Artenschutz Mit Lineal an die Fischtheke

Werden Fische zu jung gefangen, haben sie zuvor keine Chance abzulaichen - die Art kann aussterben. Ein neuartiges Fischlineal soll nun den bedrohten Kabeljau retten.

Mit einem in Kiel entwickelten Lineal können Verbraucher künftig an der Fischtheke bequem zum Schutz des bedrohten Kabeljaus beitragen. Der auch als Dorsch bekannte Fisch ist durch den rücksichtslosen Fang in Nord- und Ostsee zur seltenen Beute geworden. Zu viele kleine Fische gehen ins Netz: Inzwischen sind nach Schätzungen rund 80 Prozent der im deutschen Handel angebotenen Tiere noch nicht einmal geschlechtsreif - damit droht mehr und mehr Nachwuchs auszubleiben.

Die Kieler Meeresbiologen vom Forschungszentrum IFM-Geomar erwarten nach ihren jahrelangen Warnrufen keine Hilfe mehr von der Europäischen Union. Die Wissenschaftler um Projektleiter Rainer Froese wollen daher nun den Verbraucher zum mächtigen Kabeljauschützer machen. Als "Waffe" geben sie ihm ein europaweit einzigartiges Fischlineal an die Hand.

Informationen zum "Fisch-Max"

Homepage des Kieler Forschungszentrums IFM-Geomar: www.ifm-geomar.de

"Ist der Fisch zu klein, sollte er im Laden bleiben"

Der so genannte Fisch-Max ist leicht, flexibel, abwaschbar und passt in jede Einkaufstasche. Mit einem Blick darauf lässt sich an der Theke die Größe des Fisches messen - und zugleich ablesen, ob er schon die Chance hatte, abzulaichen. Ostsee-Kabeljau, auch Dorsch genannt, muss 43 Zentimeter groß sein, der Kabeljau aus der Nordsee 68 Zentimeter. "Ist der Fisch zu klein, sollte er im Laden bleiben", sagen Froese und seine Kollegin Amanda Stern-Pirlot.

Auf dem Lineal sind auch weitere Minimalgrößen eingezeichnet: Scholle, Sprotte, Hering, Makrele und Steinbutt. Bisher gibt es den "Fisch-Max" nur in kleiner Auflage und auch nur in Kiel, doch am liebsten würde ihn das Institut europaweit anbieten. Das übersteigt allerdings die Möglichkeiten der Fischereibiologen, die nun nach Sponsoren oder Vertriebspartnern suchen, um das Maßband zu verbreiten. Solange kann der Fischgenießer mit einem Spickzettel und normalen Zentimetermaß in der Tasche einkaufen gehen.

Der politische Wille fehlt

Weil die Politik den Fischern keine Grenzen setze, müsse es eben der Verbraucher tun, meinen die Wissenschaftler. Froese hofft, dass der Handel diesen Druck dann an die Einkäufer und damit schließlich an die Fischer weitergibt, die die zu kleinen Fische dann gar nicht mehr fangen.

Es sei den Fischern technisch durchaus möglich, nur Fische der gewünschten Größe zu fangen, sagt Froese: "Es fehlt nur der politische Wille, solche Änderungen durchzusetzen." Leider lasse es das europäische Recht zu, dass unreife Tiere gefangen werden.

FischartLänge NordseeLänge Ostsee
Sprotte12 cm11 cm
Hering27 cm25 cm
Scholle39 cm27 cm
Makrele34 cm34 cm
Steinbutt55 cm46 cm
Dorsch (Kabeljau)68 cm43 cm

Neues Fischereimanagement gefordert

Mit dem Kieler Fischlineal allein lassen sich die Bestände indes nicht retten. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES), das internationale Beratergremium für Regierungen und die EU, empfiehlt den Stopp des Kabeljaufangs auf unbestimmte Zeit. Die Kieler Forscher unterstützen diese Empfehlung, darüber hinaus wünschen sie sich ein neues Fischereimanagement. "Die jungen Fische und zusätzlich ein gesunder Teil der Altfische müssen geschützt werden", verlangt Froese. Letzteres sichere das langfristige Überleben des Bestandes. So könnte die Fischerei wesentlich höhere Erträge erzielen als heute.

Stattdessen aber würden mit neuen Techniken und Netzen auch noch die letzten Refugien in Nord- und Ostsee erreicht, in denen sich Kabeljaus bislang noch weitgehend ungestört vermehren konnten. "Diese Tiere haben die Bestände bisher immer noch ein wenig aufbauen können", warnt Froese. Wenn auch diese Fische nun weggefangen würden, "dann war's das."

Thilo Resenhoeft/DPA DPA

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