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Autoindustrie: Rabatte, Konkurrenz und hohe Kosten

Auf dem Automarkt herrscht Schnäppchenzeit: Preisnachlässe haben einen historischen Höchststand erreicht. Für die Autoindustrie hat sich die Rabattschlacht aber als Weg in die Sackgasse entpuppt.

Mit Rabatten jeglicher Art versuchen die Hersteller, die Kunden aus ihrer Kaufzurückhaltung zu locken. Das Angebot umfasst Sonderzinsen, kostenlose Ausstattungsextras, Urlaubsgeld, Tankgutscheine oder einen Führerschein-Zuschuss. Nach Expertenmeinung haben die Preisnachlässe inzwischen historische Höchststände von durchschnittlich 14 bis 15 Prozent auf den Listenpreis erreicht - das wären fast 3000 Euro pro Wagen. Der Höhepunkt scheint aber überschritten. Abhilfe sollen 80 Premieren bringen, die auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt gezeigt werden - denn neue Modelle verkaufen sich auch ohne Rabatte.

"Wegen der Belebung des Automarktes werden die Preisnachlässe in den nächsten Monaten sinken", sagt der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk. "Das geht aber nicht per Knopfdruck." Die Kunden haben sich inzwischen an die Schnäppchen gewöhnt. Doch für die Autoindustrie hat sich die Rabattschlacht laut VDA als "Weg in die Sackgasse" entpuppt. Der deutsche Automarkt legte seit Jahresbeginn um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu und soll vor allem wegen des hohen Ersatzbedarfs 2005 erstmals seit fünf Jahren wieder robust wachsen. Das Wachstum wurde bisher aber mit Preisnachlässen teuer erkauft. Das geht zu Lasten der Margen.

Der Export ist der wichtigste Motor der deutschen Autobranche

"Auf Grund des hohen Wettbewerbs und des schwachen Inlandsgeschäfts bewegt sich die Branche in ihrer Gesamtheit bei der Umsatzrendite in der Verlustzone", schreibt die Dresdner Bank. Etwas besser stünden Premiumhersteller da, die nicht so konjunkturabhängig seien. Neben den Rabatten belasten die kräftig gestiegenen Rohstoffpreise für Öl, Stahl und Kupfer die Hersteller. Der starke Euro schmälert seit dem vergangenen Jahr die gute Gewinnlage im Export. Insbesondere in den USA verdienen die Hersteller wegen der massiven Rabatte und Währungsprobleme nicht mehr so gut, VW machte dort im ersten Halbjahr fast 600 Millionen Euro Verlust. Der vielgepriesene Zukunftsmarkt China bleibt wegen Kreditbeschränkungen der Regierung und des Wettbewerbs schwierig.

Der Export ist dennoch der wichtigste Motor der deutschen Autobranche. 70 Prozent aller hierzulande gebauten Wagen gehen ins Ausland. "Deutsche Marken haben mit ihrer jungen Modellpalette in Westeuropa Marktanteile gewonnen", sagt Autoanalyst Eric Heymann von der Deutschen Bank. Seit Jahresbeginn blieben die Exporte auf dem Rekordniveau des Vorjahres.

Kostensenkung lautet das Gebot der Stunde

Die Autoindustrie leidet weiter unter Überkapazitäten und erlebt einen knallharten Wettbewerb. Insbesondere Volumenhersteller wie VW und Opel sehen sich bedrängt. Von oben stoßen Premiumhersteller wie BMW in das Segment, von unten machen Koreaner und Japaner ihnen das Leben schwer. Die Koreaner mit Hyundai und Kia haben seit Jahresbeginn in Deutschland um traumhafte 35 Prozent zugelegt.

Jetzt kommt mit den Chinesen, die erstmals auf der IAA ausstellen, ein neuer Billigwettbewerber hinzu. "Die Deutschen werden in ihren dominanten Bereichen, der oberen Mittelklasse bis Luxuskategorie, dadurch nicht gefährdet", sagt Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. "Die Chinesen sind aber ernst zu nehmen, sie werden langfristig einen Marktanteil von fünf Prozent in zehn Jahren erreichen."

Kostensenkung lautet das Gebot der Stunde. Opel hat mit seinem radikalen Sanierungsprogramm und dem Abbau von 9500 Stellen im zweiten Quartal operativ erstmals seit Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben. VW plant weitere Sparprogramme in Milliarden-Höhe.

Die Feinstaub-Debatte setzt deutsche Hersteller unter Druck

Die Korruptionsaffäre bei VW sowie Qualitätsprobleme und Rückrufaktionen bei Mercedes haben das Image der Marken beschädigt. Unter Druck sind die deutschen Hersteller auch in der Feinstaub-Debatte geraten, weil sie nicht schnell genug Rußpartikelfilter liefern können. Im Juli gingen die Zulassungen mit Dieselmotor in Deutschland um 10,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück - die Kunden sind wegen der Debatte um Fahrverbote verunsichert.

Zukunftsweisend sollen angesichts der hohen Benzinpreise Hybrid-Modelle sein, die die großen Hersteller auf der IAA präsentieren. "Diesen Zug haben die Deutschen verpasst, der Vorsprung von Toyota ist immens", sagt Heymann. Alle Hersteller müssten das Thema nun angehen. Mit einem Marktanteil von unter einem Prozent bleibe Hybrid hierzulande aber eine kleine Nische.

Benzinabsatz deutlich gesunken

Angesichts von Rekordpreisen sinkt in Deutschland der Absatz von Benzin und Diesel schneller als erwartet. Bis Ende Juli wurden fünf Prozent weniger Benzin und 1,5 Prozent weniger Diesel verkauft, wie der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) mitteilte. "Der Rückgang ist stärker als erwartet ausgefallen", sagte MWV-Sprecherin Barbara Meyer-Buckow der "Berliner Zeitung". Sie erinnerte zugleich daran, dass der Kraftstoffverbrauch in Deutschland seit Jahren rückläufig ist. Möglicherweise werde auch sparsamer oder weniger gefahren. Mit minus 14 Prozent ist der Rückgang bei der teuersten Sorte Super plus am deutlichsten.

DPA/AP / AP / DPA