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Autoindustrie: Daimler-Gewinn bricht ein

Düstere Zeiten für Daimler: Der Autobauer kürzt zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate seine Gewinnprognose auf nun etwas mehr als sechs Milliarden Euro. Ursache ist die schwache Nachfrage nach Mercedes-Fahrzeugen. Auch bei Toyota und Fiat sieht es nicht besser aus.

Der Stuttgarter Autobauer Daimler zollt dem Konjunktureinbruch und der Flaute auf vielen Fahrzeugmärkten abermals Tribut und muss zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Gewinnprognose senken. Daimler teilte am Donnerstag in Stuttgart mit, im laufenden Jahr sei nur noch mit einem Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von mehr sechs Milliarden Euro zu rechnen. Selbst diese Prognose sei noch "mit erheblichen Unsicherheiten verbunden", stellte der Autobauer klar. Erst im Sommer hatte Daimler seine ursprüngliche Gewinnprognose von 7,7 Milliarden Euro Ebit kassiert und auf etwas mehr als sieben Milliarden Euro taxiert.

In der neuen Prognose seien Sonderfaktoren wie die Abwertung von Fahrzeug-Restwerten im Leasing-Geschäft und der Restbeteiligung an dem verlustreichen US-Autobauer Chrysler noch nicht enthalten, erklärte das Unternehmen. Diese belasteten Daimler allein im dritten Quartal mit 765 Millionen Euro. Für die laufende Sanierung des US-Autobauers, an dem Daimler noch 20 Prozent hält, mussten die Stuttgarter im dritten Quartal einen Verlust von 351 Millionen Euro verbuchen.

Konzern-Chef mit Durchhalteparolen

"Die sich verschärfende Bankenkrise, ihre Auswirkungen auf die Realwirtschaft und die daraus resultierende weltweite Verunsicherung der Konsumenten hat die Geschäftsentwicklung von Daimler im dritten Quartal deutlich negativ beeinflusst", teilte der Vorstand mit. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen schrumpfte um zwei Drittel auf 648 Millionen Euro zusammen. Der Umsatz gab um sieben Prozent auf 23,8 Milliarden Euro nach, der Absatz sank um drei Prozent auf 522.500 Autos, Busse und Lastwagen. Bis zum Jahresende werde der Konzernumsatz unter dem Vorjahreswert von 99,4 Milliarden Euro liegen.

Konzern-Chef Dieter Zetsche schwor die Mitarbeiter auf eine längere Durststrecke ein. "Was wir jetzt angesichts der aktuellen Situation vor allem brauchen, ist die richtige Mischung aus Kampfgeist und Durchhaltevermögen", schrieb Zetsche in einem Mitarbeiterbrief.

Vor allem die bisherige Ertragsperle Mercedes-Benz verhagelt Daimler die Bilanz. Die Auto-Marke erlebe einen "abrupten Nachfragerückgang" und verdiene wegen der gestiegenen Nachfrage nach Kompaktwagen nicht mehr so viel Geld wie bisher, räumte das Unternehmen ein. Daimler verabschiedete sich von dem Ziel, in diesem Jahr mehr Mercedes, Smart und Maybach zu verkaufen. Es sei nur noch ein Absatz in der Größenordnung des Vorjahres zu erwarten, teilte Daimler mit. Mercedes-Benz lieferte im dritten Quartal nur 112 Millionen Euro Gewinn vor Steuern und Zinsen ab nach 1,3 Milliarden Euro im Vorjahr.

Toyota verkauft deutlich weniger Autos

Auch der japanische Autohersteller Toyota hat in Deutschland mit einem deutlichen Absatzrückgang zu kämpfen. Von Januar bis September dieses Jahres verkaufte das Unternehmen 75.273 Fahrzeuge. Das entspreche einem Minus von rund 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, sagte eine Konzern-Sprecherin und bestätigte damit einen Bericht des "Hamburger Abendblatts". Das Ergebnis liegt unter dem Branchenschnitt (plus 1,3 Prozent). Dies sei auch darauf zurückzuführen, dass Toyota in diesem Jahr keine neuen Volumenmodelle auf den Markt gebracht habe. Bei der "verhaltenen Marktsituation" sei dies schwer auszugleichen, sagte die Sprecherin. Im nächsten Jahr sollen sechs neue Modelle "einiges an Wachstumsschub" bringen.

Bei Fiat sieht es auch nicht besser aus: Der italienische Auto- und Industriekonzern warnte, das Ergebnis im kommenden Jahr könne wegen der Finanzkrise im schlimmsten Fall um 65 Prozent einbrechen. Obwohl Fiat diese Aussage mit "Worst-Case-Szenario" beschrieb, interpretierten Analysten es als klare Gewinnwarnung. Dass der Autobauer im abgelaufenen Quartal ein überraschend gutes Ergebnis vorlegte und seine Gewinnziele für 2008 bekräftigte, spielte an der Börse kaum eine Rolle mehr: Die Fiat-Aktie fiel im Handelsverlauf um mehr als sechs Prozent.

Der benefalls kriselnde amerikanische Autobauer General Motors plant wegen der anhaltenden rückläufigen Verkäufe weitere Entlassungen. Diese sollten bereits Ende des Jahres beziehungsweise Anfang 2009 beginnen, teilte der Konzern in einem Brief an Topmanager mit. Weltweit werde es in allen Geschäftsbereichen des Konzerns dringend erforderliche Sparmaßnahmen geben, hieß es in dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Ein Sprecher der deutschen GM-Tochter Opel erklärte indes, Opel-Mitarbeiter in Europa seien von den Streichungen nicht betroffen.

Reuters/DPA/AP / AP / DPA / Reuters