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Bahn-Streiks: Mehdorn erneuert Lohnangebot

Zehn Prozent mehr Lohn sofort! Bahnchef Hartmut Mehdorn hat sein Angebot an die Lokführer wiederholt, um so einen drohenden Streik bei der Bahn abzuwenden. Am Montag will die Lokführergewrkschaft GDL bekannt geben, wann und wo gestreikt wird.

Die Bahn sieht sich für den in dieser Woche erwarteten Streik der Lokführer gerüstet, um die Auswirkungen auf Millionen Reisende zu begrenzen. „Wir sind gut auf einen eventuellen Streik vorbereitet“, sagte ein Sprecher am Wochenende. Ein Not-Fahrplan solle sicherstellen, dass mehr als die Hälfte der Züge auch bei Arbeitsniederlegungen verlässlich verkehren.

Angesichts der Streikgefahr bot Bahn-Chef Hartmut Mehdorn im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung nochmals an: "Jeder Lokführer, der will, kann ab sofort zehn Prozent mehr Geld verdienen." Die Lokführer-Gewerkschaft GDL habe das aber bereits früher abgelehnt. Sie will am Montag bekannt geben, ob und wann ihre Mitglieder die Arbeit wegen des Streiks über einen eigenen Tarifvertrag und kräftige Lohnerhöhungen ruhen lassen. Für eine Meldung, nach der die Bahn im Streikfall ausländische Lokführer einsetzen will, gab es keine Bestätigung.

Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee beschwor GDL und Bahn nochmals, ihren Tarifstreit schnell beizulegen. "Ein Streik kann verheerende Folgen für die Volkswirtschaft und den Aufschwung haben", sagte er dem Magazin "Der Spiegel". "Bahn und Lokführergewerkschaft haben eine hohe Verantwortung. Sie müssen die Belange der Beschäftigten und des Unternehmens, aber auch die Auswirkungen auf die Wirtschaft berücksichtigen", sagte der Minister in mehreren Interviews. Härte demonstrierte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale. "Wir lassen uns auch mit Streiks nicht erpressen", sagte sie der Zeitung "Die Welt". "Wenn es denn sein muss, halten wir diesen Arbeitskampf aus", ergänzte sie.

Keine neuen Kontakte am Wochenende

Kontakte zwischen der GDL und der Bahn gab es nach Angaben eines Bahn-Sprechers am Wochenende nicht mehr. "Jetzt ist die GDL am Zug", sagte er. Am Freitag war ein erneuter Einigungsversuch zwischen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und GDL-Chef Manfred Schell gescheitert. Damit rückt ein Arbeitskampf nach dem Ablauf der Friedenspflicht am Sonntag näher. Am Montagmorgen und auch am Tag der Deutschen Einheit, dem Mittwoch, soll nicht gestreikt werden.

Die Bahn betonte, sie sei auf Streiks besser vorbereitet als beim letzten Mal. Einige Züge dürften zwar ausfallen. Mit großen flächendeckenden Streiks, die den Zugverkehr in weiten Teilen des Landes lahm legen, rechne sie aber ohnehin nicht, sagte Suckale. Sie versprach: "Wer mit der Bahn fahren will, wird auch zum Ziel gebracht." Streikende Lokführer könnten zwar nicht vollständig, aber in hohem Maße ersetzt werden.

Beamte als Streikbrecher

Das Unternehmen plant nach Medienberichten verstärkt Lokführer im Beamtenstatus sowie solche, die den Gewerkschaften Transnet und GDBA angehören, einzusetzen. Transnet-Chef Norbert Hansen sagte im "Spiegel": "Unsere Mitglieder werden sich nicht als Streikbrecher missbrauchen lassen, aber ihren Dienst tun."

Auch Suchanzeigen für 1000 zusätzliche Lokführer waren nach Suckales Worten ein Erfolg. Es seien mehr als 800 geeignete Kandidaten gefunden worden, die man relativ schnell einsetzen könne. Zudem plant die Bahn, ganze Mitarbeiterscharen einzusetzen, um die Kunden im Streikfall auf Basis des Not-Fahrplans zu informieren. Fehlende Informationen hatten viele Reisende bei den letzten Arbeitsniederlegungen der Lok-Führer stellenweise erheblich verärgert.

Reuters/DPA / DPA / Reuters