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Deutsche Airline steht still: Pilotenstreik trifft Lufthansa hart

Das Chaos an den deutschen Flughäfen ist ausgeblieben. Die Lufthansa bekommt den Streik jedoch deutlich zu spüren. Allein in Frankfurt blieben am ersten Tag 43 Flieger am Boden.

Die Lufthansa steht still, doch das Chaos bleibt aus. Zu Beginn des Pilotenstreiks ist es am Mittwoch an den deutschen Flughäfen ruhig geblieben, am Frankfurter Flughafen waren am Morgen in der Abflughalle kaum Schlangen an den Schaltern zu sehen.

Den Streik ihrer Piloten hat die Airline indes deutlich zu spüren bekommen. Allein in Frankfurt seien 43 Lufthansa-Maschinen am Boden geblieben, sagte der Leiter des Lufthansa-Krisenzentrums, Werner Knorr. Im Ausland seien 112 Flieger nicht gestartet.

Lufthansa hat für die Streiktage bis einschließlich Freitag rund 3800 Flüge abgesagt und kann nur etwa 500 Verbindungen mit Jets nicht bestreikter Tochterfirmen anbieten. Zwischen 80 und 100 freiwillige Piloten seien im Einsatz, sagte Knorr. Hinzu kämen noch einige Manager mit Pilotenschein.

10.000 Besatzungsmitglieder vom Streik betroffen

Der Plan sei es, möglichst viele Passagiere gar nicht erst zum Flughafen anreisen zu lassen. Auch am zweiten großen Drehkreuz der Lufthansa, dem Flughafen München, war die Lage aber entspannt. Durch die geringere Anzahl an Starts und Landungen sei weniger los, sagte ein Sprecher. Der Flughafen habe zwar Kontakt zu Hotels aufgenommen, sollte die Lufthansa Unterstützung bei der Versorgung gestrandeter Passagiere benötigen. Doch dies sei rein "präventiv".

Der Streik ist für die Lufthansa eine logistische Kraftanstrengung. Über 100 Flugzeuge stehen an ausländischen Flughäfen, um am Samstag den Betrieb schnellstmöglich wieder normal aufnehmen zu können. Deshalb halten dort auch bis zu 1800 Besatzungsmitglieder auf. Rund 10.000 Mitglieder des Kabinenpersonals sind laut Lufthansa insgesamt vom Streik betroffen. Dienstpläne mussten demnach umgestellt und Flugrouten verändert werden.

Damit ein Teil der Passagiere doch noch ans Ziel kommt, spannt die Lufthansa nach eigenen Angaben nicht nur die Töchter Swiss und Austrian Airlines und die Partnerfluggesellschaften der Star Alliance ein. Auch auf die Konkurrenz würden Passagiere umgebucht, erklärte die Lufthansa. Zudem können Kunden auf Deutschland-Verbindungen ihre Tickets in Bahnfahrkarten umtauschen. Eine Bahn-Sprecherin sagte, es sei bislang nicht nötig gewesen, Sonderzüge einzusetzen, da es keine "größeren Anstürme" von Reisenden gegeben habe.

Vorzeitiges Streikende nicht in Sicht

Ein vorzeitiges Ende des Streiks ist indes nicht in Sicht. "Während der Streikphase wird nicht verhandelt", sagte Knorr. Selbst wenn es zu einer Einigung käme, brauche die Lufthansa 48 Stunden, um wieder zum Normalbetrieb zurückzukehren. Die Piloten haben angekündigt, sich erst bei einem verbesserten Angebot der Lufthansa wieder an den Verhandlungstisch zu setzen.

In Frankfurt demonstrierten rund 200 Lufthansa-Piloten der Vereinigung Cockpit gegen die Pläne der Fluggesellschaft. Die Piloten kämpfen gegen Einschnitte bei der sogenannten Übergangsversorgung, einer Art Frührente. Bislang können Piloten bereits mit 55 Jahren aufhören zu fliegen, die Lufthansa bezahlt dann bis zum Renteneintritt die Übergangsversorgung von bis zu 60 Prozent des Brutto-Verdienstes. Die Fluggesellschaft will das Austrittsalter aber auf lange Sicht auf 60 Jahre anheben.

Lufthansa-Sprecherin Barbara Schädler sagte, die bisher geltende Regelung sei 50 Jahre oder älter. "Wir müssen jetzt eine Regelung finden, damit die Piloten auch in Zukunft vorzeitig aus dem Flugdienst ausscheiden können, die aber finanzierbar ist und die auch den steigenden Lebenserwartungen gerecht wird", sagte sie dem Sender n-tv. Die Vereinigung Cockpit nannte das Angebot der Lufthansa eine Mogelpackung.

nck/AFP/DPA / DPA