Energieversorger RWE will in die europäische Top Five


Während Eon durch seine Übernahme-Pläne zum Sprung an die Weltspitze ansetzt, bliebt RWE zurückhaltend - und droht dadurch an Boden zu verlieren. Nur auf eines hat sich der Energiekonzern festgelegt: 2006 gibt es keine höheren Strompreise.

Der Essener Energiekonzern RWE will sich von den geplanten Megafusionen in der Energiebranche nicht unter Zugzwang setzen lassen. Während Deutschlands größter Energieversorger zum Sprung an die Weltspitze ansetzt, wächst RWE derzeit nur in kleinen Schritten. RWE-Chef Harry Roels sagte am Donnerstag bei der Vorstellung der Bilanz 2005, der Essener Konzern plane derzeit keine vergleichbaren Investitionen wie der Konkurrent aus Düsseldorf.

"ich rate zur Coolness"

"Für uns ist Größe kein Selbstzweck. Die Tatsache, dass man mehr Mittel für Investitionen und auch Akquisitionen hat, darf nicht dazu führen, dass einem das Geld gleich durch die Tasche brennt." Ziel des Unternehmens bleibt es, zu den fünf größten europäischen Energieversorgern zu gehören. Bei seinen Akquisitionen will das Unternehmen aber auch weiter "mit Disziplin und Augenmaß" vorgehen. "Ich rate zur Coolness, zur Ruhe, wir haben unsere Strategie und die werden wir einhalten", so Roels. Dadurch verliert der Ernergiekonzern im Wettlauf mit seinem Konkurrenten Eon allerdings weiter an Boden.

Im Gegensatz zum Rivalen Eon will sich RWE in seinem Geschäft künftig auf Mittel- und Zentraleuropa konzentrieren. "Von Großbritannien bis Bulgarien" reicht laut Roels das RWE-Europa. Südeuropa bleibt damit ein weißer Fleck auf der Landkarte des Konzerns.

Der Spielraum für Zukäufe werde nach dem geplanten Verkauf der Wassersparten Thames Water und American Water noch größer, sagte Roels. Der Konzern will sich von dem Wassergeschäft in Großbritannien und Nordamerika trennen und den Verkaufserlös ab 2007 verbuchen. Dann dürften zwischen 10 und 20 Milliarden Euro in der Kriegskasse des Konzerns schlummern. "Wenn der richtige Zug vorbei kommt, werden wir am Bahnhof sein und werden Geld in der Hand haben", sagte Roels.

Kühle Reaktion auf Fusionsfieber

Roels dämpfte Spekulationen, dass der Konzern nach der 29,1-Milliarden-Euro-Offerte von Eon für Endesa nun ebenfalls größere Akquisitionen plane. "Endesa war für uns kein Thema", sagte er. "RWE wird nur dann durch Zukäufe wachsen, wenn unsere anspruchsvollen strategischen und finanziellen Kriterien erfüllt sind." In der europäischen Energiebranche streben derzeit gleich mehrere Konzerne größere Übernahmen an. Gerüchte um ein Interesse von RWE an europäischen Konkurrenten hatten am Mittwoch den Aktienkurs des Unternehmens in die Höhe getrieben. "Da werden ganz verschiedene Namen genannt, wie Enel, Suez und Scottish Power", berichtete ein Händler. RWE äußere sich nicht zu Spekulationen, sagte Roels.

Im vergangenen Jahr steigerte RWE den Nettogewinn um 4,4 Prozent auf 2,23 Milliarden Euro, was im Rahmen der Analystenschätzungen lag. Der Umsatz ging um 0,8 Prozent auf 41,8 Milliarden Euro zurück. Der Konzern profitierte dabei von den gestiegenen Strompreisen. Belastet wurde das Ergebnis aber durch Abschreibungen auf das zum Verkauf stehende US-Wassergeschäft. Die Anleger sollen mit einer höheren Dividende von 1,75 Euro je Aktie(Vorjahr: 1,50 Euro) belohnt werden. Die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) bezeichneten den Ausblick als enttäuschend. Während RWE für 2006 mit einem Anstieg des Betriebsgewinns von fünf bis zehn Prozent rechne, erwarten die Analysten 25 Prozent.

Öffnung des Strommarktes

"Negative Effekte" befürchtet RWE für 2006 auch durch die Regulierung der Strom- und Gasnetze. Das Bundeskartellamt und die Bundesnetzagentur gehen seit Monaten gegen die großen Strom- und Gasversorger vor und wollen den Markt für Konkurrenten öffnen, um Preissenkungen durchzusetzen.

RWE will sich wie E.ON vor allem auf das Strom- und Gasgeschäft konzentrieren. Im Gasvertrieb sieht der Konzern Wachstumschancen in Deutschland und beim Gastransport und der -verteilung auch außerhalb der Landesgrenzen. "Auch in Zentral- und Südosteuropa können wir uns vorstellen, Gaspipelines zu erwerben oder uns an ihnen zu beteiligen", sagte Roels. Gespräche mit der russischen Gazprom über Pipelines in Europa hätten bislang kein Ergebnis gebracht. RWE wolle auch im Markt für verflüssigtes Gas (LNG) einsteigen und bereite hierzu mehrere Projekte vor.

Wachstumsmarkt Gasgeschäft

"Im deutschen Gasvertrieb sind wir zwar bereits heute die Nummer 2, aber mit großem Abstand zum Branchenführer. Hier gibt es für uns noch Platz zum Wachsen", sagte Roels. Daneben will der Konzern in das wachstumsträchtige Geschäft mit Flüssiggas einsteigen und seine Öl- und Gasförderung deutlich steigern. Außerdem sind milliardenschwere Kraftwerksneubauten geplant.

Gute Nachrichten hatte der Manager für die Verbraucher. 2006 will der Energieriese die Strompreise halten. Schlechte Nachrichten gab es dagegen für die große Koalition in Berlin. RWE will im zweiten Quartal eine Laufzeitverlängerung für das umstrittene Atomkraftwerk Biblis A beantragen. Ein Thema, das der Koalition einen tief greifenden Konflikt bescheren könnte. Die Ausgaben für Kraftwerke und Netze sollen gegenüber früheren Planungen um rund 50 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro jährlich gesteigert werden.

mit Reuters, AP AP

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