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Endesa-Übernahme: In Spanien sprühen die Funken

Erst wurde Eon in Spanien als Vorbild gelobt, wie sich ein nationaler Energiekonzern für die Weltmärkte fit macht. Seit der Eon-Offerte für Endesa sind die Reaktionen deutlich erhitzter.

Es ist eine Ironie des Schicksals: Erst kürzlich hatte die spanische Regierung Eon als Modell für den Aufbau eines großen Energiekonzerns gepriesen, der auf den Weltmärkten eine führende Rolle spielt. Diesem Beispiel wollte Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero folgen, als er für eine Übernahme des Anbieters Endesa durch den katalanischen Konkurrenten Gas Natural grünes Licht gab. Bei der bislang weltweit größten Übernahme in der Energiebranche bietet Eon für den spanischen Versorger gut 29 Milliarden Euro in bar. Gas Natural hatte 22 Milliarden Euro geboten. Diese Offerte war vom Management aber als "feindlich" zurückgewiesen worden.

Endesa soll spanisch bleiben

Ausgerechnet der gepriesene Eon-Konzern kommt ihm nun in die Quere und will mit einem Übernahmeangebot für Endesa die Pläne des sozialistischen Regierungschefs durchkreuzen. Zapatero machte keinen Hehl daraus, dass er den Vorstoß der Düsseldorfer ablehnt. Er will, dass Endesa spanisch bleibt. Allerdings ließ er unklar, wie er dies erreichen will. Ein Eon-Sprecher in Düsseldorf bekräftigte, dass die Kaufofferte vor allem für die Aktionäre beider Unternehmen ein attraktives Angebot darstellte. Die Übernahme sei zugleich ein wegweisender Schritt für die Integration der europäischen Energiemärkte und nicht gegen die spanische Regierung gerichtet.

Rechtlich hätte die Regierung eine Reihe von Mitteln, eine Übernahme von Endesa zu verhindern. Madrid könnte darauf verweisen, dass der Freistaat Bayern einen Kapitalanteil von drei Prozent an Eon besitzt und in Spanien ausländische Unternehmen mit staatlicher Beteiligung nicht in Schlüsselsektoren vorstoßen dürfen. Oder es könnte seine Befugnisse bei der Festlegung der Stromtarife oder bei der Vergabe von Kraftwerkslizenzen dazu nutzen, Eon Steine in den Weg zu legen. Außerdem besitzt die spanische Regierung beim früheren Staatskonzern Endesa noch über eine so genannte "goldene Aktie". Dabei geht es um die Absicherung von Privilegien, mit welchen Regierungen versuchen, ihren Machtverlust bei der Privatisierung von Staatsbetrieben abzumildern.

Kein Regierungs-Veto

Doch ist zumindest eine wichtige Hürde aus dem Weg geräumt: Die spanische Regierung wird bei der anstehenden Akquisition nicht von ihrem Vetorecht Gebrauch machen, kündigte Zapatero Mittwoch in Madrid an. Ein Veto der Regierung wäre allerdings auch schwer zu begründen gewesen in Zeiten, in denen spanische Konzerne in Europa und Lateinamerika reihenweise andere Unternehmen aufkaufen. "Die Großbank Santander wird in Großbritannien nicht als Bedrohung empfunden", schreibt das Wirtschaftsblatt "Expansión". "Telefónica breitet sich über ganz Europa aus, und Ferrovial will zum größten Flughafenbetreiber in Großbritannien aufsteigen. Wie soll Eon da eine Gefahr für die spanische Wirtschaft sein?"

Die Eon-Offerte erhitzt in Spanien die Gemüter in Wirtschaft und Politik. Die einen sehen in dem Düsseldorfer Konzern einen "weißen Ritter", der Endesa vor der drohenden "feindlichen" Übernahme durch Gas Natural rettet. Die anderen betrachten Eon fast als Schreckgespenst. Letzteres gilt vor allem für die Linke. Die Gewerkschaften gaben zu bedenken, bei einer Übernahme würden für Spanien wichtige Entscheidungen in Deutschland getroffen. "Eon degradiert Endesa zu einer Komparsin", meint die linksliberale Zeitung "El País".

Lieber Deutsche als Katalanen

Das bürgerliche Lager sieht in der Eon-Offerte dagegen eine "gute Nachricht". Dies ist insofern verblüffend, als die konservative Volkspartei eine Endesa-Übernahme durch die katalanischen Gas Natural abgelehnt hatte unter anderem mit dem Argument, dass die Katalanen die Energieversorgung Spaniens kontrollieren würden. Bei der Eon scheint sie diese Bedenken nicht zu haben. Die Deutschen sind den Konservativen anscheinend lieber als die Katalanen.

Allerdings ist nicht auszuschließen, dass ein weiterer Energieriese seinen Hut in den Ring werfen und das Bietergefecht um Endesa anheizen wird. So will der Chef des italienischen Versorgers Enel, Fulvio Conti, die spanische Gas Natural bei einem möglichen Gegenangebot unterstützen. Dies kündigte Conti im italienischen Fernsehen an.

Eon droht bei der Übernahme Konkurrenz

Auch wenn Bernotat den milliardenschweren Deal bis zur Jahresmitte abschließen möchte und die Regierung nicht weiter interveniert, sind noch etliche Hindernisse zu nehmen. Zunächst muss die spanische Börsenaufsicht das Kaufangebot von Eon akzeptieren, was nach Ansicht von Beobachtern mehrere Wochen dauern kann.

Bei einem positiven Bescheid wird eine Angebotsfrist gesetzt, innerhalb derer sich die Endesa-Aktionäre für oder gegen das Kaufangebot entscheiden können. Dieser Prozess könnte sich verlängern, wenn es zu einem Bietergefecht kommt. Schließlich müssen auch noch die EU-Wettbewerbshüter dem Kauf genehmigen, was im Fall von Eon als wahrscheinlich gilt.

Mit DPA, Reuters / Reuters