HOME

EU-Fischereipolitik: Rettungsplan für den Kabeljau

Der vom Aussterben bedrohten Kabeljau soll langfristig geschützt werden, die Bestände sollen sich erholen. Zum ersten Mal verankert damit die EU das Prinzip eines Schutzplanes in ihrer Fischereipolitik.

Die Europäische Union geht erstmals gegen die Überfischung ihrer Gewässer vor. Für den vom Aussterben bedrohten Kabeljau billigten die Agrarminister am Freitag ein langfristiges Schutzprogramm. Die Bestände sollen sich jährlich um 30 Prozent erholen. Auch der gefährdete Seehecht wurde von Januar 2004 an unter Schutz gestellt.

EU-Agrarkommissar Franz Fischler setzte damit in der nächtlichen Marathonsitzung eine Wende in der Fischereipolitik durch, die Experten als Meilenstein werten. Unterstützung erhielt Fischler von Deutschland und Schweden, die noch schärfere Maßnahmen zum Schutz des Kabeljaus gefordert hatten, dafür aber keine Mehrheit fanden.

Kernpunkte:

Das sind die Kernpunkte des Beschlusses: In den für den Kabeljau typischen Gewässern dürfen die Flotten nur noch eine bestimmte Zahl von Tagen im Monat fischen. Die Stichproben auf den Schiffen werden erhöht, um besser kontrollieren zu können, dass die Höchstmengen je Land eingehalten werden. Von einer bestimmten Menge an darf Kabeljau nur noch - mit Voranmeldung - in bestimmten Häfen angelandet werden. Wenn bekannt, sollen Jungfisch- und Laichgebiete zeitweise für die Kutter gesperrt werden.

Zahlreiche Ausnahmen

Frankreich und Belgien setzten nach Angaben aus den Delegationen zahlreiche Ausnahmen beim Schutzprogramm durch. Trotz der Verwässerung sei es gelungen, dass die EU erstmals das Prinzip eines Schutzplanes in ihrer Fischereipolitik fest verankerte, sagte ein Diplomat. "Der Preis ist das wert."

Zugeständnisse an die Kritiker seien auch bei der Festlegung der Höchstfangmengen (so genannte TAC) und deren Verteilung auf die EU-Staaten gemacht worden. Die TAC und die Quoten legt die EU jedes Jahr mit Hilfe wissenschaftlicher Empfehlungen neu fest.

Die Verhandlungen zogen sich fast zwei Tage hin, da Fischler vor einer Festlegung der Höchstfangmenge für jede Art und deren Verteilung auf die einzelnen EU-Staaten einen Grundsatzbeschluss über die Erholungspläne forderte. Diese Strategie blockierten zeitweise Frankreich, Belgien und Spanien.

Ministerin Künast gehen die Maßnahmen nicht weit genug

Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast hatte vor den Beratungen deutlich gemacht, dass ihr die Maßnahmen der Kommission nicht weit genug gingen. Sie hätte einen Fangstopp für Kabeljau befürwortet, sah aber angesichts fehlender Unterstützung - nur Schweden lag auf der deutschen Linie - keine Chance auf Erfolg.

Fischler setzte damit durch, dass künftig für andere bedrohte Fischsorten rasch Maßnahmen ergriffen werden können. Durch Überfischung in der Existenz gefährdet sind nach Angaben der Kommission zudem die Scholle, die Seezunge und die Krabbenart Kaisergranat.