Bundesliga »Wir werden noch höhere Preise fordern«


Werner Hackmann, Chef der Deutschen Fußball Liga, über die Krise des Medienunternehmers Leo Kirch, die Pläne der Bundesliga für einen eigenen Bezahlkanal und die Abhängigkeit der Vereine von den Fernsehgeldern.

stern: Herr Hackmann, funktioniert der Pay-TV-Sender Premiere bei Ihnen?

Werner Hackmann: Jetzt schon. Mein Schlüsselerlebnis war im April 2001. Der HSV hatte ein Auswärtsspiel in Freiburg, ich blieb in Hamburg, wollte mir die Partie auf Premiere anschauen. Es ging nix. Seitdem habe ich einen Trick: Wenn Premiere nicht läuft, ziehe ich Stecker und Karte raus, drücke alles wieder rein, gebe den Code ein - keine Ahnung, warum, aber das klappt immer.

Der marode Sender und sein Eigentümer Leo Kirch stehen vor dem Aus. Droht der Bundesliga der Kollaps, wenn ihr Geldgeber Kirch pleite geht?

Ich sehe das ganz locker. Wir gehen davon aus: Kirch wird bestehen bleiben und seinen Vertrag erfüllen.

In der vergangenen Woche gab es eine Krisensitzung der Deutschen Fußball Liga DFL zu Kirch. Von ihm bekommen Sie in diesem Jahr für die Fußballrechte 358 Millionen Euro, davon stammen rund 200 Millionen Euro vom Pay-TV. Wer soll einspringen, wenn Premiere abgeschaltet wird?

Seien Sie mal ganz sicher: Es wird weiter Pay-TV geben.

Premiere will übers Geld nachverhandeln.

Das lehne ich ab. Das Problem von Premiere ist doch nicht der Fußball. Das Problem sind die Vielzahl der anderen Kanäle. Wenn man Premiere nur mit den Fußball-Kosten belasten und die Einnahmen aus dem Fußball gegenrechnen würde, würde es sich heute schon lohnen.

Wie wird die Liga reagieren, wenn im Mai die nächste Drei-Monats-Rate nicht eintrifft?

Wir haben alle Szenarien durchgespielt und sind gerüstet.

Ist die Liga in der Lage, den Vereinen mehrere Monate lang Geld vorzuschießen?

Das ist sie.

Und im Fall einer Insolvenz von Kirch?

Wir haben das juristisch prüfen lassen. Entweder wird unser Vertrag auch in der Insolvenz erfüllt, oder die Fußball-Rechte fallen an uns zurück.

Wenn Kirch es nicht schafft, könnte der US-australische Medientycoon Rupert Murdoch Premiere übernehmen. Der hat schon angekündigt, die Preise seien »jenseits der Grenze, die wirtschaftlich ist«.

Dann wird es halt keinen Fußball im Pay-TV geben.

Kann sich die Liga das leisten?

Wir werden dann natürlich erstens einen wesentlich höheren Preis für die Rechte im frei empfangbaren Fernsehen fordern. Zweitens werden wir uns nicht erpressen lassen. Wir haben Reserven, die wir zunächst einmal nutzen würden.

Sie würden es auf eine Machtprobe ankommen lassen?

Wir möchten uns die Möglichkeit offen halten zu sagen: Nein, Herr Murdoch, wir geben Ihnen die Rechte nicht zu dem von Ihnen angebotenen Preis. Schalten Sie Premiere doch ab. Oder verkaufen Sie drei Monate lang nur Filme. Glauben Sie mir, so einfach wird das Spielchen nicht laufen, wie es sich einige Herren vorstellen.

Die Bundesliga denkt darüber nach, einen eigenen Pay-TV-Sender zu starten. Wann können Sie so weit sein?

Diesen Plan verfolgen wir schon länger, und aufgrund der aktuellen Entwicklung forcieren wir unsere Bemühungen. Das kann relativ schnell gehen. Egal, wie es mit Kirch ausgeht: Nach 2004, nach Ende der Vertragslaufzeit, möchten wir eine bessere Verhandlungsposition haben. Entweder der Interessent kauft dann die Rechte zu unseren Preisen, oder wir machen es selbst.

Wie will die Liga das finanzieren?

Wir würden so etwas mit einem strategischen Partner machen. Das ist doch klar. Mehr kann ich dazu jetzt nicht sagen. Aber ich bin überzeugt von unserem Produkt. Und deswegen wird es auch immer Free-TV-Sender geben, die sich um den deutschen Fußball reißen werden.

ARD-Chef Fritz Pleitgen hat schon abgewinkt. Seine Sendergruppe könne die Lizenzen, die derzeit im Free-TV 75 Millionen Euro pro Saison kosten, nicht bezahlen.

Es wird doch jetzt viel Nebel verbreitet. Selbstverständlich muss Herr Pleitgen pflichtschuldig sagen, er habe kein Geld, weil ein paar Klubmanager schon gefordert haben, ARD und ZDF müssten die Gebühren um einen Euro erhöhen, um Fußball zu finanzieren - taktisch nicht sehr klug. Die Wahrheit sieht anders aus, was die Finanzlage der ARD angeht.

So viel Geld wie derzeit werden Sie für Ihre Fußballrechte wohl nie wieder bekommen.

Im Gegenteil. Wenn wir diese Turbulenzen um die Kirch-Gruppe überstanden haben und die Bundesliga reif für ihren eigenen Kanal ist, wird es sogar Steigerungen geben.

Innerhalb der Bundesliga herrscht wenig Einigkeit über den Umgang mit Kirch. Während Sie für eine eher harte Haltung plädieren, macht sich Premiere-Kommentator Franz Beckenbauer für Kirch stark und sagt, die Liga solle auf einen Teil des TV-Honorars verzichten.

Beckenbauer hat keine Funktion in der DFL. Also kann er für die Liga darüber nicht entscheiden. Ich habe einen Brief an alle Präsidenten der Bundesliga geschrieben und sie gebeten, sich nicht mehr zum Komplex Kirch öffentlich zu äußern. Weil es unsere Position nicht stärkt, wenn der eine das und der andere das sagt.

Sie glauben doch nicht, dass sich Beckenbauer einen Maulkorb verpassen lässt?

Beckenbauer ist Präsident des FC Bayern. Er hat sehr viel Grips im Kopf, er wird das schon begreifen.

Rüdiger Barth, Giuseppe Di Grazia, Johannes Röhrig

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