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Einigung bei Mietsenkungen: Happy End im Karstadt-Drama?

Nach mehr als einem Jahr können 25 000 Karstadt-Beschäftigte jetzt auf das Ende ihrer Zitterpartie hoffen: Nach der Grundsatzeinigung mit den Highstreet-Gläubigern scheinen die Weichen für ein Happy End gestellt. Donnerstagabend waren allerdings einige Punkte offen.

Finale im Nervenkrieg um Karstadt: Nach zähen Verhandlungen haben die Gläubiger des Vermieterkonsortiums Highstreet am Donnerstag einer Grundsatzeinigung über die von Investor Nicolas Berggruen geforderten Mietsenkungen zugestimmt. Doch der Abschluss des Verfahrens zog sich am Abend zunächst noch hin: Dutzende fehlende Unterschriften sollten noch eingesammelt, Mietverträge unterzeichnet werden. Dann haben auch noch die Essener Richter das Wort, die den Insolvenzplan an diesem Freitag bestätigen müssen.

Unklar war, ob die erforderlichen Unterlagen zu dem Gerichtstermin am Freitagvormittag auch vorliegen. Am Donnerstag warteten Berggruen und Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg im Karstadt-Haus am Berliner Kurfürstendamm gemeinsam auf den Eingang weiterer Unterschriften - und signalisierten zurückhaltenden Optimismus. "Richtig freuen kann ich mich erst, wenn die Tinte trocken ist, und das ist sie eben noch nicht", konstatierte Görg am Abend.

Später kam dann auch noch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kurz zu der kleine Runde vor der Lebensmittelabteilung im Untergeschoss. Zum Aufatmen war es ihr ebenfalls noch zu früh. "Aber inzwischen zeichnet sich doch ab, dass wir berechtigte Hoffnung haben können, dass es nicht zu einer Liquidation von Karstadt kommt", sagte die Ministerin, die mit zwischen den Parteien vermittelt hatte.

Wegen der noch ausstehenden Einigung war der Gerichtstermin bei den Insolvenzrichtern schon mehrfach verschoben worden. Doch die Zeit drängt: Spätestens Ende September soll das Insolvenzverfahren abgeschlossen werden. Erst dann können die rund 25 000 Karstadt- Beschäftigten wirklich aufatmen.

Die Schlüssel für sein neues Warenhaus-Reich könnte der deutsch- amerikanische Investor frühestens zum 1. Oktober übernehmen. Mit Spannung wird auch die Vorlage seines detaillierten Konzepts zur Rettung von Karstadt erwartet. Angesichts fehlender eigener Erfahrungen im Einzelhandel hatte der Sohn des 2007 verstorbenen Kunstsammlers Heinz Berggruen bereits angekündigt, den US-Designer Max Azria mit ins Boot holen zu wollen. Der Designer soll vor allem für mehr Glanz in den 120 Karstadt-Filialen sorgen.

Zusätzlichen Einschnitten beim Personal hatte der Investor im Gegensatz zu seinen Konkurrenten im Bieterrennen um Karstadt dagegen frühzeitig eine Absage erteilt. Fest vereinbart ist jedoch bereits ein Sanierungsbeitrag der Beschäftigten in Höhe von 150 Millionen Euro unter anderem durch den vorübergehenden Verzicht auf Urlaub und Weihnachtsgeld.

Im Bieterrennen um Karstadt hatte Berggruen bereits frühzeitig vor allem die Belegschaft auf seine Seite bringen können. Immer wieder hatte er betont, kein Interesse an kurzfristiger Gewinnmaximierung oder an einem schnellen Weiterverkauf von Karstadt zu haben.

Finanzielle Zugeständnisse forderte Berggruen dagegen vor allem von den Karstadt-Vermietern und erwies sich dabei als äußerst hartnäckig. Im Verhandlungspoker mit Highstreet zeigten Berggruen und seine Mannschaft starke Nerven. Der alltägliche Kampf um die Gunst der Kunden dürfte nun eine neue Herausforderung werden.

Kurzfristig stehen im Warenhausgeschäft nun die Bestellungen für die Frühjahrsware an. Nachdem die Entscheidung über das weitere Schicksal der Warenhauskette immer wieder auf die lange Bank geschoben worden war, ist nun Eile nötig. Nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die zahlreichen Lieferanten hatten immer wieder auf eine Lösung gepocht, um endlich Sicherheit für die anstehenden Lieferungen zu haben.

Über Wochen hinweg hatten immer neue Nachrichten für Unsicherheit gesorgt. Noch am Donnerstag hatte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg bestätigt, ein fertig vorbereitetes Zerschlagungs- Szenario für Karstadt bereits in der Schublade zu haben. Auch der italienische Warenhausbetreiber Maurizio Borletti hatte in seinem Kampf um Karstadt nicht locker gelassen.

Uta Knapp und Sascha Meyer, DPA / DPA