HOME

Gustav Humbert: Entscheidung im EADS-Führungsstreit gefallen

Der Streit zwischen Deutschland und Frankreich um die Führungsposition beim Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS sowie seiner wichtigsten Tochter Airbus ist beigelegt: Mit Gustav Humbert setzte sich die deutsche Seite im Machtpoker durch.

Ein vielsprachiger, zurückhaltender Norddeutscher soll zum neuen Airbus-Chef gekürt werden. Gustav Humbert, 1950 in Celle geboren, mit jahrzehntelanger Karriere in der Flugzeugbauindustrie, ist ein Pragmatiker par excellence mit viel Durchsetzungskraft, ohne im Vordergrund stehen zu wollen. Am Mittwoch wird der Verwaltungsrat des trinationalen Luftfahrtkonzerns EADS, wenn nicht alle Zeichen trügen, Humbert an die Spitze des Airbus-Konzerns mit seinen mehr als 50.000 Mitarbeiter in aller Welt berufen. Die Weichen wurden in der Führungsetage des DaimlerChrysler-Konzerns gestellt, der zur 30 Prozent an der Airbus-Mutter EADS beteiligt ist.

Seit 1980 im Flugzeugbau

Der bisherige Airbus-Vize trat 1980 in den Hamburger Flugzeugbau ein, damals noch ein Unternehmen von Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB), heute eines der beiden Zentren der europäischen Airbus-Industrie. Humbert, ehemaliger Chef der Deutschen Airbus in Hamburg, hat an der TU Hannover Maschinenbau und Produktionstechnik studiert und war auch ein Jahr lang Gast-Professor an der renommierten McGill-Universität in Montréal.

Mit dem Wechsel Humberts in diese Schlüsselrolle der europäischen Luftfahrtindustrie würde zum ersten Mal ein Deutscher Airbus-Chef. Vor ihm gab es nur einen deutschen Luftfahrt-Manager, den die Franzosen als Airbus-Chef dank seines großen Ansehens in dieser Branche in der selben Rolle akzeptiert hätten: Hartmut Mehdorn, Maschinenbauer wie Humbert. Doch der heutige Bahnchef, der sich noch immer großen Ansehens in der internationalen Luftfahrtindustrie erfreut und der mehrere Jahre lang - wie Gustav Humbert - Airbus-Chef in Hamburg und zudem Produktionschef in Toulouse gewesen war, verließ 1995 die ehemalige deutsche DASA im Zorn. Ausgerechnet die deutsche Seite verweigerte Mehdorn damals die Zustimmung. Die Rivalität zwischen dem heutigen DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp und Mehdorn war unüberbrückbar.

Setzte das "Dolores-Programm" um

Diesmal ist es genau umgekehrt. Die starke deutsche Seite bei EADS/Airbus hat Humbert, derzeit die Nummer zwei in Toulouse, gegen den von Paris ins Rennen gebrachten Franzosen Gerard Blanc durchgesetzt. Humberts größte und zugleich schwierigste Leistung in seinen Hamburger Zeiten war es sicherlich, die deutsche Airbus-Industrie mit dem umstrittenen Dolores-Programm, das viele Arbeitsplätze gekostet hat, in den 90er Jahren wieder international konkurrenzfähig gemacht zu haben. Dennoch genießt der promovierte Maschinenbau-Ingenieur unverändert hohes Ansehen in der Hamburger Belegschaft. Das gilt gleichermaßen für den Führungsstab wie für Arbeitnehmer und Gewerkschaften.

Als Airbus-Generaldirektor in Toulouse hat Humbert entscheidenden Anteil daran gehabt, dass Hamburg-Finkenwerder eine Schlüsselrolle bei der Fertigung und Auslieferung des doppelstöckigen Flugzeuggiganten A380 zugesprochen wurde - unbestritten auch eine von deutscher Seite politisch durchgesetzte Entscheidung -, was ihm in Frankreich nicht nur Freunde gemacht hat. Umso mehr Respekt und Anerkennung hat sich der frühere Werksleiter von Finkenwerder inzwischen erworben, seit er an der Garonne einer der wichtigsten Entscheidungsträger des bedeutenden und erfolgreichen europäischen Industriekonzerns ist.

Öffentlichkeitsscheuer Pragmatiker

Gustav Humbert, der meist reserviert wirkt, hat bislang die große Öffentlichkeit möglichst gemieden. Sein Motto lautet: Man muss nicht alles an die große Glocke hängen. Der vielsprachige Deutsche hat längst die französische Lebensart schätzen gelernt, dazu gehört auch die exzellente Küche im Süden Frankreichs. Oder anders gesagt - Humbert ist ein guter Europäer: Er liebt die französische Lebensart, doch sein Herz schlägt nach wie vor für Hamburg, das er regelmäßig besucht.

Karl Morgenstern/DPA / DPA