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BUNDESKARTELLAMT: Ulf Böge: Standhaft für Wettbewerb

Ob beim Spritpreis, Dumpingpreisen von Lebensmittelketten, dem Strommarkt oder der künftigen TV-Landschaft: Deutschlands oberster Wettbewerbshüter hat ein Auge drauf.

Böge, der an diesem Dienstag seinen 60. Geburtstag feiert, geht es um fairen Wettbewerb und daraus resultierende Vorteile für Verbraucher. Dafür tut er, was in seiner Macht steht. So auch dieses Mal: Eine noch stärkere nationale Marktmacht des Düsseldorfer Energieriesen E.ON kann das Bundeskartellamt nicht akzeptieren. Deshalb ist die geplante Übernahme der Ruhrgas AG zu untersagen. Dies ist die Sicht der Wettbewerbshüter, erläuterte Böge am Montag in Bonn die Entscheidung.

Unabhängige Entscheidungen

Nein, mit Bundeswirtschaftsminister Werner Müller - immerhin sein Dienstherr - hat er über diesen Beschluss nicht geredet, sagt Böge. Sein Amt ist in seinen Entscheidungen unabhängig. Aber Böge weiß dessen ungeachtet auch, dass Müller am längeren Hebel sitzt. Geht es nach E.ON, dann soll sich Müller über ihn hinwegsetzen.

Differenzierte Sichtweise

Es wäre das erste Mal seit 1989, dass ein Wirtschaftsminister wieder einen solchen Schritt tut. Auf die Frage, ob denn dann seine Reputation und die des Amtes beschädigt würden, antwortet Böge - wie gewohnt - völlig unemotional. Das Verfahren ist nach dem Kartellgesetz vorgesehen. Das ist aber seine Sache nicht mehr. »Schuster bleib bei Deinen Leisten.«

Mann der leisen Töne

Der parteilose Böge ist kompetenter Wettbewerbs- und Fusionsexperte. Schon vor drei Jahrzehnten beschäftigte er sich im Wirtschaftsministerium mit diesem Feld. Seit er vor zwei Jahren Kartellamts-Präsident wurde, hat er sich durch profunde Sachpositionen und ein besonnenes und gelassenes Auftreten allseits Respekt erworben. Laute Töne sind seine Sache nicht. Dem Beamten, der sich gleichwohl auch öffentlichkeitswirksam und pointiert in Szene zu setzen versteht, kommt kein Wort zu viel über die Lippen. Was er aber sagt, klingt wohlüberlegt - und sitzt.

Erstes Mal völliges Verbot

Böge hat bei Fusionen immer den Wettbewerb und damit letztlich den Verbraucher im Blick. Der E.ON/Ruhrgas-Deal ist die erste größere Fusion, die er rundweg untersagt hat. Zuvor hat er mehrere Fusionen, darunter im Energie- und Mineralölsektor, die auf der Kippe standen, nur unter strengen Auflagen genehmigt.

Geradlinige Karriere

Der am 22. Januar 1942 in Eberswalde bei Berlin geborene Böge ist promovierter Volkswirt. 1972 trat er ins Wirtschaftsministerium ein. Bei einer sechsjährigen Unterbrechung - mit Abstecher ins Bundespräsidialamt - ging es die Karriereleiter aufwärts. Er wurde 1998 Leiter der wichtigen Grundsatzabteilung des Ministeriums.

Wettbewerb als 'Kraftwerk'

Als er im Januar 2000 die Führung des Kartellamts übernahm, sprach Böge von »spannenden Zeiten« die bevorstünden. Damit meinte er die wachsende Zahl von Fusionen, bei denen die Wettbewerbswächter wachsam bleiben müssen. Diesen Kompass trägt er mit sich, wie er jetzt in Bonn bekräftigte: »Das Kartellamt wird sich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass der Wettbewerb als das Kraftwerk unserer Volkswirtschaft erhalten bleibt.«