HOME

EADS: Ein Deutscher wird Airbus-Chef

Mit Gustav Humbert wird erstmals ein deutscher Manager Boss des Flugzeugbauers Airbus. Und auch eine Ebene höher, beim Airbus-Mutterkonzern EADS, gibt es eine neue Führungsspitze.

Er gilt als Mann des Ausgleichs und als Teamplayer: Erstmals steht mit Gustav Humbert ein Deutscher an der Spitze des europäischen Flugzeugbauers Airbus. Der 55-jährige Humbert folgt Noel Forgeard, der Co-Chef der Airbus-Muttergesellschaft EADS werden soll. Damit dürfte der seit längerem schwelende Streit um die Führung des Konzerns, der den Airbus-Nationen Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien gehört, vorerst beendet sein.

Berichte über eine anstehende Berufung Humberts auf den Chefsessel der Firmenzentrale im französischen Toulouse gab es länger. In Branchenkreisen verlautete, dass die Ernennung zunächst verschoben wurde, weil vor dem EU-Referendum in Frankreich keine offizielle Entscheidung getroffen werden sollte. Die Berufung Humberts gilt als überraschend, wurden doch zunächst andere Favoriten wie etwa der Eurocopter-Chef Fabrice Bregier gehandelt.

Unauffällig, aber effizient

Der im niedersächsischen Celle geborene Humbert arbeitet seit vielen Jahren bei Airbus und gilt als ausgezeichneter Kenner der Strukturen des Unternehmens. In Zeitungen wird der Manager, der in Hannover Maschinenbau und Produktionstechnik studiert hat, als Mann von zurückhaltender, unauffälliger aber dennoch effizienter Art beschrieben, der niemals den Weg in die Schlagzeilen suchte.

Nach einem zwischenzeitlichen Abstecher als Professor in die Wissenschaft, ging Humbert Anfang der 80er Jahre in die Wirtschaft und arbeitete bei Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB). Von dort stieg er die Karriereleiter über die Deutsche Aerospace bis auf den Chefsessel bei Airbus auf. Zudem ist er sei 1999 Vorsitzender des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie.

Herausforderungen sind zahlreich

Der verheiratete Humbert steht gleich in den ersten Tagen seiner Tätigkeit vor einem großen Berg an Aufgaben. Die Verzögerung zwischen zwei und sechs Monaten bei der Auslieferung des neuen Super-Airbus A 380 und die Ankündigung des Konkurrenten Boeing, mit dem "Dreamliner" den Großraumjet angreifen zu wollen, dürften nicht die einzigen Herausforderungen sein. Auch der eskalierte Streit zwischen den USA und Europa um milliardenschwere Subventionen für ihre Flugzeugbauer könnte seinen Amtsantritt belasten.

Nach dem lang anhaltendem Gerangel zwischen Deutschen und Franzosen um die Position, muss Humbert zudem laut Experteneinschätzungen in zahlreichen Medienberichten zunächst wieder für Ruhe im Konzern sorgen und um ein gutes Verhältnis zum neuen EADS-Chef Noel Forgeard bemüht sein, um den Steigflug von Airbus und damit seinen eigenen fortsetzen zu können.

EADS legt Führungskrise bei

Die seit langem für die Doppelspitze des Unternehmens vorgesehenen Noel Forgeard und Thomas Enders seien nun für fünf Jahre zu Co-Vorstandschefs ernannt worden, teilte das Unternehmen am Samstag in München mit. Der neue Airbus-Chef Gustav Humbert berichtet in direkt an Forgeard, den bisherigen Airbus-Chef. Zudem wurden auf EADS-Konzernebene zwei für das Tagesgeschäft zuständige Chief Operating Officers eingeführt. Diese Positionen würden von dem Franzosen Jean-Paul Gut und dem deutschen Hans-Peter Ring besetzt.

Die Führung der EADS war durch einen monatelangen Machtkampf um Posten und Zuständigkeiten geradezu gelähmt gewesen. Selbst auf der wichtigen Luftfahrtmesse in Le Bourget vor Kurzem hatten die beiden Vorsitzenden des Verwaltungsrats, Manfred Bischoff und Arnaud Lagardere, als Interims-Chefs EADS vertreten. Die größten Anteilseigner an EADS sind zu gleichen Teilen die DaimlerChrysler AG und die französische Seite mit Lagardere und dem französischen Staat. Das Machtgefüge bei dem Konzern ist zwischen deutscher und französischer Seite sorgsam austariert.

Nach Angaben eines mit dem Vorgang vertrauten Managers kam die nun festgelegte Lösung bei einem Gespräch zwischen den Verwaltungsratschefs Bischoff und Lagardere am Donnerstag in München zu Stande. Beide hätten dann nochmals mit dem französischen Finanzminister Breton gesprochen. Nach Angaben eines EADS-Sprechers stimmte das Board von EADS letztlich am Samstagmorgen zu.

"Exzellentes Team gefunden"

Bischoff und Lagardere erklärten, nach intensiven Verhandlungen sei nun ein exzellentes Team und eine neue Struktur für das zukünftige EADS-Management gefunden. „Die Ernennungen reflektieren sowohl die einzigartige Position der EADS als multinationales Unternehmen, als auch die starke Stellung des Unternehmens im Weltmarkt“, sagten sie. Priorität in der neuen Ära der EADS sei es, die starke finanzielle Position weiter auszubauen.

Enders und Forgeard erklärten, sie seien stolz darauf, eines der weltweit erfolgreichsten Luft-, Raumfahrt und Verteidigungsunternehmen zu führen. "Wir wollen gemeinsam das nächste erfolgreiche Kapitel in der EADS Geschichte aufschlagen", sagten sie.

AP/Reuters / AP / Reuters