Austrian Airlines (AUA) hatte im Lande Kopfschütteln ausgelöst. Der ÖIAG-Chef hatte am AUA-Aufsichtsrat vorbei das Ausscheiden des Vorstandsduos Herbert Bammer und Mario Rehulka zum Jahresende bekannt gegeben, obwohl eine Nachfolge weit und breit nicht in Sicht ist. Dann stellte sich heraus, dass der Schachzug von Ditz aktienrechtlich nichtig ist, weil ihm ein Formfehler unterlaufen war.

Dilettantische Vorgehensweise

Der Austausch ungeliebter Manager in staatsnahen Betrieben durch die seit 16 Monaten amtierende rechtskonservative Regierung soll wenigstens 240 Millionen Schilling (34 Millionen Mark/17,4 Millionen Euro) allein an Abfindungen kosten. »Eine dermaßen dilettantische und unprofessionelle Vorgehensweise würde vermutlich nicht einmal mehr in einer schwarzafrikanischen Bahnanrepublik hingenommen«, schimpfte das Magazin »Format« in seiner jüngsten Ausgabe. Das sei »eine Affenschande«.

Die Folgen der personellen Querelen könnten sich nach Darstellung von Wirtschaftsforschern negativ für die gesamte Wirtschaft auswirken. Denn wenn so ungeniert von der Politik in die Unternehmen hineinregiert wird, können kaum ausländische Top-Manager angelockt werden. Auf der anderen Seite verliert die ohnehin dahinsiechende Wiener Börse, an der die betroffenen Unternehmen drastische Kursverluste hinnehmen mussten, für internationale Investoren noch mehr an Attraktivität. Thomas Brey

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