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Bestechungs-Vorwürfe gegen Telekom-Chef Razzia bei Obermann bringt Illner in die Bredouille


Telekom-Chef Rene Obermann ist ins Visier der Ermittler geraten. Im Zusammenhang mit Bestechungsvorwürfen wurde seine Wohnung durchsucht. Auch für Ehefrau und ZDF-Journalistin Maybrit Illner eine heikle Sache: Sie verzichtete am Abend auf die Moderation des "heute journals".

Die Staatsanwaltschaft Bonn hat die Wohnung von Telekom-Chef Rene Obermann durchsucht. Bei der Razzia Ende August sei umfangreiches Material beschlagnahmt worden, berichteten die "Wirtschaftswoche" am Montag in ihrer Online-Ausgabe. Die Strafverfolger ermittelten im Auftrag der US-Börsenaufsicht SEC und des US-Justizministeriums gegen acht Telekom-Manager wegen des Verdachts der Bestechung oder der Beihilfe zur Bestechung bei ungarischen Telekom-Tochter Magyar Telekom.

Die Vorfälle lägen rund fünf Jahre zurück, hieß es. Obermann war damals Chef der internationalen Mobilfunksparte der Telekom, zu der auch die Mobilfunk-Tochter in Ungarn gehörte. Da die Telekom in Ungarn zusätzlich eine Festnetzsparte habe, sei juristisch der damalige Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick für die gesamte Landesgesellschaft verantwortlich gewesen, betonte ein Konzernsprecher.

Obermann: Vorwürfe haltlos

Obermann bestreitet ein Fehlverhalten. "Rene Obermann stellt ausdrücklich fest, dass die Vorwürfe haltlos sind und sich dies auch in Kürze zeigen werde", sagte ein Konzernsprecher. Ähnliche Ermittlungen in anderen Ländern sein bereits eingestellt worden. Die Telekom arbeite wegen der Vorwürfe bereits seit Jahren mit den Ermittlern zusammen. Das aktuelle Vorgehen der Behörden ist der Deutschen Telekom unklar", heißt es in der Mitteilung weiter.

Die Telekom wies darauf hin, sie habe bereits am 3. September berichtet, dass die Staatsanwaltschaft Bonn im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens aus den USA bei dem Konzern ermittelte. Es gehe dabei um Vorwürfe gegen die ungarische Magyar Telekom aus dem Jahr 2005. Diese soll der "Wirtschaftswoche" zufolge angeblich Schmiergelder in Millionenhöhe an Regierungsbeamte gezahlt haben, um bei der Regulierung des Marktes und bei der Vergabe von Mobilfunklizenzen Vorteile zu bekommen. Am 31. August hätten deshalb rund 70 Beamte sowohl Büros in der Bonner Telekom-Zentrale als auch die Privatwohnungen von mehreren Führungskräften nach Beweisen durchsucht, darunter auch die von Obermann.

Illner sagt "heute journal"-Moderation ab

Die Razzia brachte auch ZDF-Journalistin Maybrit Illner in die Bredouille. Sie ist nämlich nicht nur die Ehefrau des Telekom-Chefs, sondern seit kurzem auch Moderatorin des "heute journals". Nachdem die Vorwürfe nun publik wurden verzichtete sie am Montag auf die Präsentation der ZDF-Nachrichten-Sendung. "Sie hat selber vorgeschlagen, heute nicht zu moderieren. Sie will vermeiden, dass auch nur der Anschein entsteht, dass Art und Umfang der Berichterstattung mit ihrer persönlichen Situation zu tun haben könnten", sagte ZDF-Pressesprecher Alexander Stock.

Vor ihrem Debüt als Nachrichtenmoderatorin vor gut einer Woche sah Illner angesichts des Vorstandspostens ihres Mannes keinen Interessenkonflikt: "Wenn da irgendetwas geschieht, was im Zusammenhang mit der Firma meines Mannes steht, dann wird das vermeldet. Und das wird mein Mann dann bestimmt auch nicht persönlich nehmen." Zum aktuellen Fall wollte sie sich nicht äußern.

joe/Reuters/DPA DPA Reuters

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