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Auto-Branche: Der "Göttervater" Ferdinand Piëch

Ferdinand Piëch hat den Höhepunkt seiner Macht erreicht: Nach Porsche zieht er nun auch bei VW die Strippen. Doch der Prozess um Veruntreuung, Lustreisen und Einflussnahme bei Volkswagen könnte seine weiße Weste beschmutzen.

Der einflussreichste Mann bei Volkswagen heißt Ferdinand Piëch. Ohne den "Göttervater" - so ein Kleinanleger auf der Hauptversammlung im Mai - läuft nichts in Wolfsburg. Der 70-jährige Porsche-Enkel und Aufsichtsratschef bei VW nutzte das auslaufende Jahr, um seine Machtbasis festzuzurren. Mit der erwarteten Übernahme durch die Stuttgarter Sportwagen-Hersteller Porsche halten die verbandelten Familien Piëch und Porsche bei VW fest das Heft in der Hand. Wie es nun weitergeht, ist im Detail noch nicht entschieden - auch nicht, wessen Stimme künftig das meiste Gewicht haben wird. Aber eins steht fest: 2007 war das Jahr des Triumphes für den Enkel des Autopioniers Ferdinand Porsche.

Seine Widersacher hat der gewiefte Taktiker allesamt aus dem Feld geschlagen und die Führung des Konzerns in die Hände ihm vertrauter Manager gelegt. Dass er selbst die Strippen gezogen hat beim Wechsel auf dem VW-Chefsessel, hat Piëch mittlerweile eingeräumt. Es sei ein Fehler gewesen, den früheren BMW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder zu seinem Nachfolger zu berufen. Das habe er nun korrigiert - seit Januar 2007 ist Ex-Audi-Chef und Piëch-Vertrauter Martin Winterkorn Vorstandsvorsitzender. An die Spitze des Aufsichtsrates wurde Piëch im Mai wiedergewählt - allen vorherigen Widerständen zum Trotz.

Auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der den Porsche-Miteigentümer Piëch vor allem wegen der Doppelrolle als Kontrolleur und Großaktionär kritisiert hatte, gab nach langem Kleinkrieg schließlich nach. Er beugte sich der Übermacht von Piëch und der Porsche-Familie, die inzwischen mehr als 30 Prozent der VW-Aktien hält. Nach dem Fall des VW-Gesetzes wird in Kürze die Übernahme der Mehrheit durch Porsche in Wolfsburg erwartet. Das Land Niedersachsen ist mit knapp 21 Prozent der zweitgrößte Anteilseigener bei VW. Und auch die Belegschaft hatte Piëch hinter sich gebracht. Man habe ja bisher keine schlechten Erfahrungen mit ihm gemacht, argumentierte der Betriebsrat.

Leidenschaftlicher Technikfreak

Vor allem eines fehlt Piëch jetzt noch zur Erfüllung seines Lebenstraums: Dass die Allianz der Lastwagenbauer MAN und Scania mit der brasilianischen VW-Schwerlasttochter oder möglicherweise der kompletten VW-Nutzfahrzeugsparte unter dem eigenem Dach gelingt. Dem Vernehmen nach laufen hinter den Kulissen die Gespräche zwischen Piëch und der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg weiter, die Großaktionär bei Scania ist. Piëch werden enge persönliche Kontakte mit Peter Wallenberg nachgesagt.

Der 1937 in Wien geborene Piëch gilt als leidenschaftlicher Auto- und Technikfreak. Neun Jahre lang - von 1993 bis 2002 - stand er an der Spitze des Wolfsburger Autokonzerns, danach wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrats. "Autos bauen", nannte er einmal sein größtes Hobby. Und das hat er fast sein ganzes Leben lang getan.

Eva Tasche/DPA / DPA