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Milliardenschweres Hilfsprogramm: Mieter, Eltern, Arbeitnehmer: Wer bekommt welche Corona-Hilfen?

Mit einem Finanzpaket von 156 Milliarden Euro will die Bundesregierung die wirtschaftlichen Coronaschäden abfedern. Doch wer kann sich ein Stück vom Kuchen erhoffen? Ein Überblick.

Corona-Hilfen

Die Bundesregierung gibt Milliarden zur Bewältigung der Corona-Krise aus

Getty Images

Seit Wochen bestimmt die Corona-Krise unser Leben – beim Einkauf, in der Freizeit, auf der Arbeit. Viele müssen nicht nur ihren Alltag gewaltig einschränken, sondern fürchten um ihre Existenz. Der Bund springt ein mit einem Hilfspaket von historischem Ausmaß.  Beschlossen wurde ein Mega-Paket, für das der Bund in diesem Jahr neue Rekordschulden machen will: 156 Milliarden Euro sollen an Krediten aufgenommen werden. Trotzdem ist unklar, ob die Maßnahmen ausreichen – und ob das Geld schnell genug ankommt, wo es gebraucht wird. Wer sich jetzt Hoffnung auf Unterstützung machen kann: 

Mieter

Mieter haben dann zwei Jahre Zeit, die Mietrückstände nachzuzahlen. Geschieht das nicht, lebt das Kündigungsrecht des Vermieters wieder auf. Wer die Rechnungen für Strom, Gas, Telekommunikation und zum Teil auch Wasser krisenbedingt nicht zahlen kann, soll davon nicht abgeschnitten werden. Mehr Freiraum bekommen auch die Mieter von Gewerberäumen.

Ihnen kann nun nicht mehr gekündigt werden, wenn sie wegen der Corona-Pandemie plötzlich weniger oder gar kein Einkommen mehr haben und deshalb die Miete vom 1. April bis zum 30. Juni 2020 nicht mehr zahlen können. Auch Gewerbemieter haben dann zwei Jahre Zeit, die Mietrückstände nachzuzahlen.

Eltern

Für Eltern gibt es Erleichterungen beim Kinderzuschlag von maximal 185 Euro pro Monat: Vorerst wird beim Antrag nur das Einkommen des vergangenen Monats geprüft, nicht das der letzten sechs Monate. Außerdem zahlt der Staat für zunächst sechs Wochen 67 Prozent des Lohns weiter, wenn Eltern ihre Kinder unter zwölf Jahren wegen geschlossener Kitas und Schulen zu Hause betreuen müssen. Pro Monat gibt es dabei höchstens 2016 Euro. Die Regelung gilt selbstverständlich auch für Pflegeeltern.  Um Familien mit kleinen Einkommen zu unterstützen, hat das Bundesfamilienministerium den "Notfall-Kinderzuschlag" gestartet. Ausführliche Informationen gibt es beim Bundesfamilienministerium. Die Auszahlung der Entschädigung übernimmt bei Arbeitnehmern der Arbeitgeber. Dieser kann seinerseits bei der von den Ländern bestimmten zuständigen Behörde einen Erstattungsantrag stellen. Es besteht für Arbeitgeber auch die Möglichkeit, einen Vorschuss bei der Behörde zu beantragen. Die Entschädigungszahlungen gelten nur höchstens für sechs Wochen für je Mutter und Vater. Derzeit wird in Bundestag und Bundesrat beraten, diesen Zeitraum auf zehn Wochen zu verlängern, für Alleinerziehende auf zwanzig Wochen. Den aktuellen Stand über die Zuschüsse und deren Bedingen gibt es auf der Seite der Bundesregierung.


Arbeitnehmer in Kurzarbeit

 Um eine Massenarbeitslosigkeit zu verhindern ermöglicht die Bundesregierung großflächig die Kurzarbeit: Wenn es nichts mehr zu arbeiten gibt, kann ein Unternehmen die Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Wer länger in Kurzarbeit muss, soll stärker vor Lohneinbußen bewahrt werden. Bisher gibt es 60 Prozent des letzten Nettolohns oder 67 Prozent für Menschen mit Kindern. Künftig sollen es ab dem vierten Monat des Bezugs 70 Prozent oder 77 Prozent sein - ab dem siebten Monat 80 Prozent oder 87 Prozent. Gezählt wird rückwirkend ab März. Wer also seitdem auf mindestens 50 Prozent Kurzarbeit war, soll ab Juli mehr Geld bekommen, die zweite Erhöhungsstufe würde dann ab Oktober greifen. Die Regelung läuft aber Ende des Jahres wieder aus. Die Möglichkeiten in der Kurzarbeit etwas hinzu zuverdienen werden zudem vom 1. Mai bis 31. Dezember bis zur vollen Höhe des bisherigen Monatseinkommens erweitert. In einigen Branchen stocken die Unternehmen das Kurzarbeitergeld auf die vollen Bezüge auf. Das Regelwerk zur Kurzarbeit ist komplex. Eine umfassende Übersicht liefert diese Seite der Bundesarbeitsministeriums.

Studenten

Zwei Drittel der Studenten arbeiten neben dem Studium. Viele von ihnen haben ihre Jobs infolge der aktuellen Situation verloren. Bei manchen bricht auch die finanzielle Unterstützung durch die Eltern weg oder fällt geringer aus. Die Durststrecke können Studenten nun mit einem in der Anfangsphase zinsloses Darlehen bei der KfW überbrücken. Die Konditionen gelten sowohl für neue Antragsteller als auch für solche, die bis März 2021 bereits laufende Kredite ausgezahlt bekommen. Für die besonders betroffene Gruppe der ausländischen Studenten soll der Studienkredit von Juli 2020 bis März 2021 geöffnet werden. Ferner stellt das Bundesbildungsministerium dem Deutschen Studentenwerk 100 Millionen Euro für die Nothilfefonds der Studierendenwerke vor Ort bereit. Der zinslose Kredit der KfW hat eine Höhe von bis zu 650 Euro im Monat und kann unbürokratisch online beantragt werden. Weitere Informationen stellt die KfW zur Verfügung.

Arbeitslosengeld und Hartz-IV

Aufgrund der derzeit geringen Aussichten auf dem Arbeitsmarkt soll das Arbeitslosengeld für diejenigen um drei Monate verlängert werden, deren Anspruch zwischen dem 1. Mai 2020 und dem 31. Dezember 2020 enden würde. Die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes sowie die Verlängerung beim Arbeitslosengeld kostet die Bundesagentur für Arbeit zusammen zusätzliche gut 2,6 Milliarden Euro. Jobcenter verzichten bei einem Hartz-IV-Antrag ein halbes Jahr lang auf die Prüfung des Vermögens und der Höhe der Wohnungsmiete der Betroffenen. Hartz-IV-Empfänger müssen auch nicht mehr persönlich bei ihrer Arbeitsagentur vorsprechen, sondern können in der Regel einfach anrufen. Anträge auf Arbeitslosengeld können telefonisch oder online gestellt werden.  

Pflegeberufe

Beschäftigte in der Altenpflege sollen in diesem Jahr eine gestaffelte Prämie von bis zu 1000 Euro bekommen. Die Höhe richtet sich nach Funktion und Arbeitszeit. Die Kosten werden mit rund einer Milliarde Euro veranschlagt. Länder oder Arbeitgeber können den Bonus auf bis zu 1500 Euro aufstocken, die steuerfrei bleiben würden. Mehrere Länder haben es schon angekündigt.  

Familie und Pflege

Das so genannte Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatz für Arbeitnehmer, die kurzfristig Angehörigen pflegen müssen, wird bis Ende September 20 statt 10 Tage lang gezahlt. Das Recht, wegen einer akuten Pflegesituation in der Familie nicht zur Arbeit zu gehen, wird ebenso auf 20 Tage verlängert. Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1, die daheim betreut werden, sollen zudem den monatlichen Entlastungsbetrag von 125 Euro, der für bestimmte Aufwendungen gedacht ist, befristet auch flexibler einsetzen können. Nicht in Anspruch genommenes Geld soll länger angespart werden können.

Privat Krankenversicherte

Die Krise könnte viele privat versicherte Selbstständige und Kleinunternehmer zwingen, wegen finanzieller Probleme in einen günstigeren Basistarif ihrer Krankenkasse mit weniger Leistungen zu wechseln. Sie sollen einfacher – ohne erneute Gesundheitsprüfung – in den Ursprungstarif zurückwechseln können. Wer unter 55 Jahre alt ist, kann die Gelegenheit nutzen, in die gesetzliche Kasse zurückzuwechseln - sofern das Gehalt unter der Beitragsbemessungsgrenze liegt.