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Fischerei: Für den Kabeljau wird's eng

Die EU hat die Fangquoten für Kabeljau und andere bedrohte Fischarten weiter reduziert, entgegen dem Rat von Wissenschaftlern aber keine Fangverbote ausgesprochen. Experten befürchten nun schlimme Folgen für den Kabeljau.

Als eine der letzten Amtshandlungen unter der finnischen Ratspräsidentschaft haben sich die EU-Agrarminister am frühen Donnerstagmorgen auf die Fischfang-Quoten für das Jahr 2007 geeinigt. Die Verhandlungen der Agrar- und Fischereiminister hatten am Dienstag begonnen. Insgesamt wurden von der EU hat die Fangquoten für Kabeljau und andere bedrohte Fischarten weiter reduziert, entgegen den Empfehlungen von Wissenschaftlern aber keine Fangverbote ausgesprochen. Besonders umstritten waren die Maßnahmen zum Schutz des im Bestand bedrohten Kabeljaus.

Deutschland begrüßt Kompromiss

Vertreter der 25 EU-Staaten einigten sich auf ein Kompromisspaket, das auch hinter den Vorschlägen von EU-Fischereikommissar Joe Borg zurückblieb. Der deutsche Verhandlungsführer, Landwirtschaftsstaatssekretär Gert Lindemann, wertete das Ergebnis dennoch als ausgewogen. Die Reduzierung der Quoten und Fangtage beim Kabeljau sei "ein guter Schritt in Richtung einer deutlichen Bestandserholung", erklärte Lindemann nach Angaben eines Sprechers. Zugleich bestünden mit dem nicht gefährdeten Seelachs in der Nordsee Alternativen, "die der deutschen Fischerei eine Existenzsicherung ermöglichen".

Die Fangquoten für Kabeljau wurden am stärksten für die Fischgründe westlich von Schottland und in der keltischen See gesenkt, nämlich um 20 Prozent. Für die übrigen Fischgründe wurde eine Kürzung um höchstens 15 Prozent vereinbart. Auch die Zahl der Seetage für Fischer soll um 7 bis 10 Prozent gesenkt werden. Fischereikommissar Borg hatte die Fangquoten für Kabeljau ursprünglich um 25 Prozent reduzieren wollen, konnte sich damit aber ebenso wenig durchsetzen wie mit dem Vorschlag eines Bestandssicherungsplans für Scholle und Seezunge. Letzterer scheiterte am Widerstand Belgiens und der Niederlande.

Experten befürchten unrettbare Schäden für Kabeljau-Bestand

Die Verringerung der Fangquoten und Seetage in der Kabeljaufischerei reicht nach Ansicht von Wissenschaftlern nicht aus. "Das entspricht nicht den Anforderungen, die wir als Wissenschaftler stellen", sagte Siegfried Ehrlich von der Hamburger Bundesforschungsanstalt für Fischerei am Donnerstag. Der Kieler Meeresbiologe Rainer Froese kritisierte: "Das ist viel zu wenig."

Vorläufig ausgesetzt wird nur die Sardellenfischerei im Golf von Biskaya zwischen Frankreich und Spanien. Bis April dürfen Sardellen dort nur zu Forschungszwecken gefangen werden, danach soll auf Grundlage neuer wissenschaftlicher Gutachten über eine Wiederaufnahme beraten werden.

AP/Reuters / AP / Reuters