Auto-Versicherung Anti-Rüpel-Rabatt für Fahranfänger


Die beste erzieherische Maßnahme geht immer noch über den Geldbeutel. Nach diesem Motto versucht eine Versicherung nun, Fahranfänger mit Rabatten zu defensiverem Fahren anzustiften.
Von Uwe Schmidt-Kasparek

Beinahe jeder Vierte Tote im Straßenverkehr ist zwischen 18 und 24 Jahren alt, also mehr oder weniger Fahranfänger. Ideen und Vorschläge die hohe Opferzahl zu reduzieren gibt es viele: die Null-Promille-Grenze für junge Autofahrer etwa oder eine freiwillige Fortbildung für Fahranfänger, wie sie jüngst vom Verkehrsministerium gefordert wurde. Eine Versicherung versucht nun defensiveres Fahren durch einen Anti-Rüpel-Rabatt zu fördern.

20 Prozent Rabatt gegen Punkte in Flensburg

"Das Angebot soll junge Autofahrer positiv beeinflussen", sagt Sabine Friedrich, Sprecherin der Axa-Versicherung in Köln. 20 Prozent Rabatt auf die Prämie bekommen ab sofort jene Fahrer bei der Axa, die keine Punkte in Flensburg haben - ein Anreiz, sich am Steuer grundsätzlich defensiver zu verhalten.

Junge Autofahrer, die zumeist aus Unerfahrenheit oder Selbstüberschätzung viele Unfälle bauen, stehen schon seit Jahren an der Spitze der Crash-Hitliste Deutschlands. Von den 7,6 Millionen Punkte-Sündern im Flensburger Register sind nach einer Schätzung des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) 900.000 junge Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren.

Neuer Tarif gerechter als bisheriger

Der neue Tarif ist nach Meinung der Axa gerechter als bisherige. Künftig müssten brave Autofahrer nicht mehr für die Gruppe der Rüpel mitbezahlen. Anspruch auf den neuen Rabatt haben Fahrer zwischen 20 und 24 Jahren, die ein Jahr schadenfrei geblieben sind und deren Kraftfahrzeug nicht stärker als 115 PS/85 kW ist. Und sie müssen per Selbstauskunft nachweisen, dass sie eine reine Weste haben in Flensburg. Diese Auskunft gibt’s beim KBA kostenlos. Das Formular kann übers Internet ausgedruckt werden.

Ob der neue Anreiz zum umsichtigen Fahren tatsächlich greift und das bewährte Schadenfreiheitsrabatt-System sinnvoll ergänzt wird, darüber gibt es in der Branche mit ihren 110 Versicherern Zweifel. "Ein interessanter Ansatz", sagt Alois Schnitzer von der Huk-Coburg, dem zweitgrößten deutschen Autoversicherer. Eine Einführung sei aber bisher nicht geplant, vom Marktführer Allianz ist ähnliches zu hören. Auch andere Autoversicherer wie die LVM aus Münster, die DEVK aus Köln oder die VHV aus Hannover winken grundsätzlich ab.

Ein Grund für die Zurückhaltung könnte sein: Noch ist nicht klar, wie junge Fahrer überprüft werden sollen, die nach Abschluss des Versicherungsvertrages Punkte kassieren. "Das muss man melden", sagt Axa-Sprecherin Friedrich. Doch Rechtsexperten halten dagegen: "Da wären die Autofahrer doch schön dumm, wenn sie sich ihren Rabatt selbst wieder verderben würden", sagt Hans-Jürgen Gebhardt, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein. Zwar sieht auch Gebhardt die Idee eines Punkterabatts als Schritt zu mehr Verkehrssicherheit. Doch eine KBA-Auskunft gegen den Willen des Versicherten sei nicht erlaubt.

Axa-Sprecherin Sabine Friedrich sieht das entspannt: "Bei Angaben wie der jährlichen Kilometerleistung, wodurch die Versicherungsprämie auch günstiger werden kann, haben wir bisher gute Erfahrungen gemacht und sind ganz selten übers Ohr gehauen worden. Sollte das beim Punkterabatt anders laufen, dann werden wir jedes Jahr eine Selbstauskunft verlangen."


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker