HOME

Claudia Roth: Neuer Lidl-Skandal empört Grünen-Chefin

Es sei das "Übelste", was sie sich vorstellen könne: Grünen-Chefin Claudia Roth ist entsetzt über den neuen Datenskandal bei Lidl. Der Discounter hat offenbar die Krankheiten seiner Mitarbeiter protokolliert. Roth zu stern.de: "Dieses Vorgehen von Lidl zeigt ein erschreckendes Ausmaß an Ignoranz von Recht und Gesetz."

Von Malte Arnsperger

Mit heftiger Kritik am Discounter Lidl reagierte die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, auf den erneuten Mitarbeiterskandal bei dem Unternehmen. "Ich kann mir nichts Übleres vorstellen. Dieses Vorgehen von Lidl zeigt ein erschreckendes Ausmaß an Ignoranz von Recht und Gesetz", sagte sie stern.de. "Es zeigt, dass das Unternehmen seit dem Bespitzelungsskandal im vergangenen Jahr nichts gelernt hat und nicht begriffen hat, dass schon damals Grundrechte verletzt wurden. Lidl glaubt offenbar, dass wirtschaftliches Handeln in rechtsfreien Räumen stattfindet. Ein Arbeitgeber darf seine Angestellten aber nicht wie Nichtmenschen behandeln und sie in dieser Weise bespitzeln und überwachen."

"Der Spiegel" hatte berichtet, dass der Discounter in der Vergangenheit die Gründe für Krankheiten von Mitarbeitern in firmeninternen Unterlagen festgehalten hat. Dies gehe aus mehreren hundert Seiten hervor, die durch Zufall in einer Mülltonne in Bochum entdeckt wurden. Laut "Spiegel" setzte Lidl offenbar noch bis Dezember 2008 bundesweit Vordrucke ein, in denen der "Grund der Krankheit" von Mitarbeitern eingetragen werden sollte. So stehe dort über eine Mitarbeiterin, die im Juni 2008 krank geschrieben war: "Will schwanger (werden). Befruchtung nicht funktioniert". Über andere Mitarbeiterinnen gebe es Einträge, wie "Stationäre Behandlung in neurologischer Klinik" oder "Private Probleme".

Im März 2008 hatten der stern und stern.de enthüllt, dass Lidl systematisch Detektive eingesetzt hatte, die in Filialen heimlich die eigenen Mitarbeiter ausspähten. Der Discounter hatte danach Besserung gelobt und grundlegende Änderungen im Umgang mit Mitarbeitern und dem Datenschutz versprochen.

"Krokodilstränen" seien dies gewesen, sagt nun die Grünen-Politikerin Claudia Roth. "Das Unternehmen hätte die jetzt bekannt gewordenen Praktiken spätestens im Frühjahr 2008 abstellen müssen. Es geht nämlich um den sensibelsten und persönlichsten Bereich von Arbeitnehmern, ihre Gesundheit. Bei Lidl ist das Ende der Fahnenstange nun wirklich erreicht."

Roth forderte die Verbraucher auf, Konsequenzen aus den Methoden des Discounters zu ziehen. Zum Boykott wolle sie nicht aufrufen, aber, so Roth, "die Verbraucher können deutlich machen, dass sie nicht einverstanden sind, wenn bei Lidl die Rechte der Arbeitnehmer mit Füßen getreten werden. Das können sie auch mit ihrer freien Entscheidung, wo sie einkaufen, tun."

Roth attackierte auch Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Das mangelnde Datenschutzbewusstsein bei Unternehmen wie Lidl sei auch auf dessen Politik zurückzuführen: "Denn Innenpolitiker wie Herrn Schäuble stehen für eine Politik, die statt Datenschutz Täterschutz betreibt. Der Innenminister hat mit seinem eigenen Vorgehen zum Beispiel bei der Vorratsdatenspeicherung dazu beigetragen, Datenschutz als nutzlos und hinderlich darzustellen. Und was da auf politischer Ebene angerichtet wurde, wird offenbar von einigen Unternehmen gerne übernommen. Diese Unternehmen glauben, dass sie in Sachen Datenschutz alles tun dürfen. Der Zweck heiligt für sie die Mittel."