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HANDEL: Kaufhäuser locken Kunden mit Rabatten

Kaum sind die rosigen Zeiten im Handel vorbei, wird mit harten Bandagen gekämpft: So starten lange vor dem offiziellen Beginn des SSV am 29 Juli Sonderaktionen.

Mit kurzfristig angekündigten Rabattaktionen versuchen die Kaufhäuser, im traditionell schwachen Sommergeschäft ihren Umsatz anzukurbeln. In dieser Woche lockte Karstadt die Konsumenten in ganzseitigen Zeitungsanzeigen mit einem »Weltmeister-Rabatt« von 30 Prozent. Damit antwortete der Konzern auf eine Werbeaktion des Konkurrenten Kaufhof, der am 21. Juni nach ähnlichem Muster den Kunden 20 Prozent Nachlass eingeräumt hatte. Doch bei solchen Angeboten müssen die Unternehmen nicht nur scharf kalkulieren; denn bei der Ausgestaltung der Sonderaktionen kommt es auf Details an, um ein gerichtliches Verbot zu vermeiden.

Gefahr des unlauteren Wettbewerbs

Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs in Bad Homburg beobachtet die Rabatte mit Argusaugen. Am Jahresanfang hatte bereits ein Gericht der Bekleidungskette C&A einen Preisnachlass für die Kunden von 20 Prozent zur Euroeinführung verboten. »Wenn ein Kaufhaus damit wirbt, sind die Beschwerden der Wettbewerber innerhalb weniger Minuten auf dem Tisch«, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Wettbewerbszentrale, Hans-Frieder Schönheit.

Schnelle Reaktion auf Sonderaktionen

Karstadt hat die Werbeaktion, deren Idee angeblich erst am vergangenen Freitag entstanden ist, geschickt geplant. Das Angebot besteht aus Sonderangeboten für nur drei Artikel, sagt Schönheit. »Das haben wir nicht beanstandet.« Dagegen hat es sich bei Kaufhof mit bis zu 25 verbilligten Artikeln um einen »unzulässigen Sonderverkauf« gehandelt. Bereits am ersten von zwei geplanten Angebotstagen hatte das Landgericht Köln dies untersagt. »Am Vormittag gingen die Beschwerden ein, am frühen Nachmittag wurde eine einstweilige Verfügung erwirkt und zirka um 16 Uhr zugestellt.«

Kampf um die Kunden

Nach dem schwachen Start des Einzelhandels in diesem Jahr wegen der Konjunkturflaute und der Euroumstellung wollen viele Unternehmen den schwindenden Umsätzen nicht länger tatenlos zusehen. Deshalb ist der Kampf um Kunden schon vor Beginn des Sommerschlussverkaufs am 29. Juli besonders heftig entbrannt. Nach Angaben des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) ging der Umsatz der Branche in den ersten fünf Monaten 2002 um 5,1 Prozent im Jahresvergleich zurück.

Oft rechnen sich Aktionen nicht

Dennoch sieht der HDE Rabattaktionen zwiespältig. »Es ist der Versuch, die kaufmüden Verbraucher wachzurütteln und in die Innenstädte zu locken. Das gelingt auch«, sagt HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. »Aber Rabatte können nicht die Lösung unserer Probleme sein.« Manche Kunden fragten sich, ob sie vorher zu viel bezahlt haben, wenn es plötzlich bis zu 30 Prozent Nachlass gibt. Fraglich ist auch, ob sich die Angebote für den Handel unter dem Strich rechnen. Die bundesweiten Vierfarbanzeigen kosten die Kaufhausketten viel Geld, dazu kommt der reduzierte Verkaufspreis. »Als Faustregel gilt, bei zehn Prozent Preisnachlass muss der Umsatz um 70 Prozent steigen, um den gleichen Gewinn zu erzielen«, sagt Pellengahr.

Für Karstadt geht es dabei auch ums Image. »Wir wollten auf der Welle der Weltmeisterschafts-Euphorie mitschwimmen«, sagt Karstadt- Sprecher Michael Scheibe. Nach seiner Beobachtung waren die Kaufhäuser voller als sonst. Auch Kaufhof in Köln beurteilt die Rabattaktion - trotz des gerichtlichen Verbots - als Erfolg.