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Bernhard Servatius: Der Springer-Aufsichtsratschef wird 70

Der 70. Geburtstag des langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden des Axel Springer Verlags, Prof. Bernhard Servatius, am 14. April fällt in eine turbulente Zeit.

Zum einen steckt der Verlag in einer tiefgreifenden Restrukturierung mit dem Abbau von 10 Prozent der 14.000 Arbeitsplätze. Zum anderen geht es um die Trennung von Leo Kirch, dem langjährigen Anteilseigner (40 Prozent), und dem Einsteig eines neuen Minderheitsaktionärs sowie eine millionenschwere Euro-Forderung des Verlags gegenüber dem teilweise insolventen Kirch-Imperium.

Zu diesen Ereignissen wollte sich der seit 1985 amtierende Aufsichtsratschef nach der Rückkehr von einer mehrwöchigen Reise unter anderem zu SOS-Kinderdörfern nicht äußern. Selbst im fernen Tibet und in Nepal hatte sich Servatius auch unter schwierigsten Telefonverbindungen über die aktuellen Entwicklungen in Sachen Kirch auf dem Laufenden gehalten. Sein Berufsleben ist seit 1970 eng mit dem Axel Springer Verlag verknüpft. Damals war der Jurist, der sich nach dem Studium 1959 in Hamburg mit seiner Anwaltskanzlei «Servatius & Partner» niedergelassen hatte, Berater des Verlagsgründers Axel Springer. Dieser berief Servatius 1984 zu seinem Generalbevollmächtigten und Vorsitzenden der Geschäftsführung.

Personalentscheidungen fallen schwer

Als Aufsichtsratschef lenkte Servatius das größte europäische Zeitungshaus mit Geschick durch viele Turbulenzen. Am schwersten fielen ihm Personalentscheidungen. «Entscheidungen also, die die berufliche Existenz von Menschen tiefgreifend verändern mussten, von Menschen, die einem oft auch nahestanden», erzählte Servatius. Nicht zum ersten Mal begleitet er einen drastischen Stellenabbau. Vor zehn Jahren wurden schon einmal 1.400 Arbeitsplätze eingespart. «Marktnahe Führung, strenges Kostendenken, das Freisetzen von Kreativität, Wertebewusstsein»: Das erwartet der Aufsichtsratschef von der laufenden Restrukturierung.

Auch wenn nicht zu übersehen sei, dass die großen Verleger- und Gründerpersönlichkeiten in der deutschen Wirtschaft abgetreten seien, zollt Servatius den Nachfolgern Axel Springers Anerkennung. «An ihre Stelle ist aber eine junge, hochprofessionelle Managergeneration getreten, die zugleich eine bemerkenswerte Sensibilität für die Werte entwickelt, nach denen die Gründer angetreten waren - im Falle Axel Springers: unerschrocken, gegen den Zeitgeist und von der Geschichte bestätigt», sagte Servatius. Seit Jahresanfang ist der 39-Jährige Mathias Döpfner Vorstandsvorsitzender beim Springer Verlag.

Erben meutern

Servatius, der nicht gerne viel von sich reden macht, geriet im März 1994 in die Kritik. Drei Erben des Verlagsgründers warfen dem Testamentsvollstrecker im Zusammenhang mit teuer abgefundenen Führungskräften vor, er treibe den Verlag in «Führungs- und Richtungslosigkeit». Seit dem Tod von Axel Springer bis 1996 war Servatius für die Testamentsvollstreckung zuständig und erhielt dafür von der Witwe Friede Springer Lob: «Er hat gute Arbeit geleistet.»

Dem in Magdeburg geborenen Sohn eines Offiziers liegt aber nicht nur der Verlag am Herzen. «Geldverdienen ist nicht alles im Leben. Es gilt für die Unternehmen wie für den Einzelnen, die Gemeinwohlverpflichtung wieder in das Bewusstsein zu heben», sagte Servatius. Sein besonderes Engagement gilt den SOS Kinderdörfern oder der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. «Kindern Zukunft geben, heißt unsere eigene Zukunft sichern. Zukunftssicherung liegt auch in der Sichtbarmachung und Pflege unserer geistigen Wurzeln, unserer Identität - nicht nur, aber ganz besonders in den neuen Bundesländern nach der oft mutwilligen Zerstörung unseres kulturellen Erbes», begründet Servatius seinen Einsatz. Nach seiner anstrengenden Reise auf das «Dach der Welt» will er nun seinen Geburtstag im Kreise der Familie und enger Freunde verbringen.