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Daniel Josefsohn: Abschied von einem großen Foto-Provokateur

Daniel Josefsohn gehörte zu den wichtigsten Fotografen der Gegenwart. Nun ist der Künstler gestorben - im Alter von nur 54 Jahren. Schräge Bilder und böse Titel zeichnen seine Kunst aus. Eine Auswahl seiner besten Arbeiten.

Herr und Frau Klitschko (1998)

Herr und Frau Klitschko (1998)

Der Fotograf Daniel Josefsohn starb im Alter von nur 54 Jahren - als viel zu junger, aber bedeutender Mann. Josefsohn steht vor allem für seine provokativen Bilder und Bildtitel sowie für jeglichen Verzicht auf Political Correctness.

Der in Berlin lebende Fotograf wurde einem großen Publikum bekannt, als er Mitte der 90er Jahre die Plakatkampagne "Miststück" für den Musiksender MTV gestaltete: Junge Frauen schauen lasziv und provokant in die Kamera. Auf den schwarz-weiß Aufnahmen prangen Aufschriften wie "Eingebildete Kuh", "Konsumgeile Göre" oder eben "Miststück".

Außerdem arbeitete Josefsohn für das "Zeit"-Magazin, die "Süddeutsche", "Brand eins" und diverse Kunstmagazine wie "Tempo" und "Jetzt". Von 2010 an war er für zwei Jahre Kreativdirektor der Berliner Volksbühne.

Neue Perspektive nach Schlaganfall

Im November 2012 erlitt er einen Schaganfall und musste sich an ein neues Leben gewöhnen - plötzlich war er halbseitig gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Den Einschnitt nutzte er für einen Perspektivwechsel. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Karin Müller erzählte er in der Fotokolumne "Am Leben" aus seinem Alltag, in dem er zu Feststellungen gelangte wie "Man kann auch ganz sexy im Scheißrollstuhl aussehen." Das war eine der positiveren Aussagen.

Josefsohn hinterlässt seine Lebensgefährtin Karin Müller und ihren gemeinsamen sechs Jahre alten Sohn.

Für seinen Fotoband "OK DJ", seine Monografie, eine Werkschau, drehte er auch ein Video. Das Buch lässt sich auf der Seite von Hatje Cantz dierekt bestellen.

jen/bal / DPA