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Deutsche Post: Briefe sollen teurer werden

Die Post will das seit 13 Jahren geltende Porto für Standardbriefe erhöhen - nicht 2010, aber mittelfristig. In der FDP wird derweil heiß diskutiert, den ehemaligen Staatskonzern zu zerschlagen.

Die Deutsche Post denkt mittelfristig an eine Anhebung des Standardportos. "Der Preis für einen Standardbrief ist seit 1997 stabil, für Geschäftskunden sind die Preise sogar gesunken. Ehrlicherweise sage ich: Wir werden nicht nochmal 13 Jahre ohne Preiserhöhung auskommen," sagte der für das Briefgeschäft zuständige Post-Vorstand, Jürgen Gerdes, der "Süddeutschen Zeitung" zufolge. "Aber die Preise sind streng reguliert, und in 2010 gibt es im nationalen Briefgeschäft garantiert keine Preiserhöhungen." Zu der Diskussion um ein erhöhtes Porto für farbige Briefumschläge sagte Gerdes, dies sei bereits seit über zehn Jahren so und von der Netzagentur genehmigt.

Mehr Briefkästen und mehr Außenstellen

Zudem prüft der Konzern derzeit eine Erhöhung der Zahl der derzeit 109.000 Briefkästen. "Die Zahl wird sicher nicht sinken, eher steigen. Wir prüfen ständig Standorte und Anzahl der Briefkästen mit dem Ziel, den Service zu erhöhen. Wichtig ist die Nähe zum Kunden", sagte Gerdes der "SZ".

Auch die Zahl der Post-Außenstellen soll größer werden. Gerdes sagte: "Unser Plan ist, die Zahl der Verkaufsstellen in den nächsten drei Jahren von 17.000 auf 24.000 weiter auszubauen. Wir arbeiten daran, diesen Prozess zu beschleunigen." Derzeit wandelt der Konzern eigene Filialen in solche um, die dann von externen Anbietern wie Lebensmittelhändlern betrieben werden.

FDP diskutiert Zerschlagung des Konzerns

´Unterdessen halten Wirtschaftsexperten der FDP-Bundestagsfraktion einem anderen Zeitungsbericht zufolge eine Zerschlagung der Deutschen Post auf der Grundlage des geplanten Entflechtungsgesetzes für möglich. Das Gesetz sei fast auf das gesamte Briefgeschäft des Konzerns anzuwenden, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf ein vertrauliches Papier der Arbeitsgruppe Wirtschaft der Fraktion. In Fraktionskreisen wurde die Existenz des Papiers bestätigt. Bisher galten die großen Energiekonzerne als Hauptadressaten des von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) geplanten Gesetzes.

Grundlage einer verhältnismäßigen Entflechtung der Post sei "ihre anhaltende Marktbeherrschung im Briefmarkt trotz langjähriger Regulierung", zitiert die Zeitung aus dem Papier. Nach der Einschätzung der Liberalen seien bei dem Unternehmen alle im Gesetz für die Entflechtung vorgesehenen Voraussetzungen erfüllt: Die "gesamte endkundenorientierte Netzinfrastruktur mit Ausnahme der Filialen" könne als selbstständiger Teil aus dem Konzern ausgelagert werden.

Auch Wirtschaftspolitiker der Union beurteilen dem Bericht zufolge die starke Marktstellung der Post kritisch. Fraktionsvize Michael Fuchs sagte dem Blatt, dass das Entflechtungsgesetz als Ultima Ratio in Branchen mit monopolistischen Strukturen oder Marktzugangsblockaden angewendet werden solle. "Das gilt in bestimmten Bereichen bei der Deutschen Post und auch bei der Deutschen Bahn", sagte der CDU-Politiker.

APN/Reuters / Reuters