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Chiphersteller: Qimonda findet Interessenten in China

Nach wochenlanger Investorensuche gibt es für den insolventen Münchner Speicherchiphersteller einen Hoffnungsschimmer: Das chinesische Staatsunternehmen Inspur hat Interesse an Qimonda bekundet - unter harten Bedingungen.

Von Angela Maier, München

Die Softwarefirma aus Shandong will nur knapp 50 Prozent an Qimonda übernehmen, hieß es in Unternehmenskreisen. Die übrigen Anteile sollen übergangsweise Sachsen und Portugal halten. Auch Qimondas Gläubiger würden mit etwa 15 Prozent einsteigen. Dieses Modell hat Insolvenzverwalter Michael Jaffé vergangene Woche der sächsischen Staatsregierung in einem Brief vorgestellt.

Allerdings ist völlig unsicher, ob sich dieser Vorschlag realisieren lässt. Zwar sind Portugal und Qimondas Gläubiger zu dem vorgeschlagenen Anteilserwerb bereit, wie Jaffé in dem Brief berichtete. Die sächsische Landesregierung lehnt einen Einstieg bei Qimonda, selbst zeitlich befristet, jedoch weiter ab.

Die deutsche Belegschaft schrumpft

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sagte laut seinem Sprecher, die Frage sei ohne einen Geschäftsplan hypothetisch und stelle sich derzeit nicht. Jaffé hatte geschrieben, dass das endgültige Aus nur noch per staatliche Beteiligung abwendbar sei. Nur so könne eine "Zerschlagung und Einzelverwertung der Vermögenswerte (vermutlich) nach Asien" verhindert werden.

Der Insolvenzverwalter hat nun vorsorglich begonnen, Qimonda auf eine mögliche Abwicklung vorzubereiten. Nach einer Sitzung des Gläubigerausschusses am Freitag gab er bekannt, dass der Produktionsbetrieb in Dresden bis Ende März eingestellt werde und fast alle deutschen Qimonda-Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft wechseln sollen. Qimonda beschäftigte vor dem Insolvenzantrag im Januar weltweit 12.000 Mitarbeiter. Die deutsche Belegschaft war in den vergangenen Monaten schon von 4600 auf knapp 3500 geschrumpft. Fortführen will Jaffé Qimonda ab 1. April nur noch mit einer kleinen Kernmannschaft, die die neue Technologie Buried Worldline weiterentwickeln und den Investorenprozess steuern soll. Mit dieser Technik, die eine besonders kostengünstige Fertigung von Chips ermöglicht, sieht sich Qimonda der Konkurrenz weit voraus.

Jaffé läuft die Zeit davon

Grund ist, dass das von der Bundesagentur für Arbeit finanzierte Insolvenzgeld Ende März endet und Qimonda ab 1. April Löhne und Gehälter wieder selber zahlen muss. Jaffé hatte im Februar die Fertigung in Dresden bereits um drei Viertel zurückgefahren, um die Mittelabflüsse zu begrenzen. Wegen des dramatischen Verfalls der Preise für DRam-Chips macht Qimonda mit jedem verkauftem Chip Verlust. Mit Blick auf einen möglichen Investor wird Dresden zunächst nicht komplett stillgelegt, sondern in einen Bereitschaftsmodus ("Standby-Modus") versetzt. Dabei werden die Reinraumbedingungen aufrechterhalten, sodass die Produktion binnen ein bis zwei Wochen wieder hochgefahren werden könnte.

Jaffé begründete dies offiziell damit, dass "verschiedene Investoren" Interesse bekundet hätten. "Verbindliche Angebote liegen jedoch noch nicht vor", sagte der Insolvenzverwalter. Deshalb stehe nun fest, "dass es bis Ende März keine abschließende Lösung geben kann". Gegenüber Sachsen warb Jaffé für Inspur als "einmalige Gelegenheit einer exklusiven Zusammenarbeit mit einem chinesischen Staatsunternehmen, welches das klare staatspolitische Interesse hat, von Korea, Taiwan oder den USA unabhängig zu sein". Inspur wolle die Computerindustrie in der Volksrepublik unter allen Umständen selbst mit dem "Rohstoff Chip" beliefern.

In Taiwan wird gerade mit Staatshilfen aus sechs taiwanischen DRam-Herstellern, dem japanischen Rivalen Elpida und dem US-Hersteller Micron der Superkonzern Taiwan Memory geschmiedet. Inspur würde Qimonda als europäischen Chipfertiger erhalten und zudem eine Fabrik in Shandong bauen, in der Chips mit der Qimonda-Technik hergestellt werden sollen.

FTD