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Grüne Woche: Schlemmen und Schauen

Bei der weltgrößten Schau der Agrar- und Ernährungsindustrie heißt es für die knapp 1640 Aussteller wieder "Showtime":  Hier können sie ihre neuen Produkte und Lebensmittel präsentieren - und sorgen damit für Besucherrekorde.

Schlemmen, schauen und Millionengeschäfte abschließen, das ist die Grüne Woche in Berlin. Auf der weltgrößten Schau der Agrar- und Ernährungsindustrie werden Geschäftsabschlüsse in Millionenhöhe getätigt. Allein das diesjährige Partnerland Russland verkündete nach dem ersten Wochenende ein vorläufiges Geschäftsvolumen von 150 Millionen Euro. So wird ein deutscher Agrarausrüster, die Laer Firma Farmer-Automatic, dorthin Hühnerstalleinrichtungen für 30 Millionen Euro liefern. Ziel ist, in Russland die Produktion von täglich drei Millionen Hühnereiern zu ermöglichen. Ein französisches Unternehmen hat einen Auftrag über eine Schweinemastanlage für 15.000 Tiere im Wert von 20 Millionen Euro vergeben und auch ein Vertrag über 20 Millionen Euro für ein Joint Venture zum Bau einer Rapsölmühle wurde bereits geschlossen.

Belgien bietet Pfirsichbier und Diabetikerpralinen

Dem Publikum gilt die Landwirtschaftsmesse hingegen als pure Schlemmermesse.

Belgien präsentiert auf der Grünen Woche neben klassischen Produkten wie Ardenner Schinken aus ausgefallene Kreationen. Erstmals können die Besucher Pfirsich-Lamicbier probieren, dass es nur in Belgien gibt. Während das "Dubbel" eine malzig-schokoladige Note aufweise, habe das "Tripel" Noten von Koriander, Thymian und Rosmarin. Am Stand gibt es auch eine rege Nachfrage für Diabetikerpralinen. Angeboten werden zehn Variationen.

Norwegen setzt auf Spezialitäten. Drei Spitzenköche lassen sich bei der Arbeit zuschauen und bieten den Besuchern wechselnde Leckereien aus Rentier- und Elchprodukten sowie Lachs- und Königskrabben. Schweden setzt neben klassischen Produkten wie Fisch und Knäckebrot auch Rentier- und Elchwurst sowie Elchsalami als Lockmittel ein. Ferner werden verschiedene Senfsorten und Fruchtaufstriche offeriert. Schweden exportierte im vergangenen Jahr Agrar- und Ernährungsprodukte im Wert von 250 Millionen Euro nach Deutschland.

Erstmals dabei: Die Mongolei

Kanada präsentiert vor allem Wildlachs. Neben geräuchertem Fisch gibt es auch Bisonfleisch. Für durstige Kehlen gibt es neben Whisky und Bier auch ein Iceberg-Wodka zum Angebot, der mit Wasser aus einem 12. 000 Jahre alten Eisberg hergestellt wird. Die Mongolei nutzt die Messe erstmals zur Selbstdarstellung: Zum Angebot gehören Spirituosen, Bier und Fleischprodukte. "Wir wollen hier den europäischen Markt testen", meint Purevjav Bayanmunk vom Agrarministerium. Neben Wodka aus drei Brennereien sind auch Lamm, Pferde- und Rindfleisch aus biologischer Tierhaltung im Angebot.

"Die Menschen schauen nicht nur, sie kaufen auch", sagte der Sprecher der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft CMA, Deltev Steinert. Im vergangenen Jahr haben rund 450.000 Besucher für Verzehr und Bestellungen rund 60 Millionen Euro ausgegeben. Ob auf der diesjährigen Messe mehr ausgegegen wurde, ist erst am 22. Januar klar. Dann schließt die Grüne Woche ihre Tore.

mit DPA