HOME

DaimlerChrysler: Börse feiert Zetsches Trennungsplan

DaimlerChryslers Pläne zur möglichen Abspaltung der kriselnden US-Sparte Chrysler haben die Aktie des Autokonzerns beflügelt. Insidern zufolge favorisiert DaimlerChrysler derzeit das Modell, die Tochter separat an die Börse zu bringen.

Auch ein Komplettverkauf werde durchgerechnet, hieß es. Der Konzern gab bekannt, "strategische Optionen mit Partnern" würden geprüft. Die Überlegungen markieren das endgültige Ende der vom früheren Daimler-Chef Jürgen Schrempp entwickelten Idee der sogenannten Welt AG. Daimler-Benz und die Chrysler Corporation hatten sich 1998 zu dem transatlantischen Autokonzern zusammengeschlossen.

Zugleich ist die Ankündigung eine schwere Niederlage für Schrempp-Nachfolger Dieter Zetsche. Er hatte Chrysler vor fünf Jahren radikal umgebaut und galt seitdem als Retter der amerikanischen Pkw-Sparte. Die bis vor Kurzem als erfolgreich gefeierte Sanierung ebnete Zetsche vor gut einem Jahr sogar den Weg an die Konzernspitze.

"Da ist Geld verbrannt worden

"Alle Optionen liegen auf dem Tisch", sagte Zetsche am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens auf die Frage, ob es zur Abspaltung oder zum Verkauf Chryslers kommen könnte. Die Jahrespressekonferenz des deutsch-amerikanischen Konzerns fand erstmals im Chrysler-Hauptquartier in Auburn Hills bei Detroit statt.

"Das Signal ist wichtig und zeigt, dass der Konzern nicht auf Gedeih und Verderb an Chrysler gebunden ist", sagte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Seit 1998 seien in erheblichem Umfang Werte und Arbeitsplätze vernichtet worden. "Da ist Geld verbrannt worden, und das alles nur, um eine einmal getroffene Entscheidung für Chrysler durchzuziehen", sagte Pieper. Die Aussicht auf eine Trennung von Daimler und Chrysler ließ den Börsenwert des Konzerns am Mittwoch um 2,3 Mrd. Euro steigen.

Auch innerhalb des Unternehmens wird eine Abnabelung von Chrysler begrüßt. "Wir wollten sicherstellen, dass der Kern von Daimler vor einem möglichen finanziellen Abwärtsstrudel der Chrysler Corporation geschützt werden kann", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende und stellvertretende Aufsichtsratschef Erich Klemm zur Strategie der Arbeitnehmer in dem Gremium.

Der Aufsichtsrat hatte zuvor beschlossen, dass für Chrysler alle Optionen geprüft werden müssten. Es sei deutlich geworden, dass die Synergiepotenziale zwischen Mercedes und Chrysler begrenzt seien, sagte Klemm.

13.000 Stellen fallen weg

Der US-Autohersteller nannte am Mittwoch Details seines Rettungsplans. Bis 2009 sollen bei Chrysler 13.000 von insgesamt 82.000 Stellen wegfallen. Zwei Werke werden geschlossen. Dadurch soll sich das Ergebnis bis 2009 um 3,5 Mrd. Euro verbessern. Die Sparte peilt eine Umsatzrendite von dann 2,5 Prozent an. Diese Schnitte sollen Chrysler für eine mögliche Abspaltung oder einen Verkauf attraktiv machen.

Im vergangenen Jahr schrieb Chrysler einen operativen Verlust von 1,1 Mrd. Euro, wie der Konzern mitteilte. Der Hersteller leidet unter einer verfehlten Modellpalette. Die schweren und großen Autos werden dem wachsenden Wunsch der US-Kunden nach sparsamen Fahrzeugen nicht mehr gerecht.

Ein gut laufendes Geschäft bei Mercedes, der Lkw-Sparte und der Tochter Financial Services bescherten dem Gesamtkonzern trotz der Chrysler-Misere einen operativen Gewinn von 5,5 Mrd. Euro - nach 5,2 Mrd. Euro im Vorjahr. Der Umsatz stieg 2006 um ein Prozent auf 151,6 Mrd. Euro.

"Bei Mercedes ist es deutlich besser als gedacht gelaufen", sagte Georg Stürzer, Analyst der HypoVereinsbank. "Die Zahlen zeigen, wo der Konzern stehen würde, wenn die Freunde in den USA nicht da wären."

Oliver Wihofszki, Kristina Spiller, Richard Milne / FTD