Geplatzte Fusion Börse hat kein Vertrauen in Yahoo


Auf den Internetkonzern Yahoo kommen schwere Zeiten zu. Die Absage an Microsoft hat die Börse alles andere erfreut - der Kurs brach zum Wochenauftakt drastisch ein. Erste Aktionäre haben bereits angekündigt, gegen die Entscheidung zu klagen.

Die Börse hat den Internetkonzern Yahoo nach der gescheiterten Übernahme durch Microsoft massiv abgestraft. Der Aktienkurs fiel schon in den ersten Handelsminuten um 19 Prozent. Bereits an der Börse in Frankfurt hatten die Papiere zeitweise um mehr als 20 Prozent nachgegeben. Der Kurs liegt damit aber immer noch deutlich höher, als zu Beginn der Verhandlungen mit Microsoft.

Am Wochenende hatte Microsoft sein Bestreben aufgegeben, in den Verhandlungen mit Yahoo noch einen Kompromiss zu finden. Der Softwarekonzern hatte sein Angebot zuletzt auf 33 Dollar (rund 21 Euro)angehoben. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" forderte jedoch Yahoo-Chef Jerry Yang mindestens vier Dollar mehr je Anteilsschein.

Fusion noch nicht gänzlich vom Tisch

Mit dem Scheitern ist die Vormachtstellung des Konkurrenten Google in den Bereichen Internet-Werbung und -suche vorerst gesichert. Microsoft und Yahoo gaben sich trotzdem zuversichtlich, erfolgreich Google Konkurrenz machen zu können. Microsoft-Chef Steve Ballmer schrieb in einem Brief an die Angestellten, zwar hätte der Kauf von Yahoo die Strategie für das Anzeigengeschäft und die Internetdienste des Konzerns beschleunigt. Er sei jedoch zuversichtlich, dass Microsoft seine Ziele auch ohne Yahoo erreichen könne.

Yahoo wiederum arbeitet selbst an einem Kooperationsabkommen mit Google. Sollte es dazu kommen, würde Google ein Teil der auf Internetsuche basierenden Werbung von Yahoo übernehmen und koordinieren. Kreisen zufolge könnte eine Partnerschaft bereits in der kommenden Woche bekanntgeben werden. Experten warnen jedoch, dass es erhebliche Probleme mit den Kartellbehörden geben könnte. Schon jetzt hat Google eine marktbeherrschende Stellung.

Eine Übernahme von Yahoo durch Microsoft ist aber weiterhin möglich. Die Gespräche könnten immer noch wieder aufgenommen werden, wenn sich die Umstände ändern sollten, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person.

Das Management von Yahoo muss den eigenen Aktionären zudem erklären, warum das Angebot nicht angenommen worden ist. Einige Anteilseigner haben dem "Wall Street Journal" zufolge schon angekündigt, gegen die harte Haltung des Managements zu klagen.

Gespräche mit AOL

Die erst im März von Yahoo präsentierten Wachstumsziele werden von vielen Analysten als viel zu hoch und zu optimistisch beurteilt. Yahoo hatte die Prognosen veröffentlicht, um zu zeigen, dass das Unternehmen auch ohne Microsoft profitabel und erfolgreich arbeiten kann.

Neben einer Kooperation mit Google gibt es aber noch weitere Alternativen: Mit dem Konkurrenten AOL gab es bereits in der Vergangenheit Gespräche über ein Zusammengehen. Der AOL Mutterkonzern Time Warner sollte im Gegenzug mit 20 Prozent an Yahoo beteiligt werden. Während der Gespräche mit Microsoft wurden die Verhandlungen mit Time Warner jedoch ausgesetzt.

Demgegenüber haben die Gespräche zwischen Yahoo und Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp in den vergangenen Wochen an Schwung verloren. Das schwindende Interesse von News Corp würde die Optionen für Yahoo bei der Partnersuche auf AOL begrenzen. Oder die Gespräche mit Microsoft werden doch wieder aufgenommen.

stern.de/Reuters/DPA DPA Reuters

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