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China-Besuch: Sarkozy erntet Milliardenaufträge

Für Nicolas Sarkozy war es eine äußerst kukrative Visite: China bestellt 160 Airbus-Flugzeuge und zwei Druckwasserreaktoren für Atomkraftwerke. Die Äußerungen des französischen Präsidenten zur Todesstrafe stieß bei Chinas Staatschef Hu Jintao hingegen auf wenig Verständnis.

Milliardenaufträge für Airbus und die französische Atomindustrie: Beim ersten Staatsbesuch von Nicolas Sarkozy in Peking bestellte China 160 Airbus-Passagierflugzeuge sowie zwei Druckwasserreaktoren für Atomkraftwerke. Insgesamt seien Kaufverträge mit einem Volumen von 20 Milliarden Euro geschlossen worden, sagte Sarkozy. Nach seinen Angaben diskutierte er in einem Gespräch mit Staatschef Hu Jintao über Klimawandel und erneuerbare Energien. Er trug zudem die Bitte vor, die Todesstrafe weniger häufig zu vollstrecken.

Sarkozy hatte erklärt, dass Frankreich einen Markt für "saubere" Energien in China sehe. "Das chinesische Wachstum kann und darf nicht auf Kosten der globalen Umwelt erfolgen" sagte der französische Staatspräsident. Internationale Konzerne aus Frankreich, den USA und Russland sind in einem harten Wettbewerb um Aufträge für chinesische Atomkraftwerke.

China will über 20 Atommeiler bauen

In dem bisher größten Geschäft der französischen Nuklearindustrie vereinbarte der Staatskonzern Areva außer der Lieferung der Reaktoren und des nötigen Kernbrennstoffs dafür eine umfangreiche Kooperation beim massiven Ausbau der Kernenergie in China. Die Volksrepublik will wegen seines rasant steigenden Energiebedarfs etwa zwei Dutzend Atommeiler bis 2020 bauen.

Nach der Unterzeichnung des Kooperationsabkommens in der Atomenergie sprach die Areva-Chefin Anne Lauvergeon von einer "neuen Ära in einer beständigen und konstruktiven Partnerschaft". Es sei ein großer Schritt für ihre Unternehmensgruppe, sagte Lauvergeon, die das Abkommen mit Qian Zhimin, dem Vorsitzenden der China Guangdong Nuclear Power Group Corporation (CGNPC), unterzeichnete.

17,3 Milliarden für Airbus

Die Atomkraftwerke mit einer Kapazität von jeweils 1700 Megawatt werden in Taishan in der südchinesischen Boom-Provinz Guangdong gebaut. Nach Frankreich und Finnland wird China damit das dritte Land, in dem die neue Generation des Druckwasserreaktors (EPR) stehen wird.

In Gegenwart von Sarkozy und Hu Jintao besiegelte der europäische Flugzeughersteller Airbus die Lieferung von 160 Airbussen der A320- und A330-Familien. Ein Airbus-Sprecher gab den Listenpreis mit 17,4 Milliarden US-Dollar (11,7 Milliarden Euro) an. Die staatliche Importgesellschaft für die Luftfahrtindustrie Chinas vereinbarte die Lieferung von 110 Airbussen der A320-Familie und 40 A330-Maschinen. Die Flugzeuge sind noch keiner chinesischen Airline zugeteilt. Die China Southern Airlines übernimmt weitere zehn A330-Maschinen.

"China muss Aufwertung des Yuan beschleunigen"

Vor dem Hintergrund des wachsenden französischen und europäischen Handelsdefizits mit China forderte Sarkozy nach Gesprächen mit Chinas Hu Jintao vor Journalisten eine Aufwertung der chinesischen Währung gegenüber dem Euro. "Auch aus eigenem Interesse muss China die Aufwertung des Yuan gegenüber dem Euro beschleunigen", sagte Sarkozy. "Wir müssen zu Kursen gelangen, die harmonisch und gerecht sind und der globalen Wirtschaft nützen." Aus europäischer Sicht ist der Yuan um 20 bis 25 Prozent bewertet, was chinesischen Exporteuren einen unfairen Handelsvorteil gibt.

Der Élysée-Palast teilte außerdem mit, Sarkozy habe sich in seinen Gesprächen mit Hu dafür eingesetzt, Todesurteile weniger häufig zu vollstrecken. Hu habe geantwortet, er hoffe, dass sich die Dinge in diese Richtung entwickelten. Im Mittelpunkt der Gespräche Sarkozys standen nach Angaben von Beratern die wirtschaftlichen Beziehungen, die Rolle Chinas in den internationalen Beziehungen, die Entwicklungspolitik in Afrika sowie der Umweltschutz.

Anders als Bundeskanzlerin Angela Merkel, die China mit einem Empfang für den Dalai Lama verärgert hat, ist Sarkozy offenbar bemüht, die für die chinesische Führung kritischen Themen möglichst niedrig zu hängen - trotz seines Versprechens vor dem Amtsantritt am 16. Mai, dass er allen beistehen werde, "die von Tyrannei und Diktatur verfolgt werden".

AP/DPA / AP / DPA