DaimlerChrysler Kopper weist Insider-Vorwürfe zurück


Der wegen des Verdachts des Insider-Handels ins Visier der Staatsanwaltschaft geratene DaimlerChrysler-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe laut einem Zeitungsbericht bestritten.

Der ins Visier von Ermittlungen geratene DaimlerChrysler-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper hat einen Verstoß gegen Insider-Regeln im Zusammenhang mit dem Rücktritt von Konzernchef Jürgen Schrempp bestritten. Er habe sich keinen Gesetzesverstoß vorzuwerfen, sagte Kopper der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er kenne die Vorwürfe nur aus den Medien.

Die Staatsanwaltschaft hatte ein Verfahren gegen Kopper eingeleitet. Kopper soll den Chef des DaimlerChrysler-Großaktionärs Deutsche Bank, Josef Ackermann, bereits vor der offiziellen Bekanntgabe von Schrempps überraschendem Rückzug am 28. Juli über den Führungswechsel unterrichtet haben. Dies wäre ein Verstoß gegen das Wertpapierhandelsgesetz. Die Ermittlungen richteten sich nur gegen Kopper, hieß es bei der Staatsanwaltschaft.

Die größte deutsche Bank hatte am Tag der Bekanntgabe des Rücktritts von Schrempp ein DaimlerChrysler-Aktienpakt von 3,5 Prozent verkauft. Die Transaktion hatte ein Volumen von 1,4 Milliarden Euro. Insgesamt wurden 35 Millionen Aktien mit einem Vorsteuergewinn von 337 Millionen Euro platziert. Kopper, der früher selbst an der Spitze der Deutschen Bank stand, sagte, für den Verkauf des Pakets mit einem Buchgewinn von 300 Millionen Euro sei sie nicht auf Vorabinformationen angewiesen gewesen.

Im November wurden nochmals 25 Millionen Aktien verkauft. Jetzt hält die Deutsche Bank noch 4,4 Prozent an dem Stuttgarter Autokonzern.

Verdacht vielleicht durch einen anderen Deal hervorgerufen

Die "Stuttgarter Zeitung" berichtete, dass den Verdacht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nicht der große Aktiendeal, sondern möglicherweise ein viel kleineres kompliziertes Optionsgeschäft im Umfeld der Deutschen Bank hervorgerufen hatte. Hier sei mit möglichem Insiderwissen ein einstelliger Milliongewinn erzielt worden.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart gab das Verfahren aus Zuständigkeitsgründen an die Frankfurter Anklagebehörde weiter. Diese prüft derzeit ihre Zuständigkeit. "Bei solchen Delikten ist es möglich, dass es mehrere Tatorte gibt", sagte eine Sprecherin der Behörde, die keine weitere Angaben zu dem Fall machen wollte. Eine Entscheidung über die Zuständigkeit wird nicht vor Montag erwartet. Die Deutsche Bank lehnte jeden Kommentar ab. Die BaFin prüft bereits seit mehreren Monaten die Vorgänge in der Bank mit Blick auf die Rücktrittsankündigung Schrempps. DaimlerChrysler wollte sich am Donnerstag nicht zu dem Vorgang äußern.

Abgestimmtes Rücktrittsszenario

Kopper hatte das Rücktrittsszenario gemeinsam mit Schrempp abgestimmt. Dem Aufsichtsrats-Chef wird nun vorgeworfen, sein Insiderwissen angeblich an Ackermann vor der Pflichtmitteilung weitergegeben und der Bank damit einen Zeit- und Informationsvorsprung verschafft zu haben. Allerdings hatte die Bank seit längerem keinen Hehl daraus gemacht, dass man ab einem Kurs der DaimlerChrysler-Aktie von 38,50 Euro aktiv werden würde. Die Rücktrittsankündigung von Schrempp hatte am 28. Juli ein Kursfeuerwerk ausgelöst. Die DaimlerChrysler-Aktie verteuerte sich in der Spitze um mehr als zehn Prozent auf 40 Euro und schloss an jenem Tag bei 39,49 Euro.

Ermittlungen gegen andere Vostandsmitglieder

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte im Vorjahr zunächst auch gegen DaimlerChrysler-Strategievorstand Rüdiger Grube und Kommunikationschef Hartmut Schick ermittelt. Das Verfahren wurde Mitte November eingestellt. Die Behörde teilte damals mit, die Untersuchungen hätten keinerlei Anhaltspunkte für Insidergeschäfte ergeben. Der Konzern hatte betont, man behalte sich weitere rechtliche Schritte gegen den Betreffenden vor, der die Beschuldigung erhoben habe. Am kommenden Mittwoch (25.1.) beschäftigen zwei Schadenersatzklagen von Aktionären wegen angeblich verspäteter Bekanntgabe des Schrempp-Rücktritts die Stuttgarter Gerichte.

DPA DPA

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