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Boom beim Onlinehandel Der Weihnachtsmann ist heute Paketbote


Der Lieferwagen hat den Rentierschlitten ersetzt. Die Geschenke kommen mühelos ins Haus. Immer mehr Deutsche reduzieren den Einkaufsstress vor dem Weihnachtsfest und bestellen online.
Von Gernot Kramper

Hetze, Parkplatzsuche und Gedrängel? Nein, danke! Die Deutschen haben in diesem Jahr so viele Geschenke im Internet bestellt wie noch nie. Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet beim Onlineumsatz in diesem Jahr mit einem Wachstum von zehn Prozent, wie HDE-Geschäftsführer Kai Falk der sagte. Einzelne Händler berichteten sogar von einem noch stärkeren Anstieg ihrer Umsätze.

Der niedergelassene Handel hat im Weihnachtsgeschäft mit den immer gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Parkplätze sind knapp, die Geschäfte überfüllt und die Verkäufer gehetzt. Die besondere Stärke von Ladengeschäften, die individuelle Beratung der Kunden, leidet in der Vorweihnachtszeit. Online gibt es dagegen keinen Einkaufsstress. Neben Adventskranz und Plätzchen kann in aller Ruhe auf dem Notebook gestöbert werden. Rekordtage wie der 12. Dezember, als 2,8 Millionen Produktbestellungen auf der deutschen Seite von Amazon eingingen, bemerkt der Kunde überhaupt nicht.

Der Wachstumstrend beim Onlinehandel besteht seit Jahren. Zwischen 2005 und 2010 ist er im Weihnachtsgeschäft nach Angaben des HDE von 3,6 auf 5,9 Milliarden Euro angestiegen. Für 2011 erwartet der Handel einen weiteren Anstieg auf 6,5 Milliarden Euro. "Auch in den kommenden Jahren wird der Onlineumsatz im Weihnachtsgeschäft rasant wachsen", so Falk. Einkaufen im Internet sei heute unkompliziert und sicher. Im Weihnachtsgeschäft wächst der Onlineumsatz den Angaben zufolge viel schneller als der Umsatz des Handels insgesamt: Für 2011 rechnet der HDE im Weihnachtsgeschäft insgesamt mit einem Wachstum von 1,5 Prozent. Der Onlinehandel hängt die Ladengeschäfte also ab.

Internetkauf hat sich durchgesetzt

Kaufen im Internet gilt nicht mehr als gefährlich. Große Handelsportale wie Amazon haben einen guten Ruf erarbeitet, kleinere Onlinegeschäfte profitieren davon, dass der Kunde ihnen keine Bankverbindung nennen muss, wenn sie Bezahldienste wie Paypal anbieten. Wichtig für den Erfolg ist die Zustellung. Mit dem Onlinehandel wachsen auch die Paketdienste. DHL hat im Weihnachtsgeschäft fast ein Fünftel mehr Pakete zugestellt als im Vorjahreszeitraum. In der Woche vor Heiligabend hat DHL täglich sechs Millionen Pakete verschickt. Auch die Konkurrenten Hermes und DPD verzeichnen jeweils ein Plus von sechs Prozent.

Die Kehrseite der Medaille: Auf Dauer wird den Innenstädten und Einkaufszentren der Onlineumsatz fehlen. Ein gutes Weihnachtsgeschäft ist für viele Geschäfte überlebenswichtig. Weniger Kunden und weniger Umsatz führen dann zu einer Verödung der Innenstädte. Großstädte können sich bislang diesem Trend widersetzen. "Auffällig war in diesem Jahr, dass es in den großen Städten besonders gut lief", sagte HDE-Geschäftsführer Falk. In kleineren Innenstädten sei der Umsatz allerdings schwächer gewesen. Der Kauf mit der Maus ist offenbar nicht alles: Großstädte können für viele Menschen noch ein positives Shopping-Erlebnis bieten, dass sie am heimischen Bildschirm nicht haben. Und auch Kurzreisen zum Einkaufen sind weiterhin im Trend.


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