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Daimler-Chrysler: Aktionäre fordern Schadensersatz

Der Rücktritt von Jürgen Schrempp soll von Daimler-Chrysler Wochen lang verschwiegen worden sein. Die Aktienkursen schossen danach in die Höhe, doch Anleger gingen mit leeren Händen aus - jetzt fordern sie Schadensersatz.

Der vorzeitige Rücktritt von Jürgen Schrempp als Daimler-Chrysler-Chef im vergangenen Jahr war nach Ermittlungen der Börsenaufsicht schon knapp drei Wochen vor der offiziellen Bekanntgabe hinreichend wahrscheinlich. Dies geht aus einem Schreiben der Börsenaufsichtsbehörde BaFin an die Staatsanwaltschaft Stuttgart hervor. Daimler-Chrysler ließ sich bis mit der Bekanntgabe der veröffentlichungspflichtigen Insider-Information Zeit bis zur Aufsichtsratssitzung am 28. Juli 2005. Das Gremium bestimmte an diesem Tag Dieter Zetsche zu Schrempps Nachfolger. Wegen der möglicherweise verspäteten Veröffentlichung des Schrempp-Rückzugs sind beim Oberlandesgericht Stuttgart mehrere Anlegerklagen anhängig.

Verdachts des Insiderhandels

"Spätestens am 10. Juli 2005 war die Entscheidung, Schrempp werde zum Ende des Jahres 2005 sein Vertragsverhältnis beenden, mit hinreichender Wahrscheinlichkeit gefallen", stellte die BaFin in ihrem mit 13. September 2005 datierten Brief fest. Zu diesem Zeitpunkt seien über Schrempps Pläne unter anderem bereits dessen designierter Nachfolger Dieter Zetsche und mehrere Aufsichtsräte informiert gewesen. Die Arbeiten an entsprechenden Presseerklärungen und Mitarbeiterbriefen sei ebenfalls zu diesem Zeitpunkt angelaufen, befand die BaFin. Die Behörde hatte im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit dem Schrempp-Rücktritt wegen des Verdachts des Insiderhandels gegen mehrere Personen ermittelt, die Verfahren jedoch eingestellt.

Die überraschende Bekanntgabe des Schrempp-Rücktritts hatte am Aktienmarkt zu einem Kurssprung der Daimler-Chrysler-Aktien um rund zehn Prozent geführt. Rund 60 Anleger sehen sich jedoch zu spät über Schrempps Pläne für seinen Rückzug ins Privatleben informiert und verlangen von Daimler-Chrysler Schadenersatz in Millionenhöhe für entgangene Kursgewinne. Darüber will Mitte Februar das Oberlandesgericht Stuttgart in einem Musterverfahren entscheiden. "Es gilt zu entscheiden, wann die Information über Schrempps Rückzug konkret genug und hinreichend wahrscheinlich war", hatte Richter Claudio Stehle Ende Dezember bei einer Anhörung der Streitparteien mit Blick auf das anstehende Urteil gesagt.

Entscheidung über Wechsel stand schon Wochen vorher fest

Aus Sicht der Kläger hatte die Führung des Konzerns den Wechsel von Schrempp zu Dieter Zetsche schon Wochen vor der Bekanntgabe getroffen. Das Schreiben der BaFin stärkt ihre Position. Daimler-Chrysler steht hingegen auf dem Standpunkt, die endgültige Entscheidung über den vorzeitigen Abgang von Schrempp sei erst auf der Aufsichtsratssitzung am 28. Juli gefallen.

Reuters / Reuters