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BILLIGFLIEGER: Easyjet geht Markteinstieg langsam an

Easyjet besitzt eine Kaufoption für die Deutsche BA, welche bis spätestens August 2003 eingelöst werden muss. Ob das geschieht hängt auch davon ab, ob sie profitabel fliegt.

Von den Fortschritten auf dem Weg in die Gewinnzone wird abhängen, ob die Deutsche BA im kommenden Jahr vom europäischen Marktführer Easyjet übernommen wird. Deren CEO heißt Ray Webster (56) und ist als Chef der größten Billigairline Herr über 64 Maschinen vom Typ Boeing 737. AUßerdem hat er gerade 120 Airbus A319 geordert und 120 weitere Maschinen vorbestellt.

stern.de: Easyjet hat eine Option, bis August die Deutsche BA zu kaufen und damit auf einen Schlag auch in Deutschland Marktführer zu werden. Wie steht es um den Deal?

Ray Webster: Ich bin zuversichtlich, dass wir die Deutsche BA übernehmen. Vorher muss sich aber noch zeigen, dass das Unternehmen als Billigairline erfolgreich sein kann. Und das ist nicht zuletzt eine Frage, die die Mitarbeiter beantworten müssen.

Wieso dass?

Bei Billigairlines geht es in erster Linie darum, wie die Mitarbeiter arbeiten. Wir haben die gleichen Flugzeuge, wir fliegen zu den selben Flughäfen, aber unsere Leute arbeiten anders.

Und das ist noch ein Problem?

Es gibt kein Problem. Es gibt eine Gelegenheit, die wir ergreifen wollen. Wir versuchen unsere Philosophie den Mitarbeitern der Deutschen BA zu vermitteln. In vielen Fällen sind das ziemlich radikale Wechsel für Manager, Piloten und Crew. Die Manager sind bereits im Boot. Jetzt richten wir uns an die Piloten und die Crews.

Was genau ändert sich denn?

Wir bezahlen unsere Mitarbeiter gut. Dafür erwarten wir gute Leute, die ihren Job sehr effizient erledigen. Sehen sie mich an: Ich bin der Chef, habe aber keine Sekretärin und kein Büro. Ich laufe herum und jeder, der mit mir reden will, kann das tun. Es gibt bei Easyjet keine Hierarchie. Das ist ein riesen Unterschied zu traditionellen Fluggesellschaften. Manch einer kommt damit nicht klar. Außerdem gibt es bei uns keine Geheimnisse: Wenn ich telefoniere, kann jeder zuhören und unsere EDV steht allen Mitarbeitern offen. Deswegen holen wir jetzt die Mitarbeiter von Deutsche BA nach London in unsere Zentrale und zeigen ihnen das alles.

Wollen Sie auch Leute feuern, um günstiger zu werden?

Nein. Aber einige Leute werden andere Jobs machen müssen, als bisher. Das schöne an einer schnell wachsenden Airline wie Easyjet ist, dass man überschüssiges Personal nicht feuert, sondern einfach das Wachstum beschleunigt. Deutsche BA hat momentan 16 Flugzeuge und ich glaube, dass man mit dem selben Personal noch weitere sechs bis acht Maschinen betreiben kann. Neben den innerdeutschen Verbindungen werden wir auch internationale Flüge anbieten, vorzugsweise zu unseren vorhandenen Zielen wie London, Barcelona, Genf oder Paris.

Und wann wird die Fusion stattfinden?

Wenn alles gut läuft, irgenwann zwischen März und August 2003.

Wieso müssen Sie eigentlich so viel ändern? Die Deutsche BA hat doch schon jetzt Billigpreise.

Richtig. Es gibt Bereits die günstigen Preise. Was noch fehlt ist eine niedrige Kostenstruktur und der Nachweis, profitabel zu sein. Easyjet hat im letzten Jahr 12 Prozent Umsatzrendite erwirtschaftet. Das ist der Maßstab.

Zwölf Prozent sind eine stolze Zahl für eine Airline in diesen Zeiten. Lassen sich solche Gewinnmargen halten?

Nein, sie werden mit der Zeit zurückgehen. Hohe Renditen ziehen immer auch neue Konkurrenz an. Dann wird der Wettbewerb härter und die Gewinne sinken. Besonders hart wird es dann für die traditionellen Fluggesellschaften. Ich bin überzeugt, dass in zehn bis 15 Jahren deren Kostenbasis zu hoch sein wird und sie nicht mehr konkurrenzfähig fliegen können.

Ihr Konkurrent Ryanair macht auf seinen Verbindungen zwischen Provinzflughäfen blendende Geschäfte und über 30 Prozent Gewinn. Wann machen sie Ryanair denn auf diesen Strecken Konkurrenz?

Wir haben momentan keine Probleme, neue Ziele in Europa zu finden, zu denen wir fliegen können. Ryanair und Easyjet konkurieren bisher kaum direkt miteinander. Ich glaube, ein Frontalangriff auf Ryanair würde weder den Anlegern noch den Kunden etwas bringen.

Was ist dann die Strategie?

Wir wollen eine europäische Fluggesellschaft werden. Wir bauen zunehmend weitere Ziele auf dem Kontinent neben unserer Zentrale in London aus. In Städten wie Genf oder Paris erreichen wir bereits den lokalen Markt.

Jeder kennt die Supersonderangebote mit Flugpreisen von wenigen Euro. Was kostet denn ein Ticket bei ihnen im Durchschnitt?

Rund 65 Euro.

Glauben Sie, dass bei soviel Sparerei nicht auch die Sicherheit, gerade bei neuen, kleineren Gesellschaften leidet?

Diese Gefahr besteht natürlich. Aber die Sicherheitskontrollen in Europa sind sehr gut. Das Airline-Geschäft ist eine ernste Sache und eine neue Fluggesellschaft kann sich heutzutage keine Sicherheitsprobleme mehr leisten, sonst ist sie weg vom Fenster. Ich bin ziemlich sicher, dass Easyjet eines der besten Sicherheitssysteme überhaupt hat. Dazu trägt sicher bei, dass wir auch auf moderne Maschinen setzen. Außerdem haben wir erfahrene Piloten, die gut ausgebildet sind. Wir mögen es, wenn unsere Piloten graue Haare haben.

Wieviele Billigfluggesellschaften verträgt denn der Markt?

Ich denke, Easyjet und Ryanair werden die beiden einzigen erfolgreichen Billiganbieter in Europa sein. In einzelnen Ländern wird es dann noch kleinere Anbieter geben, etwa in Frankreich, Spanien und Deutschland.

Interview: Jan Boris Wintzenburg