Deutsche Börse Jagd auf ein Phantom


Nach den Turbulenzen zwischen dem britischen TCI-Fonds und der Deutschen Börse waren bei deren Hauptversammlung klärende Worte des TCI-Chefs erwartet worden. Wer nicht kam, war Fonds-Boss Christopher Hohn.

Christopher Hohn bleibt ein Phantom am Finanzplatz Frankfurt. Zur Hauptversammlung der Deutschen Börse waren offene Worte des britischen Fonds-Chefs erhofft worden, der mit seinen Attacken auf das DAX-Unternehmen die deutsche Wirtschaft wie kaum einer vor ihm aufgemischt hatte. Doch 1000 Aktionäre, gut 120 Medienvertreter und die zwei Dutzend Börsen-Manager warteten am Mittwoch vergebens: Der angekündigte Auftritt Hohns vor den Aktionären blieb aus - und damit die Strategie seines Hedge-Fonds TCI im Dunkeln.

Hohn hatte Kommen zugesagt

"Ich erwarte, dass er kommt, das hat er mir zumindest gesagt", hatte Aufsichtsratschef Rolf Breuer noch kurz vor Beginn der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung versichert. Fieberhaft wurde im Saal nach einem schmächtigen, dunkelhaarigen Brillenträger mit scharfem Seitenscheitel Ausschau gehalten. Auf den Fluren kursierten erste Wetten, ob der End-Dreißiger tatsächlich den Weg nach Frankfurt finden würde.

Kurz vor Ende der knapp fünfeinhalbstündigen Hauptversammlung plötzlich Aufregung: "Ich habe ihn gesehen", sagt der Interims-Chef der Deutschen Börse, Mathias Hlubek. Dagegen beharrt Breuer, er habe Hohn nicht gesehen.

Keine Klarheit über TCI-Strategie

In ihren Reden wandten sich Aktionärsvertreter direkt an Hohn. Vehement forderten sie, sein Fonds mit dem unverfänglich klingenden Namen "The Children's Investment Fund" (TCI) - der Anlagefonds der Kinder - solle offen legen, wie er seine Macht bei dem Börsenbetreiber nutzen will. "Herr Hohn soll sich erklären, das wäre auch fair den anderen Aktionären gegenüber", mahnte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). In einem monatelangen Machtkampf mit der Deutschen Börse, der weitgehend über die Medien ausgetragen worden war, hatte TCI sowohl das Aus der geplanten Übernahme der Londoner Börse erzwungen als auch den Rücktritt von Vorstandschef Werner Seifert.

In Interviews hatte Hohn wiederholt eingeräumt: "Ich will mit meinem Investitionen Gewinn machen - da gibt es gar nichts zu beschönigen." Hohn sei "knallharter Rechner und Moralist in einem", bescheinigte die "WirtschaftsWoche", weil Hohns Millionen auch Aids-Waisen in Afrika und Indien zu Gute kommen. Als Wortführer der Attacke auf die "Deutschland AG" wurde der Top-Manager aus London hier zu Lande zum "Staatsfeind Nr. 1" ("WirtschaftsWoche").

Vorkämpfer für Firmentransparenz

Doch zugleich versicherte Hohn: "Wir sind nicht kurzfristig orientiert." Aufsichtsratschef Breuer scheint er überzeugt zu haben. Mit einem kräftigen "Ja" beantwortete dieser die Frage, ob er sicher sei, dass Hohns Engagement bei der Börse langfristig sei. Das könnte sogar besorgte Anleger beruhigen. Schließlich hatte sich Seiferts erfolgreicher Gegenspieler schon vor dem Machtkampf mit der Deutsche-Börse-Führung gerne als Vorkämpfer für Firmentransparenz und Aktionärsinteressen dargestellt. Dass der Kurs der Deutschen Börse AG seit einem offenem Brief Hohns an Seifert vom Januar von knapp über 40 zwischenzeitlich auf rund 63 Euro kletterte, beweist zumindest, dass die Strategie effektiv war.

Dennoch scheute Seiferts siegreicher Gegenspieler bei dem Aktionärstreffen in Frankfurt einmal mehr die Öffentlichkeit. Dem Vernehmen nach ließ er ausrichten, er wolle dem Medienrummel um seine Person entgehen und ein verantwortungsvoller Aktionär der Deutschen Börse sein. Plötzlich aber tauchte Hohn doch noch auf: Leider war es nur ein Namensvetter.

Jörn Bender/DPA DPA

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