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Güterverkehr der Deutschen Bahn: Mit Volldampf aus der Krise

Der Güterverkehr der Deutschen Bahn hat nach dem Einbruch 2009 zum Jahresanfang wieder deutlich zugelegt. In den ersten vier Monaten 2010 habe die Spedition Schenker (Flugzeuge, Schiff, Lkw) sowie die Güterbahn 14 Prozent mehr transportiert, sagte Vorstand Karl-Friedrich Rausch am Montag in Berlin.

Der Güterverkehr der Deutschen Bahn AG hat in den letzten zwei Monaten wieder deutlich zugelegt. Dennoch wird es teils noch ein halbes Jahrzehnt dauern, bis die Kennziffern des Rekordjahres 2008 wieder erreicht sind, wie DB-Schenker-Chef Karl-Friedrich Rausch am Montag erklärte. Gegenüber 2009 verbesserten sich die Umsätze zwischen 14 und 33 Prozent. Luft- und Seeverkehr zogen stärker als der Schienenverkehr an. Als Ergebnis für 2010 sagte er plus fünf Prozent insgesamt und "eine Null" auf der Schiene voraus.

"So ein Jahr wie 2009 brauchen wir nicht noch einmal", sagte Rausch. Schenker sei besser als die Wettbewerber durch die Krise gekommen, aber wirklich tröstlich sei das auch nicht. Beim Schienenverkehr, der im April um etwa 18 Prozent gegenüber April 2009 zugelegt habe, würden in Deutschland 2014/2015 die Zahlen von 2008 wieder erreicht, europaweit dauere es sogar noch deutlich länger. Im Luft- und Seeverkehr seien die Zahlen um 33 Prozent besser als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Immerhin sei der Umsatzeinbruch bei Schenker insgesamt ohne Entlassungen vonstattengegangen. Rund 1.000 der 34.000 Mitarbeiter des Schienengüterverkehrs-Segments Schenker Rail hätten durch den konzernweiten Arbeitsmarkt der Deutschen Bahn AG eine neue Stelle in anderen Teilen des Konzerns bekommen, etwa 2.500 Mitarbeitern stehe diese "Anpassung" noch bevor, darunter vielen Lokführern. Im Instandhaltungsbereich von Schenker Rail gebe es inzwischen keine Kurzarbeit mehr; bei den Lokführern dauere sie noch bis August.

Engpässe gebe es zurzeit teils bei den Güterwagen. Während des Höhepunktes der Krise seien rund 40.000 der 100.000 Güterwagen stillgelegt worden, nun seien es noch rund 15.000, von denen 7.500 dauerhaft verschrittet werden sollten. Die Verfügbarkeit habe sich verzögert, weil die Waggons vor der Wiederinbetriebnahme nicht nur die üblichen Inspektionen durchlaufen mussten, sondern zusätzliche Werkstattaufenthalte wegen der Achsenprobleme nötig geworden seien. Deshalb seien über das normale Kontingent hinaus 12.500 Achsen zugekauft worden.

Weitere Expansion plane Schenker derzeit nicht, sagte Rausch. "Mit 25 Prozent Marktanteil fühle ich mich wohl." Diese Zahl gilt für Europa und bedeutet, dass Schenker Rail der Marktführer ist. "Halten und ausbauen", sei hier die Devise. Weltweit gesehen, liegt der DHL-Konzern bei den großen Logistik-Konzernen vor der Bahn-Tochter. In der Luft ist Schenker laut Rausch weltweit die Nummer zwei, auf See die Nummer drei.

Als Lektionen aus der Krise nannte Rausch mehr Flexibilität bei der Vertragsgestaltung und weitere Produktivitätserhöhung. Eines der künftigen Probleme sei, wie europaweit der Einzelwagenverkehr harmonisiert werden solle. Zwar haben sich sieben Eisenbahngesellschaften zusammengeschlossen, um Synergien in diesem kostenintensiven Segment zu heben, aber Frankreich und Italien gehörten nicht dazu. Deren große Bahnen wollten vielmehr den Einzelwagenverkehr zurückfahren. Hier wolle Schenker versuchen, mit eigenen Töchtern und Partnern aus der Schweiz und Belgien den Verkehr sicherzustellen.

APN/Reuters / Reuters