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Hannover: Ausbeutung und Druck: Mitarbeiter von H&M klagen über miese Arbeitsbedingungen

Befristete Verträge, Druck von oben, Entlassungen: Mitarbeiter von H&M beklagen sich über schlechte Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaft Verdi sieht System dahinter. H&M selbst weist die Vorwürfe zurück.

H&M Filiale

Mitarbeiter von H&M klagen über miese Arbeitsbedingungen.

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Sich krank zur Arbeit schleppen, aus Angst, der Arbeitsvertrag könnte nicht verlängert werden oder man werde trotz guter Arbeit entlassen: Mit diesen Vorwürfen muss sich der schwedische Klamottenkonzern H&M in Hannover auseinandersetzen. Mitarbeiter werfen dem Unternehmen miese Arbeitsbedingungen vor, berichtet die "Hannoversche Allgemeine"

Konkret geht es um den Fall von Ismail T., der einen befristeten Vertrag bei H&M hatte, der aber nicht verlängert oder entfristet wurde. Der ehemalige Mitarbeiter und der Betriebsrat vermuten, dass er zu unbequem für H&M gewesen sei. Nun macht er seinem Ärger über die Arbeitsbedingungen Luft. "Arbeite schneller, kassiere schneller, sei produktiver, das hört man ständig", sagt Ismail T. zur Zeitung. Kollegen seien an freien Tagen in die Filialen gerufen worden, um für erkrankte Kollegen einzuspringen. Der Krankenstand sei hoch, doch wer nur einen befristeten Vertrag habe, quäle sich auch mal krank zur Arbeit. Und wer zum Betriebsrat gehe, würde sehr genau von der Geschäftsführung registriert. 

Das sagt H&M zu den Vorwürfen

H&M weist die Vorwürfe zurück. "Die Ausübung von Druck auf Mitarbeiter widerspricht unseren Unternehmensgrundsätzen, und davon möchten wir uns definitiv distanzieren", zitiert die "Hannoversche Allgemeine" den Konzern. H&M erklärt, dass Mitarbeiter sogar aufgefordert würden, Missstände zu melden. Müssten Mitarbeiter kurzfristig einspringen, sei dies immer freiwillig.

Die Gewerkschaft Verdi kennt die Vorwürfe. Solche Arbeitsbedingungen gebe es nicht nur bei H&M, heißt es dort. Auch andere Modeketten hätten ein ähnliches Geschäftsmodell. "Nicht nur für H&M gilt, dass häufig mit befristeten Verträgen gearbeitet wird. Da kann man beobachten, ob jemand öfter krank ist oder unbequem, ob jemand streikt oder zum Betriebsrat geht. Es wird massiv selektiert. Leute gehen krank zur Arbeit, weil sie ihre Verträge verlängern wollen", sagt Gewerkschaftssekretärin Juliane Fuchs zur "Hannoverschen Allgemeinen". 

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kg