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Daimler-Chrysler: "Schrempp hat sich verzettelt"

Jürgen Schrempp, Chef von Daimler-Chrysler, ist ein glühender Verfechter der Shareholder-Value-Idee, der Konzentration auf den Aktienkurs. Doch der stellt die Anleger überhaupt nicht zufrieden, wie so einiges in dem Unternehmen.

Knallharte Kritik der Investment-Profis und wütende Kleinaktionäre - die Hauptversammlung von Daimler-Chrysler in Berlin war für das Management des Stuttgarter Autokonzerns kein Spaziergang. Als Konzernchef Jürgen Schrempp am Mittwoch seine Rede beendet, war der Beifall dünn und kurz, herrschte fast eisiges Schweigen im Saal.

Den Ton gaben dann die Profis der Investment-Gesellschaften an, die Schrempp schon im vergangenen Jahr massiv attackiert hatten. Hauptpunkte der Kritik sind die Qualitätsmängel der Nobelmarke Mercedes-Benz, eine schlechte Aktienkursentwicklung und die insgesamt schwachen Ergebnisse. Thomas Meier, Fondsmanager bei Union Investment, sagte unter Beifall der Aktionäre: "Die Marke Mercedes-Benz wird leichtfertig aufs Spiel gesetzt." Die Kosten zur Beseitigung der fortgesetzten Qualitätsprobleme bei Mercedes-Pkw hatten im vergangenen Jahr zu einem Gewinneinbruch der Pkw-Sparte um nahezu die Hälfte auf 1,67 Milliarden Euro beigetragen. "Wer Premiumprodukte zu Premiumpreisen anbietet, muss auch Premiumqualität liefern", so Maier.

Fusion von Daimler und Chrysler schafft keinen Mehrwert

Die Fusion von Daimler-Benz und Chrysler vor sieben Jahren habe für die Aktionäre keinen Mehrwert geschaffen, kritisierte Meier weiter. Der Konzern verdiene nicht die eigenen Kapitalkosten und vernichte daher Werte. Die Fondsgesellschaft Union Investment kündigte an, sich bei der Abstimmung über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat enthalten zu wollen.

Klaus Kaldemorgen von Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS sieht Schrempp beim Spaßauto Smart in der Sackgasse. "Ein Kleinwagen mit nicht wettbewerbsfähigen Kostenstrukturen", urteilte er. Die Ergebnisse schön zu reden sei offenbar mittlerweile Teil der Unternehmenskultur bei DaimlerChrysler geworden, Mit Blick auf die Qualitätsprobleme bei Mercedes warf Kaldemorgen der Konzernführung vor, wieder einmal zu spät reagiert zu haben. Die Probleme ausgerechnet im Kernstück des Konzerns häuften sich. "Eine Ikone ist Mercedes schon längst nicht mehr."

Schrempp hat sich verzettelt

Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wirft der Konzernführung vor, sich verzettelt zu haben und empfiehlt empfahl Schrempp, sich aufs Kerngeschäft zu konzentrieren. Damit lasse sich Geld verdienen, wie der Blick zu BMW nach München zeige, sagte der Aktionärsschützer.´

Schrempp selbst blieb gelassen, er habe wohl "zentnerweise Kreide gefressen", wie ein Kleinaktionär spitz bemerkte. Oft vermied er konkrete Antworten, verwies aber auf die Fähigkeit, die aktuellen Problemen bei Mercedes-Benz und Smart lösen zu können. Das Krisenmanagement wurde auch nicht bezweifelt, die Aktionäre wiesen aber fast gequält daraufhin, dass es immer wieder an einer anderen Stelle im Weltkonzern brennt.

"Die Qualität von Mercedes-Benz war nicht in Ordnung, und Smart muss in Ordnung gebracht werden", sagte Schrempp. Eine Änderung der Strategie werde es mit ihm aber nicht geben. "Wir werden Mercedes wieder dahin bringen, wo Mercedes hingehört." Die Konzernführung arbeite mit Volldampf an den Qualitätsproblemen. Er wies die Anschuldigung zurück, zu spät reagiert zu haben. Die Autos, die heute aus den Werkshallen rollten, seien von "bester Qualität".

Wegen der Kosten für die Smart-Sanierung werde das erste und zweite Quartal für das Unternehmen "sehr schwierig", so der Konzernchef weiter. Er ließ aber keinen Zweifel, dass er am Smart festhält. "Das Konzept ist einzigartig. Es gibt praktisch keinen Wettbewerber", sagte er über den zweisitzigen City-Flitzer.

Insgesamt hatten nur etwas mehr als 8000 Aktionäre den Weg in die Hauptstadt gefunden - knapp 1000 weniger als im Jahr zuvor. Den längsten Beifall im Saal erhielt ein Kleinaktionär, der dem Konzernchef zurief, er müsse nur die erlösenden Worte "Ich trete zurück" aussprechen.

Reuters/DPA / DPA / Reuters