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Börsenturbulenzen US-Leitzinssenkung beruhigt die Märkte


Nach der überraschenden Zinssenkung der US-Notenbank haben sich die europäischen Börsen zunächst beruhigt und fest geschlossen. Der Handel verlief aber weiter sehr nervös. Bundeskanzlerin Merkel und einige Wirtschaftsexperten warnten vor Hysterie. Andere mahnte zur Vorsicht.

Mit einer historischen Zinssenkung hat die US-Zentralbank die weltweite Talfahrt an den Aktienmärkten vorerst gestoppt. Die Fed kappte den Leitzins auf einen Schlag um 75 Basispunkte auf 3,5 Prozent - das war der größte derartige Schritt seit 16 Jahren. Der Deutsche Aktienindex (DAX) erholte sich nach einem Absturz um 5 Prozent am Morgen ebenfalls auf ein Minus von 0,3 Prozent.

Die Wall Street brach zu Handelsbeginn um 450 Punkte ein, erholte sich dann aber deutlich. Die US-Börsen haben nach der drastischen Zinssenkung der amerikanischen Notenbank mit überschaubaren Verlusten geschlossen. Der Dow-Jones-Index sank nach vorläufigen Schlussangaben um 1,06 Prozent auf 11 971,19 Punkte. Der S&P-500-Index gab um 1,11 Prozent nach auf 1310,50 Punkte. Der NASDAQ-Index verlor 2,04 Prozent auf 2292,27 Punkte.

Der Rentenmarkt legte stark zu. Der Euro notierte deutlich höher bei 1,4621 Dollar nach 1,4444 Dollar am Vortag.

Am Montag waren die US-Börsen wegen eines Feiertags geschlossen.

In Frankfurt schickten die nervösen Investoren den DAX nach den dramatischen Verlusten des Vortags auf eine regelrechte Berg- und Talfahrt, das Börsenbarometer schloss schließlich bei 6.769 Zählern. Der MDAX legte dagegen kräftig um 3,88 Prozent auf 8.249 Punkte zu, der TecDAX stieg 3,54 Prozent auf 751 Zähler. An der Wall Street gab es auch weitere schlechte Nachrichten der Bank of America: Die Großbank meldete einen Gewinneinbruch von rund 5 Milliarden Dollar im vierten Quartal.

Es war das erste Mal seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001, dass die Fed den Leitzins zwischen zwei turnusmäßigen Sitzungen senkte. In einer kurzen Erklärung begründete die Notenbank ihren Schritt mit dem eingetrübten Konjunkturausblick und der gestiegenen Gefahr eines Wirtschaftsabschwungs. Der nach einer Videokonferenz beschlossene Zinsschritt war der größte seit Dezember 1991. Damals senkte die Notenbank den Zins um einen vollen Prozentpunkt, um die USA aus einer Rezession herauszuholen.

Eine Sprecherin von US-Präsident George W. Bush schloss unterdessen eine Aufstockung des 150 Milliarden Dollar schweren Konjunkturprogramms nicht aus.

EZB zögert länger

Aktienhändler erklärten, die drastische Zinssenkung der US- Notenbank zeige, wie dramatisch die Lage sei. Eine unverzügliche Reaktion der Europäischen Zentralbank (EZB) halten Marktbeobachter indes für unwahrscheinlich. "Der geldpolitische Kurs der EZB ist deutlich verhaltener als derjenige der US-Notenbank", sagte Notenbankexperte Michael Schubert von der Commerzbank. Die europäische Notenbank lege einen starken Fokus auf eine mittelfristige Orientierung ihrer Geldpolitik. Gegen einen Zinsschritt spricht auch die aktuell relativ hohe Teuerung in der Eurozone.

Märkte in Asien weiter im Sinkflug

Die Vorgaben aus Asien waren teils katastrophal, dort waren die Wertpapiermärkte am zweiten Tag in Folge im Sinkflug. Der Nikkei-Index in Japan schloss mit einem Minus von 5,7 Prozent auf 12.573,05 Zähler. Das war der heftigste Rückgang in fast zehn Jahren. Hongkongs Hang Seng Index verlor noch einmal 8,7 Prozent. Der Börsenhandel in Indien wurde nach einem Kurssturz von 9,75 Prozent in den ersten Minuten nach Eröffnung gestoppt. Das Kursbarometer Sensex schloss schließlich bei minus 5 Prozent.

Politiker um Gelassenheit bemüht

Politiker und Wirtschaftswissenschaftler in Europa bemühten sich um Gelassenheit. Bundeskanzlerin Merkel sagte, es gebe keine Anzeichen für eine Rezession in Deutschland. Die europäischen Volkswirtschaften verfügten über gute Grundlagen. "Wir sind auch ein ganzes Stück unabhängiger vom amerikanischen Markt geworden." Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück erklärte, es gebe keinen Anlass zur Hysterie. Pessimistisch äußerte sich dagegen der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, er sieht sogar die Gefahr einer Weltwirtschaftskrise.

Die Turbulenzen an den weltweiten Aktienmärkten schickten auch die Rohstoff- und Devisenmärkte auf Achterbahnfahrt. Der Euro begann am Dienstag schwach, legte dann aber gegenüber dem Dollar zu und überschritt nach der US-Leitzinssenkung die Schwelle von 1,45 Euro. Der Ölpreis sank zunächst ebenfalls weiter, zog später aber wieder etwas an, ebenso wie der Goldpreis. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl kostete in New York zeitweise nur noch 86,11 Dollar - vor drei Wochen lag der Preis noch bei 100 Dollar. Später am Dienstag erholte sich der Ölpreis auf 89,37 Dollar.

AP/DPA AP DPA

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