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Desginierter Bahnchef Rüdiger Grube: Mann für schwierige Aufgaben

Auf diesen Namen mag so mancher nicht gekommen sein. Doch Kenner werden nicht verwundert sein, dass Daimler-Manager Rüdiger Grube neuer Bahnchef werden soll. Er gilt als kompetent und zudem als Mann für unangenehme und besonders schwierige Aufgaben. Lernen muss der 57-Jährige den "großen Auftritt".

Nur wenige Tage nach der Rücktrittserklärung von Hartmut Mehdorn steht sein Nachfolger quasi fest: Der Daimler-Manager Rüdiger Grube soll neuer Chef der Deutschen Bahn werden. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) werde den 57-jährigen dem Aufsichtsrat des Staatskonzerns vorschlagen, teilte das Verkehrsministerium am Donnerstag mit. Grube solle auch Vorstandsvorsitzender der DB Mobility Logistics werden. Der Vorschlag ergehe in Abstimmung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Tiefensee habe zudem Gespräche mit den Spitzen der Bahngewerkschaften über die Personalentscheidung geführt.

Zu Hartmut Mehdorn ist Rüdiger Grube als Bahn-Vorstandschef das größtmögliche Kontrastprogramm. Hier der extrovertierte, kantige Mann, der sich öffentlich in jede Redeschlacht wirft und gerne aneckt. Dort der stets freundliche, aber unauffällige zweite Mann, der lieber im Hintergrund die Strippen zieht - bei der Fusion von Daimler und Chrysler ebenso wie bei dem deutsch-französischen Zusammenschluss von Dasa und Lagardere zur EADS.

Der 57-jährige Grube, seit 2001 im Vorstand des Autobauers Daimler für die Strategie verantwortlich, war erst für Jürgen Schrempp und jetzt für Dieter Zetsche immer dann der Mann der Wahl, wenn es unangenehme und schwierige Aufgaben zu lösen galt. Nicht umsonst vertritt er die Interessen des Großaktionärs Daimler beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, dessen alleiniger Verwaltungsratschef er seit eineinhalb Jahren ist. In dieser Rolle stand Grube in engem Kontakt mit der Bundesregierung, die ihren Einfluss bei EADS als Gegenpol zu Frankreich im Hintergrund geltend zu machen versuchte.

Strategiewechsel stets mitgemacht

Alle Umwege und Kehrtwendungen in der Strategie hat Grube stets mitgemacht. Weniger erfolgreich war er als "Außenminister" von Daimler in China und Japan, wo er für Schrempp den Traum vom Weltkonzern retten sollte, ehe sich Daimler bei Mitsubishi doch wieder zurückzog. Als Board-Mitglied bei Chrysler darf Grube die Reste dessen beaufsichtigen, was er mit Schrempp als "Fusion unter Gleichen" einst eingefädelt und später ebenso maßgeblich wieder aufgelöst hatte.

Dass Zetsche ihn, der als enger Vertrauter Schrempps galt, auch nach dessen Abgang im Vorstand behielt, darf als Zeichen für seine Fähigkeiten gewertet werden. Auf Fotos sieht man den gebürtigen Hamburger meist mit einer großen Aktentasche neben seinem Vorstandschef herlaufen. Der große Auftritt ist nicht sein Ding - als Bahn-Chef wird er darum kaum herumkommen.

Gemeinsame Jahre mit Mehdorn

Mit Mehdorn verbinden Grube gemeinsame Jahre beim Luft- und Raumfahrtkonzern Dasa, wo er Vorstandschef Mehdorn Anfang der 1990er Jahre in München als Büroleiter zuarbeitete. Der Dasa-Vorgänger MBB war Grubes erste Station in der Industrie, vorher lehrte der promovierte Diplom-Ingenieur und Arbeitswissenschaftler an der Universität in seiner Heimatstadt Fertigungstechnik.

Den Daimler-Konzern hat er nur einmal verlassen. 1999 wechselte er als Partner zum Stuttgarter Immobilienkonzern Häusler, an dem er sich beteiligte. Zwei Jahre später holte ihn Schrempp zurück in den Vorstand. Sein Vertrag läuft bis 2010.

Alexander Hübner/Reuters / Reuters