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Achtung, Abofalle!: Die fünf fiesesten Betrugsmaschen im Internet - und wie Sie sie erkennen

Ob gefälschte Amazon-Mails, Abofallen oder zweifelhafte Geschenkaktionen: Im Netz lauern viele Betrüger auf Opfer. Aboalarm-Chef Bernd Storm van's Gravesande nennt die häufigsten Abzockmaschen und wie man sich dagegen schützt.

Im Netz lauern zahlreiche Abzockmaschen

Im Netz lauern zahlreiche Abzockmaschen

Getty Images

Das Internet bietet Verbrauchern unzählige bequeme Online-Dienste und ist aus unserem Alltag nicht mehr weg zu denken. Heutzutage können nahezu alle Angebote online gebucht, gestreamt oder genutzt werden. Viele angebotene Dienstleistungen erleichtern unser Leben ungemein, doch natürlich bietet das Netz auch Angriffspunkte, Verbraucher in ungewollte Verträge und Abonnements zu locken, oder sie sogar mit hinterlistigen Kostenfallen zu betrügen.

Allerdings gibt es im Internet, die immer wiederkehren. Im regen Austausch mit unseren aboalarm-Kunden beobachten wir kritisch gängige Abzocke-Tricks und entlarven die häufigsten Betrugsmaschen im Internet. Hier erfahren Sie, welche das sind und wie Sie sich davor schützen können.

Bernd Storm van's Gravesande, Gründer und Geschäftsführer des Kündigungsdienstes "aboalarm", berichtet in loser Folge über Ärgernisse und Fallen, vor denen sich Verbraucher in Acht nehmen müssen.

Bernd Storm van's Gravesande, Gründer und Geschäftsführer des Kündigungsdienstes "aboalarm", berichtet in loser Folge über Ärgernisse und Fallen, vor denen sich Verbraucher in Acht nehmen müssen.

1. Phishing Mails - der Wolf im Schafspelz

Im Namen großer Unternehmen wie , Ikea oder Paypal senden Betrüger täuschend echt wirkende E-Mails mit angeblichen Bestellbestätigungen oder einer Anmeldeaufforderung an Verbraucher. Wer hier nicht aufpasst, gibt sensible Daten wie die eigene Adresse, Passwörter oder sogar Kontodaten frei und läuft so Gefahr, dass damit eingekauft oder im schlimmsten Fall das Konto leergeräumt wird.

Daher sollten Verbraucher nie ihre Daten per E-Mail weitergeben oder auf eingefügte Links klicken, wenn sie sich nicht sicher sind, dass der Absender seriös ist. Um sicher zu gehen hilft es, die Internetseite des angeblichen E-Mail-Absenders aufzusuchen und dort nach Informationen für den Grund der Mail zu suchen. Wenn zudem auch der Kundensupport nichts davon weiß, kann man sich sicher sein, dass es sich hier um einen Betrug handelt.

2. Kostenlose Probeabos - der Haken steht im Kleingedruckten

Hier handelt es sich um Probeabos, die sich anschließend automatisch in kostenpflichtige Abonnements mit langen Mindestvertragslaufzeiten verlängern. Viele Verbraucher nutzen diesen Service gerne, vergessen aber allzu oft, die Informationen rund um das Probeabo zu prüfen und ob sie dies kündigen müssen oder nicht.

Insbesondere Online-Dating-Anbieter wenden die Taktik weit verbreitet an und locken Verbraucher so regelmäßig in die Kostenfalle. Häufig werden die angeblich kostenlosen Mitgliedschaften stark beworben, um neue Mitglieder zu generieren. Wer hier nicht aufpasst, ist schnell sehr viel Geld los. Nutzer sollten also unbedingt vor Vertragsschluss prüfen, ob sich ein Probeabo automatisch verlängert und es daher einer Kündigung bedarf. Diese Informationen stehen meist nur im Kleingedruckten seitlich bzw. am unteren Rand der Website oder auch in den AGB.

3. Das versteckte Abonnement – die Katze im Sack gekauft

Eine noch perfidere Variante sind versteckte Abonnements, von deren Abschluss Verbraucher erst durch Mahnbescheide per Post oder Abbuchungen auf dem Konto mitbekommen. Meist werden solche Abonnements unbemerkt bei Bestellung von Produkten in dubiosen Online-Shops abgeschlossen. Insbesondere die Anbieter SlimSticks, Zamaro und Justfab werden in diesem Zusammenhang häufig genannt.

Aber auch prinzipiell seriöse Unternehmen agieren nach dieser Masche. Bestellt der Kunde ein Produkt, schließt er automatisch ein kostenpflichtiges Abonnement mit langen Mindestvertragslaufzeiten ab, das den ursprünglichen Preis des Produkts bei weitem übersteigt. Hier gilt es, ganz genau hinzusehen – im Bestellprozess finden sich in der Regel versteckte Hinweise auf das Abschließen eines Abonnements.

So beispielsweise bei der Online-Kleiderbörse Zamaro: "Wenn ich zufrieden bin brauche ich nichts weiter zu tun. Lasse ich in den nächsten sieben Tagen, gemäß AGB, nichts von mir hören (Anruf genügt) startet Zamaro automatisch die vierundzwanzigwöchige SwapPLUS-Mitgliedschaft zu 16 Euro wtl. für mich."

Wer solche Hinweise findet, sollte das Produkt nicht bestellen oder – falls es dafür schon zu spät ist – den geschlossenen Vertrag umgehend und innerhalb von zwei Wochen widerrufen. Blieb zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses eine Widerrufsbelehrung aus, so kann sich diese Frist sogar um ein Jahr verlängern. Grundsätzlich sollte man auf die Rechnungen oder Mahnbescheide beziehungsweise auf einen Vertrag, den man nicht wissentlich abgeschlossen hat, mit einer einmaligen Erklärung reagieren, dass kein Vertrag besteht und dem besagten vorsorglichen Widerruf.

4. Angeblicher Vertragsschluss bei Registrierung - abgezockt mit einem Klick?

Ebenfalls häufiger kommt in letzter Zeit die vierte, gängige Betrugsmasche im Internet vor. Gerade kostenlose Routenplaner- oder Streaming-Angebote locken auf diesem Wege in die Falle. Ruft der Verbraucher eine solche Webseite auf, trennt ihn angeblich lediglich der Anmeldeprozess von der kostenlosen Nutzung der angebotenen Dienstleistung. Hat man sich jedoch erst einmal angemeldet, folgt alsbald die Ernüchterung. Die versprochene Dienstleistung ist entweder gar nicht oder nur eingeschränkt verfügbar.

Stattdessen bekommt man entweder schon mit der Bestätigung oder in einer darauffolgenden E-Mail die Nachricht, man habe ein kostenpflichtiges Abonnement über einen beliebigen Zeitraum abgeschlossen. Nach und nach folgen Mahnungen und unter Umständen sogar Drohbriefe von angeblichen Inkassounternehmen. Aber: Ein auf diese Art und Weise geschlossener Vertrag ist nicht rechtsgültig, da sich nirgendwo ein Hinweis auf einen kostenpflichtigen Vertragsschluss findet. Verbraucher, die Opfer dieser Masche geworden sind, sollten den Forderungen nicht nachkommen und unbedingt Widerspruch einlegen.

5. Geschenkaktionen - einem geschenkten Gaul schaut man besser ins Maul

Die häufigsten Beschwerden unserer Nutzer betreffen Geschenkaktionen, mit denen sie von den E-Mail-Anbietern GMX oder Web.de in die gelockt wurden. Verbraucher erhalten dabei eine E-Mail mit dem verlockenden Betreff: Geburtstagsüberraschung. Klicken sie daraufhin auf den enthaltenen Link, schließen sie automatisch einen kostenpflichtigen Vertrag über die erweiterte Funktion der E-Mail-Anbieter, wie Web.de Club oder GMX Topmail, ab. Bemerkt wird dies zumeist erst, wenn Mahnungen und Inkassobriefe im Postfach landen oder das E-Mailkonto gänzlich gesperrt wird. Auch hier gilt: Da der Verbraucher nicht wissen konnte, dass er einen kostenpflichtigen Vertrag eingegangen ist, ist dieser auch nicht rechtsgültig. Wer Forderungen erhält, sollte umgehend Widerspruch einlegen.

Was tun, wenn man von der Betrugsmasche betroffen ist?

Damit es erst gar nicht soweit kommt, sollten Sie auf folgende Dinge achten, mit denen man sich am besten vor Abofallen und Betrugsmaschen im Internet schützen kann:

  • Vertrag genau prüfen. Gerade Sternchen und Kleingedrucktem sollten Sie Ihre Aufmerksamkeit schenken. Preise oder eventuelle Abo-Bestimmungen werden gerne am Rand oder auf der Seite versteckt. Scrollen Sie deswegen auch immer bis ganz zum Ende der Seite. Auch die AGB sind eine Pflichtlektüre.
  • Geben Sie niemals auf Anfrage per E-Mail oder auf dubiosen Internetseiten Name, Adresse oder eine Bankverbindung an, wenn Sie sich nicht sicher sind, wer dahintersteckt.
  • Lassen Sie sich auf keinerlei Kommunikation ein und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Und vor allem: nicht bezahlen.
  • Legen Sie Widerspruch ein. Sie haben ein gesetzliches Widerrufsrecht von zwei Wochen. Werden Sie vom Anbieter nicht per E-Mail oder Post über dieses informiert, wird das Widerrufsrecht um ein Jahr verlängert.
  • Auf gerichtlichen Mahnbescheid reagieren. Wenn Sie einen gerichtlichen Mahnbescheid bekommen, sollten Sie handeln. Diesem müssen Sie innerhalb von 14 Tagen widersprechen, indem Sie das entsprechende Feld auf dem Bescheid ankreuzen und ihn zurückschicken.
  • Hilfe bei der Verbraucherzentrale oder beim Anwalt holen. 
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