Energie Benzinpreise auf Rekordhoch

Benzin ist teuer wie nie zuvor: Der Mineralölkonzern BP erhöhte die Preise um rund drei Cent pro Liter. Der Tanktourismus nach Belgien nimmt zu.

Benzin ist so teuer wie nie zuvor. Der Mineralölkonzern BP erhöhte die Preise an den Zapfsäulen um rund drei Cent pro Liter, wie ein Sprecher mitteilte. Demnach kostete Normalbenzin im Schnitt 112,4 Cent je Liter, Super war für 114,4 Cent zu haben. Dieselkraftstoff kostete durchschnittlich 92,9 Cent. Der Rekordpreis lag im Mai 2001 bei 113,8 Cent je Liter Superbenzin.

Grund ist die Irak-Krise

Die Mineralölkonzerne Shell und Esso verteuerten ihr Benzin zunächst noch nicht, allerdings prüfte die Esso-Führung nach Angaben eines Sprechers ebenfalls eine Anhebung der Preise. "Die internationalen Daten sprechen sehr dafür", sagte Unternehmenssprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann. Sowohl die Preise für Rohöl als auch die für Benzin seien in der vergangenen Woche enorm gestiegen. BP-Sprecher Detlef Brandenburg nannte als Gründe für die hohen internationalen Preise den Streik in Venezuela und die Irak-Krise.

Wettbewerb verhindert weitere Erhöhung

Bisher hat aber der scharfe Wettbewerb in Deutschland verhindert, dass die Entwicklung auf die Preise an den Zapfsäulen durchschlug, hieß es. "Wir beobachten jetzt den Markt und werden dann über eine Erhöhung entscheiden", sagte der Esso-Sprecher.

Hoffnung auf friedliche Lösung

Die Hoffnung auf eine friedliche Lösung im Irak-Konflikt hat zu einer deutlichen Entspannung bei den Ölpreisen geführt. An der New Yorker Rohstoffbörse wurde ein Barrel Rohöl (das Fass zu 159 Litern) mit dem Auslieferungstermin März am Montag mit 34,48 Dollar gehandelt, das sind 64 Cent weniger als zuvor. Im Londoner Handel fiel der Preis für Nordsee-Öl der Marke Brent um 64 Cent auf 31,70 Dollar. Mit den jüngsten Zugeständnissen zu Forderungen der Vereinten Nationen sei Irak am Abgrund zum Krieg offenbar einen Schritt zurück getreten, sagte Tim Evans von der Marktforschungsfirma IFR Pegasus in New York.

Tankstellen-Sterben an Grenze befürchtet

Der Zentralverband des Tankstellen- und Garagengewerbes (Bonn) befürchtet an der deutsch-belgischen Grenze bei Aachen ein Tankstellen-Sterben. Bei Preisunterschieden von rund 15 Cent bei Diesel und 12 Cent bei Super nach Erhöhung der Ökosteuer zum Jahresbeginn hat ein verschärfter Tanktourismus nach Belgien eingesetzt. Deutsche Pächter verzeichneten Umsatzeinbrüche von bis zu 70 Prozent. «Wenn sich das noch ein halbes Jahr weiter so abzeichnet, ohne dass Gegenmaßnahmen getroffen werden, dann wird das dramatisch», sagte der Geschäftsführer des Berufsverbandes, Jürgen Ziegner, am Dienstag.

Billig-Benzin in Belgien

Autofahrer nehmen Wege von bis zu 40 Kilometer in Kauf, um in Belgien billig zu tanken. Das würde langfristig eine Ausdünnung des Tankstellennetzes in den grenznahen deutschen Städten zur Folge haben. «Es ist dann nicht mehr an jeder Ausfallstraße eine Tankstelle», sagte Ziegner für den Verband mit bundesweit rund 5.000 Mitgliedern. Die Folgen für die ländlichen Gebiete wären noch dramatischer.

Pächter erreichen "den Bodensatz"

Auch Pächter an der belgischen Grenze, die auf die Einbrüche mit Kosteneinsparungen regieren, würden «den Bodensatz» erreichen. Allein mit zusätzlichen Angeboten wie Reparatur und Reifendienst hätten die Tankstellen eine Überlebens-Chance. Die sich abzeichnende Entwicklung wäre seiner Meinung nach vergleichbar mit dem Tankstellen-Sterben im deutsch-luxemburgischen Gebiet bei Trier. «Da findet man sehr viele ehemalige Tankstellengebäude, die heute eine Wäscherei oder eine Pommesbude sind», sagte Ziegner.


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