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Bahn-Streit: Weihnachten soll streikfrei bleiben

In den Tarifstreit bei der Bahn kommt Bewegung - ein Spitzengespräch soll mögliche Einigungschancen ausloten. GDL-Chef Schell gibt sich optimistisch und prognostiziert einen baldigen Kompromiss.

In den Arbeitskampf bei der Deutschen Bahn kommt Bewegung. Nach Angaben von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) will die Deutsche Bahn der Lokführergewerkschaft GDL ein neues Angebot unterbreiten. "Die Bahn ist bereit, einen Schritt auf die Gewerkschaft der Lokführer zuzugehen und ein neues Angebot zu offerieren", sagte Tiefensee in Dresden. Er sei sich sicher, "dass damit eine neue Phase intensiver Gespräche anbricht".

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Manfred Schell, hatte zuvor einen Kompromiss noch vor Weihnachten in Aussicht gestellt. "Es kommt ein Kompromiss", kündigte er in Berlin an und ergänzte: "Weihnachten werden wir nicht mehr erleben im Streik."

Am Dienstag will sich die GDL-Führung mit dem Bahn-Vorstand treffen. "Unser Ziel ist es, den Tarifkonflikt zu befrieden", betonte Schell.

In der Unterredung zwischen dem geschäftsführenden Vorstand der GDL und dem Bahnvorstand solle ausgelotet werden, "welche Lösungsmöglichkeiten es hierzu gibt", so Schell weiter. Die Unterredung zwischen Bahn und GDL soll an einem geheimen Ort stattfinden. Schell bekräftigte jedoch, auf der Grundlage des bisherigen Angebots könne es keine neuen Tarifverhandlungen geben. Im Rahmen einer neuen Tarifrunde müsste die Gewerkschaft auf einen Streik verzichten, in einem solchen Fall gilt wieder die Friedenpflicht.

Spekulationen um neues Bahn-Angebot

Ob und wann es ein mögliches neues Tarifangebot der Bahn geben wird, ist noch unklar. Mehrere Zeitungen hatten am Wochenende über eine mögliche neue Offerte berichtet. Die Bahn wollte sich dazu jedoch nicht äußern.

Die GDL hatte der Bahn nach dem dreitägigen Streik in der vergangenen Woche ein Ultimatum zur Vorlage eines verbesserten Angebots gesetzt, das Montagnacht abläuft. Die Lokführer fordern einen eigenen Tarifvertrag und bis 31 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Schell hatte jedoch bereits in der Talk-Show "Anne Will" Kompromissbereitschaft signalisiert. "Zehn bis 15 Prozent wären akzeptabel", sagte er dort.

Das jüngste Angebot der Bahn von Mitte Oktober enthält außer einer Einkommenserhöhung von 4,5 Prozent und 600 Euro Einmalzahlung zusätzliche Verdienstmöglichkeiten durch Mehrarbeit und günstigere Dienstpläne. Zusammen bedeute das ein Angebot in Höhe von zehn Prozent, sagte Suckale. Die GDL hat dies mehrfach als unzureichend abgelehnt und fordert zudem einen eigenständigen Tarifvertrag.

"Mitglieder stehen Gewehr bei Fuß"

Sollte die Bahn kein neues Angebot vorlegen, könnte die GDL bereits am Dienstag zu einem unbefristeten Streik aufrufen. "Unsere Mitglieder stehen Gewehr bei Fuß", sagte eine GDL-Sprecherin am Sonntag der dpa. Der bisher längste Streik der Gewerkschaft in dem seit Monaten schwelenden Tarifkonflikt war in der Nacht zum Samstag nach insgesamt 62 Stunden beendet worden.

MSG, DPA/AP / AP / DPA