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Börsen weltweit: Dax und Dow Jones mit Rekordverlust

Der Deutsche Aktienindex ist erstmals seit über vier Jahren wieder unter die Marke von 4000 Punkten gefallen. Verantwortlich dafür vor allem schlechte Daten aus den USA, die die Kurse im Tagesverlauf nach unten rissen. An der Wall Street schloss der Dow Jones am späten Abend beim schlechtesten Wert seit fast zwölf Jahren.

Im Sog der Wall Street ist der deutsche Aktienmarkt am Montag auf das niedrigsten Niveau seit Herbst 2004 gefallen. Der Dax rutschte erstmals seit mehr als vier Jahren unter die wichtige Marke von 4000 Punkten. Bis Handelsschluss verlor der Leitindex rund zwei Prozent auf 3936 Punkte.

Schlechte Nachrichten auch aus den USA: Der New Yorker Aktienmarkt schloss mit hohen Verlusten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsschluss mit einem Minus von 3,4 Prozent bei 7114 Punkten - der niedrigste Stand seit dem 28. Oktober 1997. Der breiter gefasste S&P-500-Index fiel 3,5 Prozent auf 743 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 3,7 Prozent und ging mit 1387 Punkten aus dem Handel.

Dax stürzt nach Handelsstart an der Wall Street ab

"Die Warnzeichen aus der Wirtschaft werden immer größer. Ein Unternehmen nach dem anderen bereitet sich auf Kurzarbeit vor, warum sollten Anleger da Aktien kaufen", kommentierte ein Händler. Am Vormittag war der Dax zwar um 2,4 Prozent auf 4111 Punkte gestiegen, kurz nach der Eröffnung des Handels in New York stürzte er aber jäh ab. Händler hielten weitere Kursverluste in Richtung auf 3600 Punkte für wahrscheinlich. "Wir haben nach unten jetzt viel Platz", erklärte einer.

Der Dax verlor mehr als die meisten europäischen Indizes, da nach dem Fall unter die 4000-Punkte-Marke automatische Verkaufsorders ausgelöst wurden. Im vorigen Jahr hatte die Marke noch - wenn auch knapp - gehalten. Der Stoxx50 verlor lediglich 0,7 Prozent, der Londoner FTSE-Index ein Prozent.

Unsicherheit über Rettung in den USA

Auslöser der Verluste am Nachmittag war die wachsende Unsicherheit über die Rettung des US-Finanzsystems sowie ein Ausverkauf bei den US-Technologiewerten. Zunächst hatten die Börsianer Spekulationen, dass die US-Großbank Citigroup nur teilweise und nicht komplett verstaatlicht wird, zum Anlass genommen, Aktien zu kaufen.

In Frankfurt fielen vor allem die Finanzwerte rasch wieder in Ungnade. Deutsche Bank verloren fünf Prozent auf 17,41 Euro, Commerzbank und Postbank je drei Prozent. Nicht viel besser erging es dem Favoriten vom Vormittag: Allianz verloren zwei Prozent auf 51,35 Euro. Münchener Rück drehten ebenfalls ins Minus und verloren knapp ein Prozent.

Auch in der Schweiz rutschten Bankenwerte ab, was Händler allerdings vorwiegend auf Spekulationen über eine Aufweichung oder gar Abschaffung des Bankgeheimnisses in der Schweiz zurückführten. UBS verloren neun Prozent, Credit Suisse fünf Prozent. Die Aktien der niederländischen ING gaben anfängliche Gewinne wieder ab und büßten 11,5 Prozent ein, ohne dass Händler dafür einen konkreten Auslöser nennen konnten. In London dagegen behaupteten sich einige Bankenwerte im Plus. Royal Bank of Scotland (RBS) verteuerten sich gar um 9,8 Prozent, nachdem Spekulationen über eine baldige Aufspaltung die Runde machten. Barclays gewannen 3,7 Prozent.

Autowerte verlieren stark

Besonders unter Druck waren die Autowerte: BMW verloren 5,4 Prozent, VW 3,8 Prozent, Daimler 5,7 Prozent. Die in keinem Index gelisteten Porsche-Aktien büßten sogar zehn Prozent auf 30,23 Euro ein und lagen damit so niedrig wie seit Sommer 2003 nicht mehr. Zum einen leidet die Branche besonders unter der Wirtschaftskrise, erklärte ein Händler und verwies auf die erste Kurzarbeit bei VW seit 26 Jahren. Zum anderen müssen die Autokonzerne für Kredite auch noch tiefer in die Tasche greifen als andere. BMW hatte am Freitag eine Anleihe über 1,25 Milliarden Euro begeben und dabei einen deutlichen Renditeaufschlag zahlen müssen.

Mitte Juli 2007 hatte der DAX im Handelsverlauf die Rekordmarke von 8151,57 Punkten erreicht. Auch ins Jahr 2008 war das Börsenbarometer im turbulenten Umfeld der Finanzmarktkrise mit Werten um die 8000 Punkte gestartet. Seither sind die Börsen auf Talfahrt. Am 8. Oktober sackte der DAX in der ersten Handelsstunde unter die Marke von 5000 Punkten, schloss aber noch knapp über dieser Marke. In den vergangenen Wochen dümpelte der Index der 30 gewichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland deutlich unter 5000 Punkten. Unter anderem Finanztitel verloren deutlich an Wert.

Reuters/DPA / DPA / Reuters