EURO Eichel räumt Fehler ein


Finanzminister Eichel hat nach Zeitungsberichten eingeräumt, dass die Umstellung auf den Euro für den Verbraucher teurer war als von der Regierung erwartet.

Finanzminister Hans Eichel (SPD) hat nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel« als erstes Mitglied der Bundesregierung eingeräumt, dass die Umstellung auf den Euro für den Verbraucher teurer war als von der Regierung erwartet. »Wir haben uns zu sehr auf die Selbstverpflichtung des Handels verlassen, das war möglicherweise ein Fehler«, sagte Eichel laut »Spiegel« im SPD-Parteivorstand. Eine Umfrage des Forschungsinstituts »polis« im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ergab, dass der von vielen Verbrauchern empfundene Preisanstieg durch die Euroeinführung jeden Zweiten (54 Prozent) der Deutschen veranlasst hat, in diesem Jahr auf größere Anschaffungen zu verzichten.

Eichel meinte, andere Lände wie etwa Frankreich - mit einem Verbot für Preiserhöhung - oder die Niederlande hätten die Umstellung »besser hingekriegt«. Insbesondere die Gastronomie und eine Reihe von Dienstleistern hätten nach der Euro-Einführung mit Preiserhöhungen »ziemlich zugelangt«. Der Finanzminister gestand nach dem Bericht ein: »Das hat bei den Leuten auf die Stimmung gedrückt.«

Laut polis-Umfrage ist die Bereitschaft zu Einschränkungen besonders groß in Ostdeutschland. Dort gaben 63 Prozent an, sich im diesem Jahr zurückhalten zu wollen (West: 52). Möglicher Grund könnte die gefühlte Steigerung bei den Lebenshaltungskosten sein. Laut Umfrage empfinden 97 Prozent der Befragten, dass das Leben seit dem 1. Januar teurer geworden ist.

Mehrheit der Deutschen hat sich an den Euro gewöhnt

Bei den Befragten mit hohem Bildungsgrad ist die Zurückhaltung für größere Investitionen mit 38 Prozent eher gering. Während bei den Frauen 60 Prozent keine großen Investitionen tätigen wollen, denken bei den Männern nur 45 Prozent an Einschränkungen. 60 Prozent der Nicht-Berufstätigen kalkulieren ebenfalls vorsichtiger (Berufstätige: 49 Prozent).

»Dies ist sicherlich nicht nur auf die Einführung der neuen Währung zurückzuführen, aber die empfundene Teuerung der Lebenshaltung durch den Euro hat bestimmt seinen Anteil an der Entscheidung«, hieß es in der polis-Auswertung.

Die Mehrheit der Deutschen (68 Prozent) hat sich vier Monate nach Einführung des Euros als Bargeld an die neue Währung gewöhnt. Demnach gaben 66 Prozent der Westdeutschen an, sich an den Euro gewöhnt zu haben. Im Osten bekunden dies sogar 74 Prozent. Die alte Währung bleibt allerdings trotzdem noch präsent: 77 Prozent der Bundesbürger rechnen noch immer in Mark und Pfennig um.

Die niedrigeren Preisangaben auf den Etiketten hätten aber auch dazu geführt, mehr Geld auszugeben als vor der Umstellung auf die EU-Währung. Dies gaben 58 Prozent an. Besonders jüngere Befragte (67 Prozent) ließen sich von den vermeintlich geringen Preisen zum Kauf verleiten.

Für die repräsentative Erhebung befragte polis (Gesellschaft für Politik- und Sozialforschung, München) vom 7. bis 8. Mai 1.017 Menschen ab 14 Jahren.

Finanzministerium dementiert »Spiegel«-Bericht

Aber trotz zum Teil erheblicher Preissteigerungen für einzelne Produkte war die Euro-Einführung aus Sicht des Bundesfinanzministeriums nicht anders zu machen. Eine Sprecherin dementierte laut einer Meldung der Agentur AP heute den »Spiegel«-Bericht, dem zufolge Finanzminister Hans Eichel im SPD-Vorstand erstmals mögliche Fehler bei der Währungsumstellung eingeräumt hat.

»Wir haben uns zu sehr auf die Selbstverpflichtung des Handels verlassen, das war möglicherweise ein Fehler«, zitierte das Nachrichtenmagazin den SPD-Politiker. Andere Länder wie etwa Frankreich, wo die Regierung Preiserhöhungen verboten hatte, hätten die Umstellung »besser hingekriegt«.

Eichels Sprecherin erinnerte daran, dass der Minister verschiedentlich Bedauern darüber geäußert hatte, dass nicht alle Unternehmen in Handel und Gastronomie sich an die freiwillige Selbstverpflichtung gehalten hätten und so teils erhebliche Preissteigerungen zu verzeichnen gewesen seien. Dass diese »gefühlte Inflation« zu Verärgerung und spürbarer Kaufzurückhaltung der Verbraucher führte, habe der Handel selbst eingeräumt.

Dennoch habe es bei der Euro-Umstellung »keine wirkliche Alternative« gegeben, betonte die Sprecherin. In einer freien Marktwirtschaft könne und dürfe der Gesetzgeber nicht in die Preisgestaltung des Marktes eingreifen.


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