Golfkrieg Ölpreis reagiert auf brennende Quellen


Berichte über die brennenden Ölquellen in Irak haben die tagelange Talfahrt der Ölpreise am Donnerstagabend vorerst beendet. In London notierte am Donnerstag Abend der Barrel mit 27,35 Dollar.

In London schnellte der Ölpreis auf 27,35 Dollar pro Barrel, nachdem am frühen Morgen ein Tief von 25,53 erreicht worden war. Augenzeugen in Kuwait nahe der irakischen Grenze hatten von Feuer in der Stadt Basra berichtet, dem Herz der Ölindustrie. Ein US-Militär hatte berichtet, drei Quellen stünden in Flammen.

Bis zum Brand reagierten Märkte gelassen

Vor der Nachricht hatten die Ölmärkte am Donnerstag gelassen auf den Kriegsausbruch reagiert. Nachdem der Preis in den vergangenen Tagen kräftig gesunken war, zeigte sich in London und New York am Nachmittag eine stabile bis leicht fallende Tendenz ab. Sowohl die OPEC wie auch der deutsche Mineralölwirtschaftsverband (MWV) erklärten, die Ölversorgung sei gesichert.

Benzin zunächst billiger

In Deutschland wurden Benzin und Diesel am Donnerstag zunächst billiger: Nach Shell/DEA-Angaben kostete der Liter Normal im Schnitt 1,10 Euro, Super 1,12 Euro, Super plus 1,16 Euro und Diesel rund knapp 97 Cent. Damit liegt der Preis rund drei Cent unter den Rekordwerten von Anfang März.

Überproduktion drückte den Preis

In den vergangenen Wochen hatte der Ölpreis zwischenzeitlich Spitzenwerte von 40 Dollar erreicht. Analysten erklärten den anhaltenden Preisrückgang mit der Erwartung eines schnellen Endes des Golfkriegs, einer Überproduktion, die vor allem auf das Konto der OPEC gehe, sowie mit saisonalen Gründen. Die Organisation Erdöl exportierender Staaten teilte mit, dass ihre Mitglieder die Tagesproduktion im Februar um rund 1,5 Millionen Barrel auf 24,66 Millionen Barrel gesteigert hätten.

MWV: Kein Grund zu Hamsterkäufen

Für deutsche Autofahrer und Heizungsbesitzer besteht laut MWV kein Grund zu Hamsterkäufen. "Trotz des Krieges im Nahen Osten müssen die deutschen Verbraucher nicht um ihre Versorgung mit Heizöl und Kraftstoffen fürchten." Deutschland beziehe nur vier Prozent seiner Öleinfuhren aus der Golfregion, zwei Drittel dagegen aus Russland und der Nordsee. Falls es dennoch zu Versorgungsproblemen komme, könnten zum Beispiel die deutschen Notreserven einen fünfprozentigen Lieferausfall fünf Jahre lang ausgleichen.

Opec wird Förderausfälle auffangen

Die OPEC wiederholte ihre Bereitschaft, alle Förderausfälle auf Grund des Krieges auszugleichen. Der Energieminister und Vorsitzende der OPEC-Konferenz, Abdullah bin Hamad Al Attiyah, erklärte in Wien, die Mitgliedsländer hätten sich verpflichtet, ihre ungenutzten Förderkapazitäten einzusetzen, um eine durchgehende Versorgung zu gewährleisten. Damit sollen die ausfallenden Lieferungen aus dem Irak ersetzt werden.

Irak förderte "nur" 2,5 Millionen Barrel

Bis zu Beginn des Golfkriegs wurden in Irak täglich rund 2,0 bis 2,5 Millionen Barrel Öl (rund 400 Millionen Liter) gefördert. Nach den Richtlinien des UN-Programms Öl für Nahrungsmittel wurden davon mehr als drei Viertel exportiert. Weltweit liegt die tägliche Fördermenge bei 76 Millionen Barrel, ein Drittel davon kommt aus dem Mittleren Osten. Für den Notfall haben die Industriestaaten rund vier Milliarden Barrel Öl als Reserve zurückgestellt, was der Importmenge von rund 100 Tagen entspricht.

Preis wird sich einpendeln

Der Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Union Investment, Ulrich Berz, erwartet auf längere Sicht einen Preis von 22 bis 28 Dollar, was auch das Ziel der OPEC ist. Sei der Krieg schnell vorbei, werde sich der Preis wahrscheinlich auf 25 Dollar einpendeln. Dauere der Krieg länger, bleibe das Niveau eher um die 28 Dollar pro Barrel.


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