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DaimlerChrysler: Trennung von Zetsche oder US-Tochter

Die kommende Hauptversammlung wird zeigen, wer den Konzern verlassen muss: Die "Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler" wollen den Kopf des Vorstandsvorsitzendes , während institutionelle Anleger den Verkauf von Chrysler verlangen.

Kurz vor der DaimlerChrysler-Hauptversammlung in Berlin wetzen die Aktionäre die Messer: Institutionelle Anleger wollen sich laut Medienberichten für den Verkauf der defizitären US-Tochter Chrysler einsetzen. Sollte der Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche im Berliner Kongresszentrum auf diese Forderung eingehen, drängen die "Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler" (KADC) darauf, dass Zetsche "seinen Hut" nimmt. Kürzlich tauchte zudem das Gerücht auf, dass der Konzern am Chrysler-Verkauf mehr verdienen könnte als bislang angenommen.

SEB und Union Investment wollen Trennung

Der schwedische Bankkonzern SEB sowie die Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken, Union Investment, wollen anscheinend auf eine Chrysler-Trennung hinwirken, wie das "Handelsblatt" (Montagausgabe) berichtet. Bislang hatte der Stuttgarter Autokonzern offiziell lediglich davon gesprochen, alle Optionen für die Sparte zu prüfen. Die Front der institutionellen Anleger für einen Verkauf werde damit breiter. Zuvor hatte die größte deutsche Investmentgesellschaft DWS eine Abspaltung gefordert. Die institutionellen Investoren sind vor allem deshalb für eine Abspaltung, weil sich das Marktumfeld in den USA auch in Zukunft schwierig gestalten werde. Ein DaimlerChrysler-Sprecher wollte die Angelegenheit nicht kommentieren. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) erwartet den Auftritt von DaimlerChrysler Aufsichtsratsvorsitzende Hilmar Kopper mit Spannung. "Für die Stimmung am Mittwoch wird vor allem eine Rolle spielen, wie arrogant Herr Kopper den Einwänden der Aktionäre gegenübertritt", sagt SdK-Sprecher Lars Labryga. Er erwarte keine Generalkritik an Zetsche: "Man wird ihn schonen wollen. Auch mangels fehlender Alternativen." Die vielen Anträge des als äußerst kritisch bekannten Aktionärs Ekkehard Wenger werden "zu einer Abrechnung mit der Vergangenheit". Der Aktionärsschützer rechnet auf lange Sicht mit einer Abspaltung: "Wenn das nicht das eigentliche Ziel wäre, wäre die Konzernspitze dem Gerücht irgendwie entgegen getreten."

KADC fordert Zetsches Rücktritt

Die KADC fordert Zetsche auf, im Falle eines Chrysler Verkaufs zurückzutreten. Seine Sanierungspolitik des "radikalen Abbaus" von Stellen und Werksschließungen sei "kläglich gescheitert". Damit sei sein Anspruch auf den Vorstandsvorsitz "hinfällig". Er trage als langjähriger Vorstand zudem "die volle Verantwortung für das Öko-Desaster einer in weiten Teilen völlig verfehlten Produktpalette", sagte ein KADC-Sprecher. Eine Analyse des Kraftstoffverbrauchs aller 419 angebotenen DaimlerChrysler-Modelle zeige, dass der Konzern die notwendige Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs "offenbar immer noch nicht erkannt hat". Das Ergebnis sei laut KADC "vernichtend": Nur vier Prozent aller Modelle würden den heute von der EU angestrebten Kohlendioxid-Ausstoß von 130 Gramm pro Kilometer erreichen.

Vor wenigen Tagen tauchte das Gerücht auf, DaimlerChrysler könne bei einem Chrysler-Verkauf offenbar mit mehr Geld rechnen als bislang erwartet. Der Verkauf könnte "zwischen sechs bis neun Milliarden Dollar" in die Konzernkasse spülen, berichteten mehrere Medien unter Berufung auf Verhandlungskreise. Die Investmentbank Goldman Sachs hatte zuletzt einen Verkaufserlös von etwa sechs Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro) für möglich gehalten.

Daniel Staffen/DDP / DDP