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Mail-Adresse wechselt ständig: So dreist trickst ein Datingportal seine Kunden bei der Kündigung aus

Um wechselwilligen Kunden die Kündigung zu erschweren, tauchen manche Anbieter tief in die Grauzonen des Verbraucherrechts ab. Aboalarm-Chef Bernd Storm van's Gravesande berichtet von einer besonders ärgerlichen Masche bei einem Datingportal.

Gastbeitrag von Bernd Storm van's Gravesande

Dateformore

Screenshot der Homepage von Dateformore

Der Schutz von Verbraucherrechten ist ein hohes Gut. Doch nicht immer gelingt es, Verbraucher vor fiesen Abo-Fallen, strittigen Vertragsklauseln und unfairen Anbietern zu schützen. Ein häufiger Grund, warum Verbraucher in die Falle tappen, sind rechtliche Grauzonen. Die schwarzen Schafe unter den Anbietern kennen diese häufig genau und machen sie sich zunutze, um Verbraucher über den Tisch zu ziehen. 

Bernd Storm van's Gravesande, Gründer und Geschäftsführer des Kündigungsdienstes "aboalarm", berichtet in loser Folge über Ärgernisse und Fallen, vor denen sich Verbraucher in Acht nehmen müssen.

Bernd Storm van's Gravesande, Gründer und Geschäftsführer des Kündigungsdienstes "aboalarm", berichtet in loser Folge über Ärgernisse und Fallen, vor denen sich Verbraucher in Acht nehmen müssen.

Dateformore provoziert Zahlendreher

Das Datingportal Dateformore.de, betrieben von der Ideo Labs GmbH, sticht immer wieder als Negativbeispiel hervor: Viele Beschwerden erreichen uns, weil es zu Problemen bei der Kündigung kommt. Seit letztem Jahr gibt es eine neue Gesetzesregelung. Vertragskündigungen, die ab Oktober 2016 geschlossen wurden, müssen vom Anbieter auch in Textform, also per E-Mail oder Fax, akzeptiert werden.

Seither ändert Dateformore regelmäßig seine E-Mail-Adresse: So wird dann bei einer ohnehin schon komplizierten Adresse wie ticket1321@de.dateformore.ideolabs.gmbh eine Zahl ausgetauscht. Nur wer genau hinsieht, erkennt die Veränderung. Wer die Mailadresse in seinem Emailpostfach gespeichert hat – etwa aufgrund früherer Kontaktaufnahmen – nutzt die veraltete Adresse für die Kündigung und merkt nicht, dass diese nicht fristgerecht beim Anbieter eingeht.  Stattdessen zieht das Unternehmen weiterhin laufend den Mitgliedsbeitrag ein. Wer daraufhin eine Rücklastschrift bei seiner Bank anfordert, erhält von Dateformore umgehend ein Inkassoschreiben.

Verbraucherunfreundlich, aber erlaubt

Dieses Vorgehen von Dateformore ist verbraucherunfreundlich, aber rechtlich erlaubt, denn laut Gesetz dürfen Unternehmen ihre E-Mail-Adressen jederzeit ändern, solange die gesetzlichen Pflichten hierbei erfüllt bleiben. Die gesetzliche Pflicht bedeutet in diesem Fall eine erreichbare E-Mail-Adresse auf der eigenen Website zu unterhalten. Und das gewährleistet Dateformore auch trotz andauernder Änderungen. Hier wird das Gesetz also vermutlich bewusst sehr geschickt ausgenutzt, um Verbraucher in die Irre zu führen. Hier hilft nur genaues Hinsehen oder eine Kündigung per Einschreiben zu versenden, um den Eingang nachweisen zu können.

Dateformore bestätigte auf Anfrage des stern, dass die Email-Adresse regelmäßig geändert wird. Dies geschehe, weil mit zunehmender Verwendungsdauer immer mehr Spam-Mails einlaufen, die dem Kundendienst die Arbeit erschwerten. Das Portal bestreitet außerdem, dass die Mailadresse kompliziert ist. Sie bestehe vielmehr "aus gängigen beschreibenden Angaben" in Form des Namens des Portals und des Betreibers sowie des Wortes "Ticket" und einer vierstelligen Zahlenkombination.

Die aktuelle Adresse (Stand: 7.2.) lautet übrigens "ticket4549@de.dateformore.ideolabs.gmbh". Es ist nicht möglich, die Mail-Adresse aus dem Impressum zu kopieren und einzufügen, sodass man sie abschreiben muss. 

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