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Frankfurt: Rezessionangst hält Börsen in Atem

Die amerikanische Notenbank hat versucht, mit Zinssenkungen die Panik an den Aktienmärkten zu verringern. Der Deutsche Aktienindex konnte sich zwar von seinen massiven Verlusten erholen. Die New Yorker Stock Börse erlebte jedoch bereits kurz nach der Eröffnung erhebliche Kursstürze.

Der panische Ausverkauf an den Börsen geht weiter. Am Dienstag fiel der Dax im Anfangsgeschäft um fünf Prozent auf 6420 Punkte und lag damit so niedrig wie seit Dezember 2006 nicht mehr. Im Handelsverlauf erholte sich der Index jedoch wieder und begrenzte die Verluste auf etwas unter zwei Prozent.

Die Kursverluste im frühen Handel in London, Paris und Zürich waren ähnlich dramatisch. Der paneuropäische Stoxx50-Index fiel um 3,5 Prozent und der EuroStoxx50 um 3,7 Prozent. Später erholten sich jedoch beide Indizes wieder und mussten nur einen Kursverlust von jeweils circa einem Prozent hinnehmen. Der französische Index Cac 40 verbuchte auch um halb drei noch ein Minus von fast sechs Prozent.

Angst vor Amerika

"Die Anleger zweifeln, dass das Konjunkturpaket der US-Regierung reicht, um die Rezession zu verhindern." Börsianer vermuten, dass viele institutionelle Anleger ihre Aktienpositionen systematisch verringen. "Die Vermögensverwalter nehmen die Aktienquote herunter und gehen in Cash-Anlagen", sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Beraterhaus FrankfurtFinanz.

Nach Angaben von Münchener-Rück-Finanzvorstand Jörg Schneider hat der Rückversicherer seinen Aktienbestand schon auf kaum mehr als 10 Prozent heruntergefahren. Vor einigen Jahren seien es noch über 30 Prozent gewesen.

Entspannung erwartet

EZB-Ratsmitglied Jürgen Stark versuchte in einem Interview im Deutschlandfunk, ein wenig Ruhe in den Markt zu bringen. Die Fundamentaldaten in der Euro-Zone seien gesund. Sollte es aber nötig werden, gebe die EZB wieder Liquidität an den Markt. Bundesbankchef Axel Weber rief die Bankenbranche zu mehr Offenheit im Umgang mit der Finanzkrise auf. In einem Interview mit dem Anlegermagazin "Focus-Money" sagte Weber, das erste und zweite Quartal dürften aus seiner Sicht eine deutliche Entspannung der Märkte bringen. Voraussetzung sei aber, dass die "Banken die bisherige Salamitaktik bei der Offenbarung ihrer finanziellen Belastungen beenden und eine weitreichende Transparenz herstellen".

In Asien folgten die Börsen den schwachen europäischen Vorgaben. Der Nikkei-Index fiel um 5,6 Prozent auf 12.573 Punkte und wies - wie der Dax am Montag mit gut 7 Prozent - den größten Tagesverlust seit den Anschlägen vom 11. September 2001 aus. Auch an anderen asiatischen Börsenplätzen brachen die Kurse ein. In Indien fiel der wichtigste Börsenindex um zwölf Prozent.

Die Wall Street in New York eröffnete den Handel ebenfalls mit deutlichen Verlusten. Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte fiel zu Beginn um 346 Punkte auf 11.753. Der Index notierte zuletzt im März 2007 unter 12.000. Daran konnte auch die überraschende Zinssenkung durch die US-Notenbank eine Stunde vor Handelsbeginn nichts ändern.

In den USA waren die Börsen am Montag wegen eines Feiertages (Martin-Luther-King-Day) geschlossen geblieben, sodass die Anleger dort erst am Dienstag auf die europäischen und asiatischen Verluste reagieren können. Die Aktien-Futures auf die großen Indizes in den USA hatten schon im frühen Handel einen Einbruch signalisiert.

Reuters / Reuters