Bankenkrise Eigentümer geben IKB auf


Die Lage der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB spitzt sich dramatisch zu. Die Eigentümer und die Bundesregierung ließen keine Bereitschaft erkennen, das Institut mit frischem Kapital zu versorgen. Wenn die Lücke von zwei Milliarden Euro nicht geschlossen werden kann, droht die Insolvenz.
Von Elisabeth Atzler, Ute Göggelmann und Birgit Marschall

Der IKB fehlen bis zu 2 Mrd. Euro - davon 500 Mio. Euro kurzfristig. Die Stiftung Industrieforschung, mit einem Anteil von 11,8 Prozent zweitgrößer Aktionär, lehnte einen Beitrag zur Sanierung ab. "Wir haben keinen Spielraum", sagte Vorstand Wolfgang Lerch. Die Staatsbank KfW, die 37,8 Prozent der Anteile hält, kann die Summe allein nicht tragen; sie steht schon jetzt mit 5 Mrd. Euro für die IKB gerade.

Die Zukunft der Krisenbank ist somit ungewisser denn je - selbst eine Insolvenz scheint inzwischen denkbar. Anleger flüchteten am Montag aus der Aktie: Der Kurs brach um 21,8 Prozent auf 4,94 Euro ein. Seit vergangenem Sommer hat das Papier damit mehr als 80 Prozent verloren.

Dritte IKB-Rettung gefährdet KfW

Die KfW verhandelt seit dem Wochenende mit den privaten Banken und der Politik über eine Rettung des Mittelstandsspezialisten, der sich am US-Hypothekenmarkt verspekuliert hat. Bis zum Montagabend deutete sich keine Lösung an. Eine erneute Hilfe für die IKB wäre das dritte Rettungspaket: Im vergangenen Sommer waren der IKB auch die Privatbanken, die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken zur Seite gesprungen. Die beiden Letzteren sind nach Informationen aus Finanzkreisen in die aktuellen Gespräche allerdings nicht eingebunden.

Der KfW fehlt schlicht das Geld, um das neue Finanzloch allein zu stopfen. Die Staatsbank hat ihre Mittel aus dem Fonds für allgemeine Bankrisiken beinah ausgeschöpft. Würde die KfW weitere Milliarden nachschießen, liefe sie Gefahr, ihrer Kernaufgabe - der Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen - nicht mehr nachkommen zu können.

Privatbanken drohen Milliardenverluste

Die privaten Banken, die sich bislang mit fast 1 Mrd. Euro an der IKB-Rettung beteiligen, wehren sich gegen weitere Zahlungen. Allerdings müsste bei einer Insolvenz ihr Einlagensicherungsfonds greifen.

Problematisch für einige Banken könnten im Pleitefall auch die Milliardenverbindlichkeiten der IKB werden. Die Schulden bei anderen Kreditinstituten betrugen Ende März 2007 fast 14 Mrd. Euro. Die verbrieften Verbindlichkeiten, die maßgeblich von Banken und Investmentmanagern gezeichnet worden sein dürften, lagen bei 28 Mrd. Euro.

Kritik am Krisenmanagement

Die Bundesregierung gerät immer stärker unter Druck. Weder Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) noch Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), der Steinbrück kürzlich an der Spitze des KfW-Verwaltungsrats ablöste, haben ein Interesse an weiteren schlechten Nachrichten. Der Zusicherung des SPD-Politikers, der Steuerzahler werde von der IKB-Krise nicht belastet, wird in den Koalitionsfraktionen kaum noch Glauben geschenkt: CDU-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs befürchtet indirekte Steuerausfälle in Milliardenhöhe und erneuerte seine Kritik am bisherigen Krisenmanagement. Die FDP verlangte indirekt den Rücktritt von KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier sowie IKB-Chef Günther Bräunig.

Die Entscheidung über die Zukunft der IKB dürfte nicht vor der Sitzung des Verwaltungsrats am morgigen Mittwoch fallen. Eine Schließung der Bank setzt eine Entscheidung der Aufsichtsbehörde voraus - Bundesbankpräsident Axel Weber und Jochen Sanio, der Chef der Finanzaufsicht BaFin, waren in die Gespräche am Montag nicht involviert. "Bis zur Verwaltungsratssitzung ist aufsichtsrechtlich nichts zu erwarten", sagte eine BaFin-Sprecherin.

FTD

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