Energiemarkt Letzte Runde im Kampf um Endesa


Der spanische Energierkonzern Endesa steht kurz vor der Übernahme: entweder durch den Konkurrenten Gas Natural oder die deutsche Eon. Die Düsseldorfer schmeicheln sich bereits mit Werbeanzeigen in die Herzen der spanischen Kunden.

E.ON begegnet den Spaniern derzeit auf Schritt und Tritt. Denn rechtzeitig zum Einläuten der letzten Runde im Übernahmepoker um den Stromversorger Endesa hat der deutsche Energieriese eine große Werbeoffensive gestartet: "Hola! Nach allem, was Ihnen über uns erzählt wurde, ist es Zeit, uns vorzustellen - wir sind einer der führenden Strom- und Gasversorger der Welt", lautet die Botschaft, die an Madrids Bushaltestellen oder in ganzseitigen Zeitungsanzeigen zu lesen ist.

Im Werben um die Gunst der Endesa-Aktionäre ist Eile geboten: Denn bis Anfang Februar müssen der Düsseldorfer Konzern und sein spanischer Konkurrent Gas Natural in versiegelten Umschlägen ihre endgültigen Gebote für Endesa vorlegen, wie die Börsenaufsicht (CNMV) nach der Aufhebung der gerichtlichen Blockaden des Bieterverfahrens entschied. E.ON bietet derzeit knapp 37 Milliarden Euro, Gas Natural 22 Milliarden.

Eine weitere deutliche Erhöhung seiner Offerte lehnte der deutsche Konzern am Freitag ab. "Wir bleiben unseren strengen finanziellen Kriterien verpflichtet und werden uns nicht durch die jüngsten Marktspekulationen beeinflussen lassen", betonte E.ON-Chef Wulf Bernotat in Düsseldorf. Der spanische Baukonzern und E.ON-Rivale Acciona, der mit fast 22 Prozent zum Endesa-Hauptaktionär aufgestiegen ist, erhöhte indes den Druck auf die Düsseldorfer. Als "fairen Preis" bezeichnete Acciona eine Spanne zwischen 45 und 49 Euro je Aktie, was einem Wert von 48 bis 51,5 Milliarden Euro für Spaniens führenden Stromversorger entspricht. E.ON bietet derzeit 34,50 Euro pro Titel.

Endesa-Aktionäre reiben sich die Hände

Aber damit nicht genug: "Erst wenn E.ON 58 oder 59 Euro pro Aktie auf den Tisch legt, würden wir über einen Verkauf unserer Anteile nachdenken", ließ ein Acciona-Manager selbstbewusst verlauten. "Die Absicht, mit solchen Ankündigungen den Preis in die Höhe zu treiben und Kasse zu machen, ist unübersehbar", meinten Analysten in Spanien. Die Endesa-Aktionäre, für die am Freitag offiziell die Annahmefrist eröffnet wurde, reiben sich derweil die Hände: Seit Beginn des Übernahmepokers vor einem Jahr hat sich der Börsenwert des Unternehmens auf rund 41 Milliarden Euro verdoppelt.

Damit die E.ON-Offerte Erfolg hat, benötigt der deutsche Konzern aber nicht nur mindestens 50,1 Prozent des Endesa-Kapitals. Bernotat muss auch die Zustimmung der Endesa-Aktionäre zur Abschaffung der Stimmrechtsbeschränkung von derzeit zehn Prozent erreichen. Hier ist Endesa bereit, den Düsseldorfern nach einem verbesserten Angebot den Weg zu ebnen: Die Änderung der Statuten muss von einer außerordentlichen Hauptversammlung mit einer Mehrheit von mindestens 50 Prozent des Kapitals beschlossen werden. Und um eine hohe Teilnahme zu garantieren, will der Vorstand den Aktionären eine Prämie zahlen. Denn wenn - wie in den Jahren zuvor - nur wenige Anteilseigner erscheinen, wäre Acciona mit seinen 22 Prozent kaum zu schlagen.

Nach dem Fahrplan der Börsenaufsicht müsste diese Hauptversammlung spätestens in der ersten März-Hälfte stattfinden. Zunächst muss der Endesa-Vorstand sich aber am 7. Februar zu den endgültigen Geboten äußern und eine Empfehlung an die Aktionäre geben. Diese haben dann nach mehr als einem Jahr endlich das letzte Wort.

Jörg Vogelsänger/DPA DPA

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